Der Unabhängige: Stephan Schneider

Der Modedesigner ist in Japan ein Star, in Deutschland ist er kaum bekannt. Ohne Druck zu arbeiten bedeutet für ihn Freiheit. Seine Philosophie: konservative Avantgarde.

Sie machen seit 15 Jahren Mode, in Japan sind Sie ein Star, in Deutschland kennt man Sie kaum. Schmerzt Sie das?
Nein. Ich habe bewusst diesen Weg gewählt. Mich hat es nie ins Rampenlicht gedrängt. Ich finde es spannend zu wachsen, allerdings in Maßen.

Was spricht gegen großen Erfolg?

Ohne Druck zu arbeiten ermöglicht Freiheit. Ich könnte heute sagen, wir hören auf. Es gibt keine Kredite oder Verpflichtungen, keine Mitinhaber. Allein das befreit den Geist.

Ihre Philosophie?
Eine Art konservative Avantgarde. Ich mache keine Jacken mit zwölf Ärmeln, ich arbeite aber auch nicht den Konventionen entsprechend. Ich mache keinen Mantel, in dem man friert. Ich mache keine Handtaschen, nur weil man das jetzt macht. Der ideale Modedesigner kreiert seinen Markt selbst.

Warum ist Mode wichtig?

Denken Sie an die exzentrische Mode der Achtzigerjahre, die schon früh die Clubkultur einläutete. Neue Jugendbewegungen, gesellschaftliche Aufbrüche lassen sich immer am besten an der Mode ablesen.

Was lesen wir in der gegenwärtigen Mode?

Dass nicht viel los ist. Sie ist schlapp, langsam, zeigt wenig Mut zur Veränderung, ist ans Private gerichtet, was ja unsere Zeit ganz gut widerspiegelt.
Stephan Schneider, 35, betreibt seit 1995 ein eigenes Label und lehrt Mode an der Universität der Künste in Berlin.

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