Das Beste aus aller Welt

Ein Abriss würde dem Berliner Flughafen gut tun, heißt es. Unser Autor fragt sich, ob man in Deutschland nicht grundsätzlich mit allem noch mal neu beginnen sollte.

Immer wieder liest man jetzt über den Berliner Flughafen, es wäre am besten, alles dort bereits Vorhandene abzureißen, das Gelände einzuebnen, umzupflügen und mit Planung, Bau und Inbetriebnahme noch einmal von vorne zu beginnen. Ich befürchte jedoch, dass die Beratungen über den entsprechenden Beschluss und das sich daran anschließende Genehmigungsverfahren für die Airportvernichtung sich wiederum so lange hinziehen, dass die (ja vorhandenen, bloß nicht funktionsfähigen) Gebäude bereits unter Denkmalschutz stehen werden, wenn die Abrissbirnen eintreffen. Dies aber nur nebenbei.

Die Hauptfrage ist doch: Sollte man in Deutschland nicht überhaupt mit allem noch mal neu beginnen? Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben: Wir haben uns nicht nur mit dem Flughafen verrannt, sondern auch mit fast allem anderen. Unsere Rentenversicherung ist so kompliziert, dass sich zwischen Rente mit 63 und Rente mit 67 kein Mensch mehr auskennt. Unser Steuersystem kapieren nicht mal mehr jene uralten Ministerialbeamten, die ihr komplettes Leben diesem Wahnsinn geweiht haben. Aus der Energiewende wird schon allein deshalb nichts, weil kein Mensch mehr weiß, wann welcher Strom von wo wie an welchen Ort gebracht werden soll. Und allein den Organisationsplan des Verteidigungsministeriums zu verstehen, dauert länger, als in Deutschland jemals ein Verteidigungsminister im Amt war. Von der Gesundheitsreform und dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen haben wir jetzt noch gar nicht gesprochen.

Also, Vorschlag: Wir setzen das einfach alles außer Kraft. Rufen eine Stunde null aus. Beschließen den gesamten Laden von A bis Z neu, machen ihn simpel und für jeden verständlich. Na?

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Um noch mal auf den Flughafen zurückzukommen: Schlimmer kann’s ja nicht mehr werden. Jeden Monat bezahlt der Staat (das sind übrigens wir alle) 40 Millionen Euro für das, was dort nicht geschieht. Die gesamte von Uli Hoeneß hinterzogene Steuersumme in Höhe von 28,5 Millionen Euro würde gerade drei Wochen lang reichen, um die Tatsache zu finanzieren, dass in Berlin ein Flughafen nicht in Betrieb genommen werden kann. Das ist so erstaunlich, dass man sich fragt, ob nicht auch unser Strafrechtssystem mal auf null gestellt werden müsste. Warum müssen bloß jene ins Gefängnis, die dem Staat Steuern vorenthalten haben, während andere, die das dem Staat nicht vorenthaltene Geld dann zum Fenster hinauswerfen, alle Arten von Gehältern bekommen, Regierungen bilden und Aufsichtsratsmandate wahrnehmen?

Gefängnis, das finde ich aber auch veraltet. Ich bin dafür, dass alle, die für dieses Desaster in Berlin verantwortlich sind, den Flughafen ab sofort auf andere Art in Betrieb nehmen sollten, irgendwie spielerisch, als eine Art Kunstprojekt.

Die Aufsichtsratsmitglieder könnten zum Beispiel Tag für Tag die Start- und Landebahnen entlanglaufen, mit Spielflugzeugen in den Händen, Brummbrumm oder Dröhn-dröhn rufend, so einen Flugbetrieb simulierend. Andere Verantwortliche würde man an die Check-in-Schalter des Hauptgebäudes setzen, und jeder Bürger könnte vorbeibringen, was er lustig ist, Sperrmüll, selbst gebackenen Kuchen oder zusammengefegte Herbstblätter, und diese Leute müssten es dann in Lufthansa-Uniform annehmen und irgendwie »einchecken«. Wie das genau ginge, bliebe ihnen überlassen. Und stand nicht neulich in der Zeitung, alle Räume im gesamten Terminal des Nichtflughafens seien falsch nummeriert? Hier könnte man sich vorstellen, dass der zuständige Leiter der Berliner Betriebsverhinderungs- behörden (Wowereit, Klaus) das eingecheckte Material fachgerecht zu nummerieren verpflichtet wäre.

Aus den Lautsprechern erklingt dann die Stimme Hartmut Mehdorns, der vom Tower aus alle fünf Minuten ansagen müsste: »Achtung, dieser Flughafen hat zurzeit schon fast zwei Jahre Verspätung, mehr als alle Züge in meiner Zeit als sogenannter Bahnchef zusammen. Und das will was heißen!«
Aber was?

Illustration: Dirk Schmidt

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