Zimmer frei

Hier finden Sie zwölf kleine, feine Pensionen, für die Sie noch nicht einmal weit reisen müssen:

    BERLIN: Evas Frühstück

    Notorische Besucher von Design-Hotels suchen nach einem Wochenende im »Askanischen Hof« möglicherweise ihren Analytiker auf, Models flüchten nach dem Frühstück dort in eine handfeste Bulimie. Und das ist auch gut so, weil ein angenehm unnerviges Publikum im »Askanischen Hof« absteigt. Die 15 Zimmer der hochherrschaftlichen Etagenwohnung auf dem Kurfürstendamm sind reizend plüschig mit Jugenstil-, Art-déco- oder Chippendale-Möbeln eingerichtet. Am Empfang sitzt seit 40 Jahren die herzliche wie verständnisvolle Besitzerin Eva Glinicke. Nach einer langen Berliner Nacht darf man bei ihr gemütlich bis in den Nachmittag hinein frühstücken, und zwar üppigst: Kuchen und Wurst, Eier und Obst, Tee und Kaffee und dazu eine großartige Brotauswahl. Das Design wartet dann draußen: Chanel, Sonia Rykiel, KaDeWe und KPM – all das kann man bequem zu Fuß erreichen.

    Eva Fischer

    Hotel Askanischer Hof, Kurfürstendamm 53, 10707 Berlin, Tel. 030/8818033, Fax 030/8817206, www.askanischer-hof.de, DZ ab 107 Euro.

    OBERBAYERN: Christines Kinderzimmer

    Christine Schmitt heißt die kleine Schwester von der Mumei. Die ist 75 und berühmt, weil sie so gut kochen kann und deshalb im Fernsehen war. Im April hört sie auf. Christine ist erst 67 und denkt keine Sekunde daran. Wenn nichts dazwischen- kommt, vermietet sie »im Röslerhaus, bis ich 90 bin«. Mumei nennt Christine »die Feine, die Elegante«. Sie hat das hübsche Gesicht der Mama, den grünen Daumen vom Papa und macht das leckerste Frühstück im Chiemgau. Morgens lockt sie ihre Gäste zu süßem Quark und pikantem Käse, herrlichem Schinken und selbst gemachten Marmeladen aus den Betten. Zum Beispiel aus dem Elternbett. Oder ihrem ehemaligen Jugendzimmer. Oder Mumeis früherem Reich. Das ist nicht leicht, weil man in allen sechs Zimmern inmitten der schönsten Antiquitäten liegt und in einem der vielen Bücher schmökert, die überall stehen. Vielleicht gar in einem vom Papa. Da steht viel drin über die Rösler-Mädels; etwa wie treuherzig das Christine-Kind glaubte, der Vater sei der König, oder wie frech sie ihn als Teenager um den Finger wickelte. Alles kein Geheimnis. Schließlich war Jo Hanns Rösler ein bekannter bayerischer Autor und Humorist. Nun wirbelt die Christine im Dirndl aus der Küche, putzt das Familiensilber, arrangiert die Blumen, legt Rosenseife ins Bad auf dem Gang und untermalt mit klassischer Musik das wohlige Knarzen der Dielen im alten Bauernhaus. Das feiert bald seinen 600. Geburtstag. Renoviert wurde es 1709. Unter dem großen Nussbaum im prächtig blühenden Garten können sich die Gäste auf tausend Meter Höhe mit atemberaubendem Blick ins Tal küssen. Manche Gäste kommen aber auch her, um nur in Ruhe zu arbeiten. Wie einst Christine Schmitts Papa. In jedem Fall bleibt es familiär.

    Karen Cop

    Röslerhaus, 83730 Fischbachau, Kogl 2, Tel. 08066/1601, www.mumei.de, DZ inkl. Frühstück 80 Euro.

