Die Verschlappohrung der Menschheit

Ob durch das Tragen von Masken oder häufiges Kraulen: Tut sich da gerade etwas mit unseren Ohren?

Illustration: Dirk Schmidt

Zu den Fragen, die mich im Moment beschäftigen, gehört die, warum es Schlappohren gibt. Vor einer Weile war an dieser Stelle zur Sprache gekommen, ob das Maskentragen die Ohrenentwicklung des Menschen beeinflussen wird, in Richtung größerer, auch weiter abstehender Ohrmuscheln, damit die Gummibänder besser halten.

Leserin T. schrieb mir daraufhin, sie glaube, der Trend werde eher in Richtung Schlappohr gehen; sie selbst habe bei Montage der Maske mit einem Blick in den Spiegel festgestellt, »dass ich Schlappohren habe«, auch ihre

Zurück zur Ausgangsfrage: Warum haben zum Beispiel manche Hunderassen schlappe Ohren, andere spitze? Wieso schleifen die Ohren eines Bassets auf der Straße, warum wird das Gesicht eines Cockerspaniels von lockigen Lappen umrahmt, während auf dem

Interessanterweise hat die Frage schon Charles Darwin beschäftigt. Wir haben es hier ja mit einer Ausprägung des Domestikationssyndroms zu tun, das eine Palette von Eigenschaften bei verschiedenen Tierarten umfasst: Verlust der Menschenscheu, veränderte Fellfarbe, kürzere

Vielmehr haben vor Jahren Forscher aus Berlin, Wien und Harvard im Fachblatt Genetics die Vermutung aufgestellt, bei einer Züchtung, deren Ziel Zahmheit sei, würden bestimmte Stammzellen so mutieren, dass die Tiere im Ergebnis weniger Stresshormone bildeten und nicht so aggressiv seien. Genau dieselben mutierten Stammzellen lösten aber dann in anderen Körpergebieten die Zeichen des Domestikationssyndroms aus. Schlappohren seien eine unbeabsichtigte Nebenwirkung der Zahmzüchtung. Und Hunderassen, die genetisch Wölfen näher seien (wie Schäferhunde oder Spitze), behielten eben spitze Ohren.

Auf stern.de stellte einmal jemand die Frage, ob es sein könne, dass die Verschlappohrung bei Hunden durch intensives Ohrenkraulen im Welpenstadium zu beeinflussen sei; jemand habe behauptet, so lockere sich das Gewebe um die Ohren,

Daraus ergeben sich zwei Dinge. Erstens ­sollte niemand glauben, er könne die Ohrenform seines Nachwuchses mit Hilfe der ­Bearbeitung durch Finger beeinflussen. Zweitens bleibt aber die positive Wirkung des Lauscherkraulens unbestritten. Zeit­genossen, deren Ohren häufig gekrault werden, ent­wickeln keine Schlappohren. Sie sind aber die sanfteren, zugänglicheren, entspannteren, insgesamt besseren Menschen. (Näheres zu meiner These hoffe ich schon bald im Fachblatt Genetics veröffentlichen zu können.)

Wären Donald Trump nur einmal am Tag regelmäßig die Ohren gekrault worden, und sei es von seinem Sicherheitsberater, die Welt wäre eine bessere.