Was für ein Jahr wäre 2020 eigentlich ohne Corona geworden?

Stellen wir mal auf die Füße, was auf den Kopf gestellt wurde. Ein Gedankenspiel. 

Illustration: Dirk Schmidt

Wie wäre das Jahr verlaufen, fragte Bruno, mein alter Freund, wenn es die Pandemie nicht gegeben hätte? Wie sähe die Welt jetzt aus, nur mal als ­Gedankenspiel?

Trump wäre wiedergewählt worden, sagte ich sofort. Seine komplette Unfähigkeit, seine umfassende Gleichgültigkeit dem Schicksal anderer Menschen gegenüber – das ist erst durch Covid-19 so sichtbar geworden, dass seine Abwahl möglich wurde. Sicher wäre die amerikanische Demokratie in höchster Gefahr – und diese Gefahr ist ja noch nicht vorbei. Aber er würde im

In Deutschland würde Friedrich Merz als CDU-Vorsitzender der Kanzlerin das Leben schwermachen, sagte Bruno.

Nein!, rief ich. Er wäre es geworden, aber er hätte sich blamiert, weil er der Sache nicht gewachsen ist.

In jedem Fall, so wieder Bruno, würden die Grünen in den Umfragen triumphieren, sie steuerten jetzt auf 30 Prozent

Ich tippte auf meinem Handy herum, bis ein Foto erschien.

Willi Holdorf, der Zehnkämpfer!, rief Bruno, als er es

Ja, das wäre wohl leider in jedem Fall passiert,

Natürlich! Holdorf wird 1964 am Schluss des 1500-Meter-Laufs bei

Mit einem Deutschen als Favoriten im Zehnkampf, sagte ich,

Übrigens, warf Bruno ein, wäre jetzt Ralf Rangnick Fußball-Bundestrainer.

Ich hatte Karten für Oberammergau, die ­Passionsspiele, sagte ich,

Im April, sagte Bruno leise, wollte ich einen Vortrag in der Volkshochschule Bad Schwürbelbach besuchen, ein unbekannter Virologe namens Drosten sollte über das Thema Die Pandemie, eine unterschätzte Gefahr sprechen.

Hat er doch dann oft genug getan, sagte ich.

Aber nicht in Bad Schwürbelbach. Da musste er absagen,

Freust du dich auf Silvester?, fragte ich. Wie feierst

Feiernde, sagte Bruno langsam, findest du nicht auch, dass dieses Wort Feiernde plötzlich so anders klingt? Früher waren Feiernde was Schönes, heute wittert man da einen Hotspot, Superspreader … Das Silvestergefühl war früher immer anders, am nächsten Tag begann etwas Neues. Beginnt diesmal was Neues? ­Irgendwie fühlt man sich nicht am Ende von etwas und am Anfang von etwas anderem. Man ist so mittendrin diesmal, nicht wahr?

Was Corona angeht, sagte ich seufzend, ziehe ich es