SZ-Magazin: In einer eigentlich glücklichen Beziehung sein – und sich trotzdem in eine andere Person verlieben. Wie würden Sie das psychologisch einordnen?
Franziska Malcher: Das begegnet mir in der Praxis sehr häufig. Es passiert immer wieder und ist zunächst einmal zutiefst menschlich. Dahinter stecken meist unerfüllte emotionale Bedürfnisse, etwa nach Nähe, Bestätigung oder Wertschätzung. Gerade aus diesem Grund fühlen wir uns zu jemandem hingezogen, weil er oder sie scheinbar genau das verkörpert, was uns fehlt.
Sich zu verlieben ist immer auch eine Entscheidung. Würden Sie dem zustimmen?
Zumindest sind wir unseren Gefühlen nicht hilflos ausgeliefert. Dass mein Gehirn Glückshormone ausschüttet, wenn ich jemanden aufregend finde, passiert automatisch. Aber ob ich aktiv Kontakt suche, Nähe zulasse oder meine Gefühle reflektiere – das sind viele kleine Entscheidungen.
