Der schwere Weg zur Reparatur

Viele Geräte sind heute so gebaut, dass Defekte kaum noch behoben werden können. Warum ist das so? Und kann man sich dagegen wehren? Mit einem reparaturbedürftigen Computer machen sich unsere Autoren auf die Suche nach Antworten.

Moderne Geräte wie dieser Laptop be­stehen aus Hun­derten von Bauteilen. Ist nur ein einziges kaputt, landet oft der ganze Apparat auf dem Müll.

Foto: Todd Mclellan

Eine Dienstreise, eine gedanken­verlorene Bewegung, und das Display des Laptops – gerade mit Schwung geschlossen, ohne daran zu denken, dass da noch Kopfhörer auf der Tastatur liegen – splittert. Ein ächzendes Knacken, ein Knirschen, Chrrrrrrxxx. Risse ziehen sich vom rechten Rand bis zur Mitte des Monitors. Was nun?

Dieses Missgeschick ist einem von uns, den zwei Autoren dieses Textes, passiert. Es war eine Situation, wie sie in der modernen Welt ständig auftritt: Ein Gegenstand geht kaputt, ein Gerät gibt seinen

Alles strahlt bei Apple. Die Möbel, die Mitarbeiter, die Produkte. Der Apple-Store am Münchner Marien­platz: Wer ein Gerät repariert haben will, muss sich Wochen vorher im Internet anmelden,

Gibt es keine Chance, das Teil zu reparieren? »Ich dürfte das gar nicht sagen«, sagt er, »aber …«. Er empfiehlt, es bei einem Reparaturservice wie dem Maclabor zu versuchen,

Jahr für Jahr entstehen auf der Welt rund 50 Millionen Tonnen Elektroschrott. Die Deutschen steuern dazu über zwei Millionen Tonnen bei. Bisher werden nur zwanzig Prozent davon wiederverwertet,

Wir machen, was jeder macht, der im ersten Moment nicht weiß, was er machen soll: Wir googeln. Mit den Begriffen »Reparatur selbermachen München« finden

Ein Altbau, erster Hinterhof. Die Räume der »anstiftung« sind hoch und hell. An einem runden Tisch sitzt Tom Hansing, ein Mann im Kapuzenpullover, schütterer

Hansing seufzt, als wir ihn fragen, warum unser zehn Jahre alter Laptop nur noch Elektroschrott sein soll. Ein kleines Gerät wie dieses, erklärt er,

Tom Hansing kann die Strategien, die Hersteller darauf entwickelten, herunterbeten: Firmen bauschen kleine Verbesserungen ihrer Produkte in der Werbung so stark auf, dass Kunden

Großen Herstellern nachzuweisen, dass sie ihre Produkte mit Absicht so konstruieren, dass sie schneller kaputtgehen, ist kaum möglich. Aber Hinweise darauf gibt es immer

Wie die Industrie Güter herstellt und wie die Gesellschaft sie gebraucht, hat sich stark gewandelt, »es gibt ganze Produktwelten, die mit einer permanenten Kultur

Im Januar dieses Jahres haben die Vereinten Nationen eine Studie vorgestellt, wonach sich die Menge an Elektroschrott bis 2050 mehr als verdoppeln wird –

Der Direktor des Deutschen Museums, Wolfgang Heckl, hat ein Buch geschrieben, Die Kultur der Reparatur, in der er Reparatur als Grundprinzip der Natur beschreibt: Wunden heilen, Äste wachsen nach. Und auch bei menschengemachten Dingen war das Reparieren jahrhundertelang eine Selbstverständlichkeit. Der technische Fortschritt der Menschheit beruht, davon ist Heckl überzeugt, zu großen Teilen auf dem Prinzip der Reparatur. Weil Menschen es nicht hingenommen haben, wenn ein Gerät nicht mehr funktionierte, haben sie es zerlegt, verbessert, neu zusammengesetzt. Und manche von ihnen haben aus dieser Erfahrung heraus Firmen gegründet, neue Produkte erfunden und so dazu beigetragen, dass Maschinen insgesamt immer besser werden.

Auch für Tom Hansing ist die Reparatur nicht allein eine handfeste Tätigkeit, er sieht darin eine gesellschaftliche Bewegung – und einen Hebel, den Kulturwandel

In der Seidl-Villa in München-Schwabing an einem Sonntag im Februar öffnen sie den kaputten Dingen pünktlich die Tür, Schlag 14

Gemeinsam betrachten die Männer das Gerät, schwer und schwarz liegt es da. Die Schrauben auf seiner Unterseite sind kaum zu

Wunderlich klaubt die passende Klinge aus seiner Werkzeugsammlung. Dann dreht er Schraube um Schraube heraus und hebelt mit einem Spatel

Vor zwei Jahren hörte Wunderlich einen Vortrag des Wissenschaftlers Niko Paech. Paech forscht über Nachhaltigkeit, über die Grenzen des Wachstums.

Als nächste Aufgabe wendet sich Wunderlich unserem defekten Laptop zu. »Warum nicht mal eine Lampe, was Einfaches?«, scherzt er. Seine

Wunderlich zieht sein Smartphone aus der Tasche. Er tippt etwas. Er prüft die Serien­nummer unseres Rechners. Dann zeigt er seinen

In Kisten aus Kunststoff liegen, säuberlich be­schrif­tet, mehr als 60 zerlegte Smartphones, Laptops und Tablets. Hier,

Die Firma iFixit wurde 2003 von zwei Studenten in Kalifornien gegründet, die sich darüber geärgert hatten,

Auch ein Ersatzdisplay für unseren Laptop wird auf der Seite von iFixit ange­boten, Artikel-Nummer: IF185-104-4, für

Einer der beiden Geschäftsführer von iFixit, Matthias Huisken, empfängt uns in einem Konferenzraum der iFixit-Europazentrale in

Anfangs waren sie bei iFixit in Europa zu dritt, heute sind es etwa 50 Mitarbeiter, in

Huisken sagt: »Selbstverständlich kämpfen wir gegen übermächtige Gegner.« Aber das sei immer schon so gewesen, wenn

Matthias Huisken ist überzeugt, dass nur ein solcher politischer Druck dazu führen wird, dass Firmen auch

Derzeit diskutiert die Europäische Kommission über eine Neuauflage der Öko-Design-Richtline. Darin soll nun, zum ersten Mal

Doch manchmal liegen die Lösungen für globale Probleme wie den umweltfreund­licheren Umgang mit Technik viel näher.

Aus dieser Quelle könnte auch das ret­tende Ersatzteil für unseren Laptop kommen. Huisken betrachtet ihn mit einer ­Mischung aus Mitleid und Tatendrang. Dann sagt er: »Es ist schon absurd. Sie wollen ein Ersatzteil kaufen, wir wollen es verkaufen, aber wir kriegen es nicht.« Gern hätten wir von Apple erfahren, wie lange welche Art von Ersatzteilen verfügbar sind, was dann mit den überschüssigen Teilen passiert und warum diese nicht auch an Privatkunden verkauft werden. Auf eine An­frage des ­SZ-Magazins reagierte Apple aber nicht.

Das Paket ist mit orange­farbenem Klebe­band zu­sammen­gehalten. »Vor­sicht Glas! Nicht werfen«

Die Anleitung zum Ausbau des Laptop-Monitors von iFixit umfasst 18 Arbeitsschritte.

Wir schalten den Rechner ein, ehrfürchtig, gespannt, erwartungsvoll. Einen Augenblick lang