    TIROL: Julias Kässpatzn zu Drum´nBass

    Nein, dachten wir bei Höhenmeter 860, das hier hat nichts mit Urlaub zu tun: Der Wind bläst einem um die Ohren, die schmalen Pfade sind bestenfalls für Gämsen begehbar und die Neue Prager Hütte ist immer noch nicht in Sicht. Hinter der nächsten Kurve stand sie auf einmal, aber besonders einladend sah sie nicht aus – so trutzig und grau, wie sie sich da gegen den Himmel abhebt.
    Im Nachhinein betrachtet sind wir froh, dass wir weitergegangen und nicht bei der Alten Prager Hütte eine halbe Stunde vorher hängen geblieben sind. Die Wirtsleute der Neuen Prager Hütte, Julia und Alexander, duzen ihre Gäste und servieren bodenständige Bergsteigerküche zu Drum’n’Bass. In der neuen Alpenvereinshütte, die nun auch schon 100 Jahre alt ist, werden Prager Schinkenfleckerl und Kässpatzn über die Theke gereicht, auf der eine Sammlung Halbedelsteine steht. Wer nach vierstündigem Aufstieg noch Energie findet, kann mit den beiden reden bis in der Früh um drei. Im vergangenen Jahr haben sie die 2796 Meter hoch gelegene Hütte im Nationalpark Hohe Tauern gepachtet. Wenn die Bergsteiger aus dem Haus und Neuankömmlinge noch nicht da sind, legen die beiden eine Kaffeepause auf dem Dach des flachen Anbaus ein. Seit ich selbst einmal dort oben in der Sonne saß, würde ich jederzeit wieder so Urlaub machen.

    Claudia Fischer

    Neue Prager Hütte, Nationalpark Hohe Tauern, Talort Matrei, Osttirol, Tel. 0043/4875/8840, www.alpenverein-muenchen.de, Bett ab 18 Euro.

    OSTSEE: Prinzessin Tatjana wohnt nebenan

    Vor sechs Jahren gab Tina Schulz ihren Job im Hamburger Grandhotel »Atlantic« auf und zog in einen Weiler bei Kiel, der so klein ist, dass die Straßen keine Namen haben. Gut Panker besteht aus fünf reetgedeckten Wohnhäusern, Kirche, Schloss und Gasthof. Die Ostsee kann man riechen; Autos hört man nicht – Gut Panker ist nur über eine schmale, 300 Jahre alte Allee zu erreichen. Der Gasthof »Ole Liese«, den Frau Schulz leitet, ist eine Perle der norddeutschen Hotellerie – umgeben von Seen, Hügeln und den Wäldern der Holsteinischen Schweiz. König Friedrich I. von Schweden erwarb für seine unehelichen Söhne 1741 den gesamten Landstrich und ernannte die Jungs zu Grafen von Hessenstein. Ein Nachfahre, Fürst Wilhelm von Hessenstein, besaß ein Pferd namens Liese. Im Alter pflegte der Knecht Liese – Wilhelm dankte es dem Mann mit einer Schanklizenz. 1797 benannte der Knecht den Gasthof nach dem Pferd. Vor rund zwanzig Jahren kam Peter Marxen nach Panker. In der deutschen Rockszene ist er legendär, weil er in seinem Hamburger Club »Onkel Pö« Udo Lindenberg, Otto Waalkes und Marius Müller-Westernhagen zu ersten Auftritten verhalf; heute betreibt er unweit von Panker das Nobelrestaurant »Hessenstein«. Marxen möbelte das Hotel auf und 1998 pachtete es Frau Schulz von ihm – sieben Zimmer und ein Gourmetrestaurant mit regionaler Küche. Im Sommer erweiterte Schulz: Gegenüber im Bauernhaus gibt es jetzt 13 neue Räume. Frisch Verliebte aus Hamburg, Skandinavien-Touristen auf Durchreise, Topmanager, die Ruhe suchen – das sind Frau Schulz’ Gäste. Sie schlafen in Himmelbetten und essen in einem Restaurant, das mit Kamin, Holzdielen und wertvollen Gemälden wie der Speisesaal des schwedischen Königs anmutet. Die Innenarchitektur entwarf eine Nachbarin: Prinzessin Tatjana von Hessen, die im Schloss ein Designstudio betreibt.

