Die Aussteigerin

Jasmin Apfel, früher Vorzeigefrau der NPD und mit dem Vorsitzenden verheiratet, nimmt heute an einem Aussteigerprogramm teil. Wie reagieren ihre früheren Gesinnungsgenossen darauf? Und wie kann die Abkehr vom Extremismus gelingen?

Jasmin Apfel in Riesa. Obwohl sie sagt, sie werde dort angefindet, möchte sie im Moment nicht wegziehen.

Foto: Miguel Brusch

Sie trägt eine knielange Pluderhose, wie Thailand-Touristinnen sie aus dem Urlaub nach Hause bringen. Dazu Ledersandalen, ein T-Shirt, eine Sonnenbrille. An diesem Morgen ist sie eine Dreiviertelstunde lang mit der Regionalbahn gefahren, weil sie sich nicht in der Stadt treffen wollte, in der sie wohnt: in Riesa. Dort hat der NPD-Landesverband Sachsen seine Büros, dort wird die NPD-Zeitschrift Deutsche Stimme verlegt, dort gibt es ein »Nationales Begegnungszentrum«, in dem schon das »NPD-Sommerfest« gefeiert wurde. Jasmin Apfel kennt viele aus der Partei und der rechtsextremen Szene, und viele kennen sie. Sie wolle diesen Leuten nicht begegnen, hatte sie gesagt und vorgeschlagen, für dieses Treffen gemeinsam in Dresden in den Zoo zu gehen.

Es sind Osterferien, die Sonne scheint, vor den Kassenhäuschen warten viele Eltern und noch mehr Kinder. Jasmin Apfel reiht sich in eine der Warteschlangen ein. Auf dem Weg vom Bahnhof hierher sprach sie mit lauter, klarer Stimme. Nun, zwischen all den Menschen, verstummt sie für eine Weile.

Jasmin Apfel war 18, als sie in die NPD eintrat. Sie lief auf rechten Demos mit und schrieb in einem Online-Forum, in dem sich Rechtsextreme austauschten, Beiträge unter dem Pseudonym »KleineGermanin«. 2004

Heute ist sie 36 Jahre alt und aus der NPD ausgetreten. Von Holger Apfel hat sie sich scheiden lassen. Sie trägt wieder ihren alten Nachnamen, der in diesem Artikel aber nicht erwähnt

Sie wolle mit ihrer Vergangenheit gern »voll abschließen«, hatte sie in einem Vorgespräch gesagt. Es wird sich zeigen, wie schwierig das für sie war und manchmal noch ist. Sie musste gelernte Denkmuster

Als Jasmin Apfel in die NPD eintrat, lebte sie in Hannover in einer Wohngemeinschaft für Jugendliche, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Sie habe bei »McDonald’s« gejobbt, erzählt sie, und dort ihren Freund

Der Eckladen sei eher Kneipe als Restaurant gewesen, sagt Apfel. Zwischen rustikalen Holzmöbeln hätten Arbeiter des nahe gelegenen Güterbahnhofs ihre Feierabendbiere getrunken. Frikadellen gegessen. Skat und Darts gespielt. Sie habe dort quasi

Apfel beschreibt ihre Eltern als streng und empathielos. Besonders die Mutter, die in der gut laufenden Kneipe die Chefin gewesen sei, habe ihr nie das Gefühl gegeben, gewollt zu sein und geliebt

Mit 16 sei sie in eine Pflegefamilie gekommen, erzählt sie. Weil ihre Mutter sie rausgeschmissen habe. Auch dort sei es nicht gut gelaufen, sie habe die Familie bald gewechselt und sei dann,

Vieles, was Jasmin Apfel über ihre Biografie erzählt, lässt sich nicht prüfen. Es gab die Kneipe ihrer Eltern, sie wird in jahrealten Beiträgen auf Online-Bewertungsportalen erwähnt. Eckpunkte ihrer NPD-Karriere sind dokumentiert. Die

Der Freund, den sie bei »McDonald’s« in Hannover kennen­gelernt habe, sei ein Skinhead gewesen. »Also richtig rechts«, sagt Jasmin Apfel. Mit Hakenkreuzfahne im Zimmer und Springerstiefeln an den Füßen. Ihr sei das

Trotz dieser Beziehung muss sie damals auf der Suche nach jemandem gewesen sein, auf den sie ihre Wut richten konnte. Einen Schuldigen am Chaos und an der Kälte in ihrem Leben. Sie

Es war die Zeit, Ende 2001, in der die deutsche Regierung beschloss, den Wiederaufbau von Afghanistan mit 130 Millionen Euro zu unterstützen, nachdem die USA mit Luftangriffen auf die Anschläge vom 11.

»Die einzige Partei, die du wählen kannst, ist die NPD«, habe ihr Freund gesagt.

