Lost in Translation

Künstliche Intelligenz hat Übersetzungs­programme so verbessert, dass man vielleicht bald keine Fremdsprachen mehr lernen muss. Das macht vieles leichter – bringt aber Verständigungsprobleme anderer Art mit sich.

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Kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie be­obachtete ich in Hamburg die kuriose Unterhaltung eines koreanischen Rucksacktouristen mit einem Hotelangestellten. Immer wieder sprach einer der beiden in ein Mobiltelefon, wartete kurz, scannte das Display, reichte es dem jeweils anderen über die Rezeption hinweg, der seinerseits etwas hineinsprach, wartete, scannte und so weiter. Es war offensichtlich, dass der eine kein Deutsch und der andere kein Koreanisch sprach, und obwohl die beiden kein einziges Wort miteinander wechselten, dauerte das Gespräch mehrere Minuten. Alle

Natürlich weiß ich, dass es Übersetzungsprogramme von Google oder DeepL gibt, die passabel funktionieren. Meine Kolleginnen und Kollegen arbeiten im Büro damit, einige Freunde auf Reisen. Trotzdem hatte ich sie nie richtig ernst genommen. Meistens hatte man mir erzählt, was sie alles nicht können, dass sie etwa »waterproof« mit »Wasser-Beweis« übersetzen. Auch Wissenschaftsjournalisten haben jahrelang digitale Übersetzungsdienste mit Nietzsche-Aphorismen oder Passagen aus Kafka-Romanen konfrontiert, um sich anschließend über die Resultate lustig zu machen.

In den vergangenen Jahren sind diese

Im Jahr 1967 war es Mr. Spock, der in Star Trek aus herumliegenden Ersatzteilen eine Übersetzungsmaschine bastelte, die aussah wie eine blinkende Taschenlampe. Ein halbes Jahrhundert später ist aus der Utopie noch keine Wirklichkeit, aber doch ein Traum geworden, der jeden Tag realistischer wird. Die Verheißung der Software-Fachleute lautet: Erlösung der Menschheit von der Vielsprachigkeit. Wird sie wahr, hätte sich die alttestamentarische Erzählung vom Turmbau zu Babel in ihr Gegenteil verkehrt: Hatte in der Bibel die Selbstüberhebung der Menschen noch zur göttlichen Strafe der Sprachverwirrung geführt, würde uns nun die Wiederauflage der einstigen Hybris mit technischen Mitteln von ihr erlösen.

In der Forschung glauben manche, dass es nur noch ein paar Jahre dauern wird, bis wir uns mit Hilfe von Übersetzungs-Apps zumindest in den gängigsten Sprachen der Welt flüssig unterhalten werden, ohne je einen Sprachkurs besucht zu haben. Der Physiker Ulrich Eberl geht davon aus, dass wir in gar nicht so ferner Zukunft eine winzige Maschine im Ohr mit uns herumschleppen werden, die Gespräche in Echtzeit übersetzt – wer Douglas Adams’ Roman Per Anhalter durch die Galaxis gelesen hat, ahnt, was da auf uns zukommen könnte. Der frühere Chef von Google China, der Informatiker Kai-Fu Lee, ist überzeugt: Im Jahr 2023 werden Touristen mit solchen Geräten durch Rom oder Tokio flanieren, Essen bestellen, Einheimische ansprechen. Englisch, Französisch oder Chinesisch werde man dann nur noch lernen, wie man heute vielleicht Latein lernt – aus einem tieferen Interesse an der Geschichte und Kultur eines Volkes. Ein Problem sehe er darin nicht, im Gegenteil, er halte für wahrscheinlich, dass viele Menschen dann erst recht Sprachen lernten, zum Beispiel Chinesisch, um endlich Konfuzius im Original lesen zu können.

Abgesehen davon, dass ich wenige Menschen

Sagen wir so: Ich verstehe, was

Zweifellos werden Übersetzungsprogramme unsere Art zu

Schon möglich, dass ich schlecht darin

Solange ich denken kann, haben mich

Es sind diese Verletzlichkeit und die

Als Junge fand ich Urlaube mit

»Was uns antreibt, ist die Idee,

Meine erste große Liebe dauerte nur

»Ich finde es fast immer schlimm,

Es sind dies natürlich Argumente einer

Das Problem sei, dass sich durch

Übersetzen sei Verhandlungssache, schrieb der italienische