    Lars Jensen

    Hotel Restaurant Ole Liese, 24321 Gut Panker,. Tel. 04381/90690, Fax 04381/9069200, E-Mail: info@ole-liese.de; www.ole-liese.de, DZ ab 140 Euro.

    MÜNCHEN: Zu Hause bei Herrn Köhl

    Vor 80 Jahren machte sich Frau Lutz fast jeden Morgen mit der Tram auf den Weg zum Münchner Hauptbahnhof, um nach Gästen für ihre Pension Ausschau zu halten. Damals gab es so wenige Hotels in der Stadt, dass nach der zehnminütigen Fahrt eine gute Chance für Frau Lutz bestand, die fünf Gästezimmer ihres Hauses mit frisch angekommenen Touristen bis zum Mittag voll zu kriegen. Walter Köhl hat die Pension von der Familie Lutz übernommen. Viel verändert hat der 58-Jährige nicht. An den Zimmerwänden hängen Wandteppiche, daneben in Gold gerahmte Landschaftsmalereien. Im Frühstücksraum tickt eine mannshohe Standuhr. Die Zeit scheint stehen geblieben in der kleinen Pension und auch der Preis. »Das Haus zeichnet dieselbe Freundlichkeit und Ruhe aus wie zu Zeiten der Familie Lutz«, sagt denn auch Herr Köhl. Sogar das Schild am Eingang ist immer noch das gleiche. Dort steht in schön verzierten Lettern: »Pension Lutz«.

    Alexandros Stefanidis

    Pension Lutz, Hofenfelsstraße 57, 80637 München, Tel. 089/152970, DZ ab 43 Euro.

    HAMBURG: Frau Petersens kleines Grandhotel

    Hamburg, Lange Reihe 50. Ein roter Läufer führt die Treppe hinauf zu Spiegeln, Lüstern, Antiquitäten. Schönes Entree. Ich will eigentlich nur kurz den Schlüssel in Empfang nehmen, aber so schnell kommt man bei der rothaarigen Frau Petersen nicht weg. »Führung durchs Haus gefällig?«, schnarrt sie in Respekt einflößendem Alt. Also gut. »Sehen Sie die Bilder im Treppenhaus? Die sind alle von mir, können Sie als Drucke kaufen. Daher der Name Galerie-Hotel. Auf diesem Werk hab ich meine Patentanten verewigt. Von denen habe ich das Haus bekommen. Mitte der Sechziger, da kam ich gerade aus Amerika zurück. Ich hab dort Kunst studiert, tolle Jahre, hochpolitisch. Aber zwischen all den Happenings bekam ich Heimweh. Das Haus stand leer und die Gegend am Bahnhof war mir gerade recht. Ich hab eine WG aufgemacht, das hat lange Zeit gut geklappt. Mit 40 hatte ich dann keine Lust mehr auf die ewig schmutzige WG-Küche, aber ein Single-Leben wollte ich auch nicht. So kam mir die Idee mit einer Pension für Künstler, na, sagen wir: Individualisten. Manche Maler und Schriftsteller kamen extra zum Arbeiten her. Mein Frühstück ist toll, werden Sie schon sehen. Otto Sander, Marianne Rosenberg und die ›Ärzte‹ waren auch hier. Ach, und der Christoph Schlingensief! Der hat einen Film bei mir gedreht, tagelang hallten orgiastische Schreie durch die Etage. Mitte der Neunziger war die Bausubstanz in dramatischem Zustand und 1998 wurde im großen Stil saniert: Jetzt sind es fünf Zimmer, ein Studio sogar mit Dachterrasse. Und die ›Künstler-Pension‹ habe ich umgetauft. Es haben nämlich oft Leute gefragt, ob sie auch hier schlafen dürfen, wenn sie keine Künstler sind? Klar! Von den Genies allein könnte ich doch gar nicht leben! Was sagen Sie überhaupt zu meinen Möbeln? Alle ererbt, selbst entworfen oder vom Flohmarkt, Biedermeier bis Art déco. Willkommen im kleinsten Grandhotel Hamburgs!«