Ihre Beziehung sei nicht gut gelaufen und bald zerbrochen. Trotzdem habe sie ihn verteidigt, als ihre Betreuerin in

Die NPD habe sich rasch gemeldet. Zum ersten Gespräch sei eine Frau erschienen, eine junge Mutter, so erzählt

Es seien Liederabende mit Gesellschaftsspielen gefolgt, gemeinsames Kochen, gemeinsame Arbeit für die Partei. Anfangs, sagt Jasmin Apfel, habe

Jasmin Apfel sagt, sie halte sich für einen intelligenten Menschen. Sie habe vor ein paar Jahren einen IQ-Test

Der Eintritt in die NPD muss für sie wie ein Schritt ins Licht gewesen sein. Endlich wurde sie

Sie verteilte Flugblätter: »Gewaltfreie Schulen für deutsche Kinder«. Sie gründete die »NPD-Frauengruppe Hannover«. Sie begann, im Internet im

Jasmin Apfel trat noch deutlicher ins Licht. Männer aus der Spitze der Bundespartei interessierten sich nun für sie.

Im Januar 2005 erschien ein Artikel in der NPD-Zeitschrift Deutsche Stimme: »Ohne Frauen keine Zukunft. Die NPD-Frauengruppe Hannover setzt Signale«. Jasmin Apfel wird darin zitiert und bringt auf den Punkt, warum Frauen für die NPD wichtig seien: »Die Leute sind gleich noch einmal doppelt so freundlich bei Verteilaktionen. Unsere Gegenwart nimmt offenbar Aggression heraus.«

Der Autor des Berichts in der Deutschen Stimme, der Jasmin Apfel damals interviewte, erinnert sich gut an sie. Der Artikel sei von der Partei gewünscht gewesen, sagt er am Telefon. »Um zu zeigen, dass auch Frauen in der NPD aktiv sind. Und um Jasmin bei der Stange zu halten.« Sie sei schlau und habe schnell begriffen: Hier komme ich weiter, hier kann ich was werden.

2006 wurde der »Ring Nationaler Frauen« gegründet und Jasmin Apfel ins Führungsgremium gewählt. 2007 heiratete sie Holger Apfel

Fragt man Jasmin Apfel, warum sie sich sieben Jahre später, 2016, beim Aussteigerprogramm meldete, sagt sie, dass sie

Ein Thema, das sie immer wieder anspricht, ist die Ausgrenzung, die sie und ihre Kinder in Riesa erlebt hätten. Es sei schwierig gewesen, Kita-Plätze zu finden oder in Sportvereinen aufgenommen zu werden. Sie sei aus dem Elternbeirat einer Kita geschmissen worden, nachdem in den Medien über den »Ring Nationaler Frauen« berichtet worden sei. Jasmin Apfel hat sich in Riesa auch in einer katholischen Kirchengemeinde engagiert, im Kinder-Liturgiekreis. Bis der Pfarrer mit einem Reporter der Zeit sprach. Jasmin Apfel fühlte sich von ihm verraten und löste sich von der Gemeinde.

Es war zu dieser Zeit Strategie der NPD, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, um neue Wähler für die Partei

Jasmin Apfels Engagement in Riesa passte zu dieser Strategie. Schaut her: Wir sind normale Familienmenschen! Sie sagt hingegen,

Der Druck, den sie in Riesa spürte, ließ sie offenbar nachdenklicher werden. Was bringt mir die Partei eigentlich?,

Außerhalb der Szene war sie ein Neonazi. Innerhalb der Partei die »Frau vom Chef«, so formuliert sie das.

Es klingt so, als sei Jasmin Apfel in Riesa immer weiter aus dem Licht herausgetreten. Sie trumpfte weniger

Ein entscheidender Impuls dazu kam von ein paar Frauen, die Jasmin Apfel in einem Kinder- und Jugendhaus in

2012 trat Jasmin Apfel aus dem »Ring Nationaler Frauen« aus, 2013 aus der Partei.

Auch ihr Ehemann Holger Apfel verließ in diesem Jahr die NPD. Er wurde quasi dazu gezwungen. NPD-Funktionäre hatten ihm, dem Parteivorsitzenden, vorgeworfen, einen »jungen Kameraden« ­sexuell belästigt zu haben. Jasmin Apfel sagt, sie habe den Vorwürfen erst mal nicht geglaubt. Mittlerweile sei das anders. Damals zogen sie und ihr Mann nach Mallorca und eröffneten ein Restaurant, in dem es Schnitzel und Sangria gab, »Maravillas Stube«. Ihre Auswanderung wirkte wie eine Flucht, über die sie nicht lange genug nachgedacht hatten. Reporter der Mallorca Zeitung und von Spiegel Online besuchten sie. Nach ein paar Monaten trennte sich Jasmin Apfel von ihrem Mann und zog mit den Kindern zurück nach Riesa. Ein Neustart am alten Ort. Ihre Kinder, sagt sie, hätten so viel durchmachen müssen, dass sie ihnen nicht auch noch eine neue Stadt in Deutschland habe zumuten wollen.

Das Jugendhaus besucht

Die Leiterin des Jugendhauses hat Jasmin Apfel den Kontakt zum Aussteigerprogramm vermittelt. Sie möchte nicht darüber mit dem SZ-Magazin sprechen. Jasmin Apfel solle und könne das selbst.

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Petra war in

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Aussteigerprogramme für Menschen

Die meisten ihrer

Petra spricht leise

Mit jedem ihrer

Das »Aussteigerprogramm Sachsen« hat dafür vier Kriterien festgelegt:
Ein delikt- und gewaltfreier Alltag.
Eine stabile Lebensperspektive mit sinnvoller Freizeitgestaltung.
Die Akzeptanz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
Eine Distanzierung von extremistischen Ideologien und men-schenfeindlichen Einstellungen.

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