Das Milliardengeschäft mit geschützten Tieren

Dreißig Jahre lang schaffte Johann Zillinger exotische Vögel nach Europa, Interpol nannte ihn »einen der größten Artenschmuggler der Welt«. Inzwischen hat er ausgepackt – und sagt, seine wichtigsten Helfer waren die Artenschutzbehörden selbst.

Ein Grünarassari auf Johann Zillingers Hof im Osten Österreichs. Diese Art gilt nicht als gefährdet.

An einem Märzmorgen 2016 tritt der Zollfahnder Thomas Engel durch zwei schall­sichere Türen einer ehemaligen Dachdeckerei im östlichen Österreich. Frost liegt auf den Getreidefeldern, in der Ferne sind die Gipfel der Kleinen Karpaten zu ­sehen, sie sind von Schnee bedeckt. In der Halle aber könnte Engel glauben, im Amazonas zu stehen. Tropisch feuchte Temperaturen, eine Sprinkleranlage, die Monsunschauer nachbildet, und Volieren, durch die Papageien in leuchtend bunten Farben schauen: Prachtamazonen, Hyazinth-Aras, Palmkakadus, Goldsittiche.

Gerade wurde Engel befördert, mit ­27

Zillinger selbst hat die Behörden gerufen.

Engel kann die Geschichte kaum glauben.

»Da ging ich davon aus, dass

»Der Akt ist eine Bombe«, sagt

Innerhalb von rund dreißig Jahren wird

Dass er sich damit wohl auch

Johann Zillinger wächst im Marchfeld auf,

Zillinger erfährt auch, dass diese Arten

Das alles erzählt er im April

Seinen Einstieg in den Tierschmuggel schildert

Viele Reisen nach Brasilien werden folgen.

So sei er Z.s Kurier geworden.

Eine Anfrage des SZ-Magazins zu dieser Schilderung von Zillinger ließ Hans Z., in der Schweiz 2014 wegen mehrfachem Schmuggels von Tieren verurteilt, unbeantwortet.

Mit einem Mietauto, erzählt Zillinger weiter,

Im Hotel in Rio angekommen, betäubt

Für seine Arbeit habe er von

Seit Jahrhunderten begeistern sich Europäer für

Über Jahrhunderte hinweg verließen neben Vögeln

In den USA werden heute mehr

Viele dieser bedrohten Tier­arten sind essenzielle

Doch im Tierschmuggel ist der Profit

Zillinger schmunzelt über die Zahlen. Schätzungen

Nach seiner ers­ten Verhaftung in Brasilien

Währenddessen kommt die Jagd auf Tierschmuggler

Eine wichtige Ausnahme betrifft aber alle

»CITES hat uns Türen und Tore

Das Modell funktioniert über drei Wege.

Dass die Dokumente den Tieren nicht

Auch die Zollbeamten Thomas Engel und

Durch das bürokratische Wirrwarr, sagt Johann

Dass aber selbst große und angesehene

Das SZ-Magazin hat mehrere Zoos in Eu­ropa mit diesen Vorwürfen konfrontiert, die meisten antworteten nur mit Allgemeinplätzen. Die Zoologischen Gärten in Berlin zeigten sich immerhin problembewusst. So erklärte eine Sprecherin, dass der Zoo »nie wissentlich« geschmuggelte Individuen oder Nachzuchten geschmuggelter Tiere gekauft oder getauscht hätte, aber: »…  leider können wir natürlich nicht mit Sicherheit ausschließen, dass in der Vergangenheit Tiere mit gefälschten Dokumenten über andere Zoos auch in Zoo und Tierpark Berlin gelangt sind.«

Am besten, glauben die Leute von

»Wenn mir ein Vogel hin wird,

Um an die Eier zu gelangen,

Innerhalb von nur eineinhalb Jahren schmuggelt

In der Wartehalle, kurz vor dem

Kurz vor dem Boarding stehen plötzlich

»Da sitzen wir«, sagt Zillinger und zeigt auf einen vergilbten Zeitungsausschnitt: »Auf frischer Tat am Flughafen ertappt. Tierschmuggler von der Bundespolizei gefan­gen genommen«, titelt die Zeitung Diário do ­Nordeste auf Portugiesisch. Ein halbseitiges Bild zeigt Zillinger und M. auf einer Ledercouch, M. ist nach vorn gebeugt mit einer Hand vor dem Gesicht, Zillinger hat den Krawattenknoten gelockert. Er schaut direkt in die Kamera. »Kaltschnäuzig«, so beschreibt er sich selbst.

Zillinger ist damals vierzig Jahre alt. Sein ­Reisepass zeigt, dass er allein in den zwei ­Monaten vor seiner Verhaftung dreimal nach Brasilien gereist ist. Die Schmuggelreisen dieser Jahre waren laut Zillinger allesamt von Gerhard W. finanziert, einem heute 56 Jahre alten Arzt aus Wien, den Zillinger oft »Herr Doktor« nennt. Trotz einer Verurteilung wegen Arten­schmug­gels 2019 in erster Instanz in Österreich bestreitet W. bis heute, vom Schmuggel Zillingers gewusst zu haben. Das Urteil hat er an­gefochten. Auf Nachfragen des SZ-Magazins hat W. nicht reagiert.

Bereits W.s Vater züchtet Palm­kakadus und

Zillinger sagt: Als er Gerhard W.

Umgehend nach Zillingers Verhaftung 2002 in

Fast ein Jahr verbringt Zillinger daraufhin

Als alles überstanden ist, zieht er

Das Jahr 2005 bildet eine Zäsur

Zillinger rechnet vor: Heuert man einen

Fast immer führt Zillinger auf diesen

Auch im März 2015 erwartet er

»Die zwei scheiß Blauen!«, herrscht Zillinger

Was Zillinger nicht weiß: Schon im

Im März 2015 wittern die portugiesischen

Über ein Jahr verbringt Zillinger in

Im Winter 2016 kann Zillinger nach

W. aber fühlt sich selbst betrogen:

Zillinger wägt ab: Für illegalen Artenschmuggel

Für den Fall Zillinger arbeiten sich

Die Geschichte Zillinger zählt zu den

Pöchhacker und Engel sind enttäuscht, aber

Ihre Ermittlungen zeigen, dass es noch

Das fängt schon bei den Beständen

Während die Ermittlungen gegen Gerhard W.

Engel und Pöchhacker stellen mit der

Es ist 17 Uhr an einem

Es handelt sich um den 26-jährigen

H. hat penibel Tagebuch geführt, seine

Engel und Pöchhacker gehen auch diesem

Im November 2019 fällt schließlich das

Zillinger bezweifelt, dass dieses Urteil Schmuggler

Für W. gilt: Auch wenn seine

Zillinger selbst will sich, sagt er,

Auf seinem Hof verbergen sich hinter

Johann Zillinger, einer der erfolgreichsten Tierschmuggler