    Lisa Stocker

    Galerie-Hotel Sarah Petersen, Lange Reihe 50, 20099 Hamburg, Tel. & Fax 040/249826, www.galerie-hotel-sarah-petersen.de, DZ ab 85 Euro

    KENIA: Petras Spätzle in Afrika

    Die Fahrt von Nairobi zu Petras Farm »Olea Africana« dauert zirka drei bis vier Stunden und das letzte Stück wird ziemlich holprig: Unterwegs im kenianischen Hochland braucht man gutes Sitzfleisch. Auf Entfernungsangaben ist nur bedingt Verlass: Das Schild »Nyeri: 70 Kilometer« begegnet einem auf der Strecke in einer Stunde zweimal. Ananasplantagen säumen den Weg, dann geht es in eine grüne Hügellandschaft, die ans Allgäu erinnert, aber Stammesgebiet der Kikuyu ist, die am Straßenrand Obst und Gemüse verkaufen. Man passiert Hochland-Kaffeefarmen, Wasserfälle, am Ende auch Nyeri. Etwas nördlich der Stadt, am Fuß der Aberdare Mountains, liegt Petras Farm.
    Petra stammt aus Wiesensteig in Baden-Württemberg. 1987 ging sie mit Mann und zwei kleinen Kindern für den Deutschen Entwicklungsdienst nach Kenia. Später übernahm die Familie eine Segelflugschule, vermietete Gästezimmer, zwei weitere Kinder wurden geboren. Den Mann ist sie inzwischen los, Gäste beherbergt sie immer noch, mittlerweile organisiert sie für die auch Tagessafaris: Im Jeep oder im Sattel – auf der Farm gibt es vier Pferde – geht es in den Aberdare National Park, zum Mount Kenya oder zur Solio-Ranch, einem privaten Nashorn-Schutzreservat. Dort wird unter Schirmakazien der Picknickkorb geleert, während ringsum Büffel, Zebras und Antilopen grasen. Abends, nach einem Sundowner und einer Flusswasserdusche, essen alle gemeinsam am großen Tisch. Manchmal gibt es Spätzle mit Linsen. Das Auto brauche einen neuen Kühler, schrieb sie neulich, und die Elefanten hätten mal wieder das Gemüsebeet verwüstet. Alltagsprobleme in Afrika.

    Daniela Ptok

    Olea Africana, Petra Allmendinger, P.O. Box 1518, Nyeri, Kenia, Tel. 00254/733734619, www.farmurlaub-afrika.de, petra@africaonline.co.ke, 2 Gästerundhäuser, ab 50 Euro pro Person und Tag (inklusive Vollverpflegung).

    INDIEN: Padmakar hat strenge Regeln

    Seit 35 Jahren pendelt Padmakar Mirajkar zwischen zwei extremen Welten, der deutschen und der indischen, und weil er ein weiser Yoga-Meister ist, hat er sich aus beiden Kulturen die besten Tugenden herausgesucht. So vereint der 62-jährige Yogi nun deutsche Pünktlichkeit, Ordnungsliebe und Gewissenhaftigkeit mit indischer Spiritualität, Lebensfreude und Gelassenheit. Mit dem Resultat, dass sich in seinem Haus »Good Earth« bei Pondycherry im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu nun Inder und Deutsche gleichermaßen wohl fühlen. Der Garten ist ein tropischer Traum: Seit 23 Jahren penibel gepflegt (zum Rasenmähen führt der Gärtner seine Kuh spazieren), wachsen dort Bananen, Papayas, Ananas, Kokospalmen, dazu Mango-, Cashew- und Zitronenbäume. Kletterrosen spenden Schatten vor dem Eingang, hinter dem Haus wachsen Bambus und ein gigantischer Banyan, jener Baum, der von den Indern als heilig verehrt wird, seit Buddha seine Erleuchtung unter ihm fand. Zwei Teiche, Hängematte, Schaukel und ein eigener Tempel, in dem Muthu, der Sohn des Gärtners, freitags Gottesdienst feiert, machen das Paradies perfekt. Die vier Gästezimmer sind von schlichter Eleganz und haben alle eine Tür zum Garten. Auf Wunsch kommt ein ayurvedischer Masseur vorbei oder ein Hauslehrer für klassischen indischen Tanz. Yoga-Übungen und Meditationen sind ohnehin inklusive – mit dem Hausherrn ist ja ein Meister dieser Zunft immer zur Stelle. Ein gewisses Maß Askese ist nötig, denn die Hausregeln sind streng: Nikotin und Alkohol sind tabu, auf dem Speiseplan stehen weder Fleisch noch Fisch noch Ei. Aber die Köchin Devaki liebt ihren Beruf, so dass der Verzicht nicht weiter ins Gewicht fällt. Im Übernachtungspreis sind drei Mahlzeiten, die Wäsche und ein Leihfahrrad enthalten. Mit dem kann man das nahe gelegene Auroville erkunden, eine Ende der sechziger Jahre von Menschen aus aller Welt gegründete Stadt (www.auroville.org), in der es weder Rassismus noch Armut geben sollte. Der Preis animiert auch bei Padmakar Mirajkar zu längeren Aufenthalten, als Rekordhalter unter den Gästen gilt ein gewisser Heinz. Er blieb zwölf Jahre.

    Christian Gottwalt

    Kontakt über www.yogaschule-sri-aurobindo.de, Tel. 0201/41685, E-Mail: padmirajkar@yahoo.de, DZ für 10 Euro.

    LONG ISLAND: Alices Wunderland liegt in Montauk

    Von der Tür des Zimmers A 9 geht man genau 21 Schritte quer über den Strand und schon steht man im Atlantischen Ozean. Umweltschützer stören sich daran, dass ein solcher Bau mitten in den Dünen von Montauk überhaupt genehmigt wurde. Alle anderen Besucher des »East Deck Motel« freuen sich, dass sie ihren Urlaub an einem der schönsten Strände Nordamerikas verbringen können.
    Die Geschichte des »East Deck Motel« erzählt auch davon, dass die Vereinigten Staaten von Amerika mal das Land der unbegrenzten Möglichkeiten waren. Vor gut einem halben Jahrhundert, Ende der vierziger Jahre, kam der Handwerker Sam Cox regelmäßig aus New York zum Fischen nach Montauk. Er verliebte sich in die weißen Sandstrände, die Klippen und die Heidelandschaft an der östlichen Spitze von Long Island (Norddeutsche empfinden Montauk als die perfekte Mischung aus Sylt und Holsteinischer Schweiz). Also beschloss er 1956 mit seinem Schwiegersohn Fred Houseknecht an der Nordküste von Montauk ein paar Apartments zu bauen. Ein Jahr später blies ein Sturm die Holzhäuser um. Cox und Houseknecht luden die Überreste auf einen Laster, fuhren zur Südseite von Montauk, in einen Winkel namens Ditch Plains, und bauten aus ihren Trümmern das »East Deck Motel« auf. Beinahe unverändert steht es seitdem zwischen all den neuen Villen der reichen New Yorker, die fürs Wochenende mit Hubschraubern einfliegen.
    Weil die Wellen sich vor der Küste von Ditch Plains meterhoch aufbauen, ziehen die Strände das ganze Jahr über Surfer aus dem Nordosten der USA an. Die Urlauber genießen außerdem den altehrwürdigen Charme des Motels, in dem seit 1957 keine Schraube mehr ausgetauscht worden zu sein scheint. Von der Barbecue-Station am Pool bis zur Kücheneinrichtung in den Zimmern hat alles antiquarischen Wert. Alice Houseknecht, die das Haus heute leitet, hat auch nicht vor, daran etwas zu ändern.

    Lars Jensen

    East Deck Motel Family Resort, P.O. Box 5003 Montauk, NY 11954, USA, Tel. 001/631/668-2334, www.eastdeckmotel.com, 3- bis 4-Bett-Zimmer ab 80 US $ bis 240 US $ pro Nacht.

    TOKASHIKI: Keine Angst, Herr Sekine spricht englisch!

    Kurosuke, der Pudel, gräbt gern große Strandkrebse aus. Auf der japanischen Insel Tokashiki ist das Leben ruhig, und Strandkrebse auszugraben gilt für Besucher hier schon als anstrengender Zeitvertreib.
    Tokashiki gehört zur Inselgruppe Okinawa zwischen Japan und Taiwan. Von Tokio ist es ein kurzer Flug nach Naha, der Hauptstadt der japanischen Präfektur Okinawa. Ein Schnellboot bringt einen in einer knappen Stunde auf die Insel Tokashiki. Dort wartet am Hafen Shiro Sekine, der Inhaber des »Hotel Sunflower«, mit seinem Pudel Kurosuke. Herr Sekine war früher Tauchlehrer auf Palau, wo er seine Frau Minori kennen gelernt hat. Zusammen eröffneten sie vor ein paar Jahren ihr kleines »Hotel Sunflower«, direkt am Sandstrand des Dorfes Aharen, mit zwei Zimmern im japanischen Stil und einigen im westlichen. Es gibt eine Tauchbasis, einige Bars, einen Tante-Emma-Laden und viel Natur. Nehmen Sie die japanischen Zimmer, wenn Sie vor Futons keine Scheu haben, von ihnen blickt man auf die ruhige Bucht hinter dem gelben Sandstrand. Ich kenne keinen anderen Strand, an dem man so viele schöne Muscheln findet. Neben dem Hotel liegt die Schule der Insel. Unter der Woche wacht man deshalb mit Meeresrauschen und Kinderlachen auf. Überhaupt Kinder in Japan: Japaner lieben Kinder. Dorthin mit Kindern zu reisen ist ein Erlebnis für sich. Unsere Kinder sind abends kreischend und halbnackt durch das Hotel gerannt. Herr und Frau Sekine schauten seelenruhig und glücklich zu, während wir vor Scham im Boden versanken.
    Frau Sekine kocht fantastisch: japanische Hausmannskost am Abend, auch zum Frühstück, wenn man will oder sich traut. Denn Misosuppe, gegrillter Fisch und Reis auf nüchternen Magen ist manch einem zu japanisch. Einmal die Woche schmeißt Herr Sekine seinen Grill an. Leckere Häppchen landen dann unablässig auf dem Teller, die man mit kaltem japanischem Bier unter dem Abendhimmel genießen kann. Oder mit Awamori, einem Schnaps, der auf Okinawa getrunken wird und nirgendwo anders besser schmeckt. Nicht zu verwechseln mit Habu-Sake, auch aus Okinawa, aber mit einer echten Schlange in der Flasche. Tagsüber kann man über den Korallen schnorchelnd die Tropenfische füttern. Sofern man nicht gleich vor Schreck Wasser schluckt, weil auch einige größere Kaliber vorbeischauen. Oder man geht gleich zur benachbarten Tauchbasis. Herr Sekine gibt einem Tipps für die besten Reviere. Falls man doch noch Muße hat, die Inseln zu erkunden, leiht einem das Ehepaar gern kostenlos sein Auto.

    Enno Kapitza

    Hotel Sunflower, 901-350 Okinawa-ken, Shimashiri-gun, Tokashiki-son, Aharen 172, Tel. 0081/98/ 9872840, Fax 0081/98/9873072, E-Mail: yoyaku@hotel-sunflower. com, DZ ab 100 Euro.

    NEW YORK: Bevy beherbergt auch Millionäre

    Es ist der Beginn einer tragischen Liebe: Trotz glücklicher Ehe mit Richard Gere verfällt Diane Lane in dem Film Untreu dem undurchsichtigen Charme des Franzosen Olivier Martinez. Wer im Kino genau hinsieht, erkennt, dass der Eingang zu Oliviers Loft im wahren Leben die Tür zu einem der »Best 50 Wonderful Little Hotels« in NYC ist: »Bevy’s Bed & Breakfast«, 70 Mercer Street, zwischen Broome und Spring Street. In drei Schlafzimmern und einer Abstellkammer beherbergt Bevy Seager Musiker, Fernsehproduzenten, Kameraleute, Visagisten, Stylistinnen, Professoren, Millionäre und Aristokraten. Sie alle schleppen bereitwillig ihre Koffer die 47 Stufen in den zweiten Stock des ehemaligen Fabrikgebäudes, um sich hier zu Hause und wohl zu fühlen.
    Die Unterkunft gibt es inzwischen seit 25 Jahren, seit Bevy 1980 ihrer Tochter aus Milwaukee nach New York folgte. Die beiden teilten sich einen Lagerraum, den sie zugleich als Atelier nutzten. Mutter und Tochter bauten sich mit selbst entworfenen Handtaschen und Modeaccessoires eine kleine Existenz auf. Das Geld reichte nicht und so wurde aus dem Lagerraum kurzerhand ein Bed & Breakfast.
    Dort kann man wunderbare Abende erleben und skurrile Zeitgenossen treffen. Alex zum Beispiel: Der britische Adelige tauschte schon vor Jahren regelmäßig seinen Landwohnsitz mit einem Zimmer bei Bevy, um sich dort auf die von ihm finanzierten Tauchfahrten zur Titanic vorzubereiten.

    Robin Houcken

    Bevy’s Bed & Breakfast, 70 Mercer Street, New York City, Tel. 001/212/431-8214, www.sohobevy.com, sohobevy@verizon.net, DZ ab 165 $.

    AUSTRALIEN: Suzette und ihre Kängurus

    Immer noch kommen viele Besucher nach Australien der Dornenvögel wegen. In der Familiensaga kämpfte der schöne Pater Ralph zeitlebens gegen seine weltliche Liebe zur noch schöneren Meggie an. Nur ein einziges Mal wurde der Geistliche schwach und das geschah im Paradies auf Erden: auf einer der Whitsunday-Inseln vor der Küste Queenslands. Der Bruch des Zölibats vollzog sich zu einer Zeit, in der nur ein paar wenige Kilometer westlich auf dem Festland ein kleines Zuckerrohrschneider-Cottage gebaut wurde, das noch heute existiert. Inzwischen steht die Hütte in dem drei Hektar großen Garten des Ehepaars Suzette und Adrian Pelt, mitten im australischen Regenwald und liebevoll restauriert: Man schläft in einem himmelblau getünchten Schlafzimmer, duscht mit Regenwasser, isst in der Wohnküche, beobachtet vom Wohnzimmer oder beim Frühstück auf der Veranda Kängurus. Gut, dass Pater Ralph dieses kleine Gästehaus nicht kannte. Aus seiner Karriere im Vatikan wäre wohl nichts mehr geworden. Hier hätte er für ewig bleiben wollen.

    Anne Nina Schmid

    Cane Cutters Cottage, Airlie Beach, Whitsundays, Australien, www.babs.com.au/canecutters, pelt@whitsunday.net.au, Cottage für zwei bis drei Selbstversorger, ab 110 AU$ pro Nacht, Mindestaufenthalt drei Tage, Frühstück wird auf Wunsch (und gegen Aufpreis) serviert.

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