So vermeiden Sie Lebensmittel-Verschwendung

Die Hälfte unserer Lebensmittel, die im Müll landen, wäre noch genießbar. Dabei kann jeder im Alltag etwas gegen »Food Waste« tun – durch richtiges Einkaufen, Lagern, Einfrieren und Kochen. Eine Anleitung in vier Schritten und simple Reste-Rezepte zum Nachkochen.

Foto: Reinhard Hunger, Styling: Christoph Himmel

Die Zahlen sind erschreckend: 1,3 Milliarden Tonnen Essen werden jedes Jahr weggeworfen. Ein Drittel der weltweit produzierten Nahrungsmittel landet im Müll, weil es bei Herstellung oder Transport beschädigt wurde oder in Lagerhallen, Geschäften und Haushalten verkommt. Die Deutschen schmeißen pro Person und Jahr 55 Kilo Lebensmittel weg – die Hälfte davon wäre noch genießbar. Inzwischen hat sich bei vielen Menschen aber auch ein Bewusstsein für diese enorme Verschwendung entwickelt: Supermärkte verkaufen abgelaufene Lebensmittel, Köchinnen zaubern Menüs aus Resten, Bäcker krümeln

Zuhause sollten Sie Ihre Einkäufe richtig lagern, damit sie sich möglichst lange halten. Im klassischen Kühlschrank ist es unten kälter als oben, weil die kalte Luft sinkt und sich über dem Gemüsefach sammelt. Legen Sie länger haltbare Lebensmittel wie Käse ins oberste Fach, ins mittlere Fach andere Milchprodukte wie Joghurt, Sahne oder Quark und ins untere Fach über dem Gemüsefach leicht Verderbliches wie Fleisch oder Fisch. Die Temperatur in der Tür ist optimal für Butter, Getränke und Eier.

Ins Gemüsefach kommen Obst und Gemüse – mit einigen Ausnahmen: Südfrüchte wie Bananen oder Ananas gehören nicht in den Kühlschrank, ebensowenig Tomaten. Letztere sind am besten offen an einem warmen Ort aufgehoben, ohne anderes Obst oder Gemüse in der Nähe. Kartoffeln und Zwiebeln dagegen können Sie zusammen lagern – und zwar dunkel und relativ kühl, im Keller oder unter einem Schrank. Den sensiblen Gurken und Auberginen ist es im Kühlschrank zu kalt, und Raumtemperatur ist ihnen zu warm. Also schnell verbrauchen. Wenn das nicht geht, in ein Tuch gewickelt in den Kühlschrank legen.

Äpfel gehören zu den Früchten, die nach der Ernte nachreifen und dabei Ethylen ausstoßen. Dieses Reifegas lässt Früchte, die direkt neben Äpfeln liegen, weiter reifen – bei Avocados ist das häufig erwünscht, doch anderes Obst kann dadurch schneller verderben. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, lagern Sie Äpfel im Kühlschrank, wo sie fast kein Ethylen mehr ausstoßen.

Beeren sind sehr empfindlich und sollten möglichst schnell gegessen werden. Sie halten sich höchstens zwei Tage im Kühlschrank. Breiten Sie sie dafür auf einer Platte aus, sortieren Sie matschige Beeren aus. Wurzelgemüse hält sich besser, wenn Sie vor der Lagerung im Kühlschrank die Blätter entfernen. Das Grün können Sie auch verarbeiten.

Karotten mögen es kalt, brauchen aber auch viel Luftfeuchtigkeit, damit sie knackig bleiben. Legen Sie sie in ein Küchentuch gewickelt in eine Plastiktüte und so in den Kühlschrank – dann sammelt sich das Wasser, das die Karotten ausdünsten, in der Tüte und hält die Luft dort feucht. Auch Salat hält sich in einer Tüte oder einem feuchten Tuch besser. Der Trick: Den Salat in der Tüte kopfüber in den Kühlschrank geben, dann läuft das austretende Wasser an den Blättern außen ab und rinnt nicht ins Innere des Salats.

Brokkoli, Blumenkohl oder Lauchzwiebeln können Sie einfach wie einen Blumenstrauß in ein Glas Wasser und so in den Kühlschrank stellen. Wichtig: alle 2 Tage das Wasser wechseln. Auch schlappe Radieschen werden in einem mehrstündigen Wasserbad wieder prall und knackig.

Haben Sie einen ungeheizten Keller? Dann lagern Sie Wurzelgemüse wie Karotten und Rote Bete in einer Sandkiste, so kann sich das Gemüse bei optimalen Bedingungen sogar mehrere Monate halten: Das Gemüse ungewaschen und ohne das Grün schichtweise mit Sand in eine Kiste legen. Mit einer Schicht Sand abschließen und das Ganze mit etwas Wasser besprühen.

Im Kühlschrank sollten Lebensmittel, die zuerst verbraucht werden müssen, vorne gut in Sichtweite stehen. Angebrochene Packungen in verschließbaren, möglichst durchsichtigen Behältern lagern. Viele Lebensmittel können Sie außerdem einfrieren: Brot, Butter, Fisch, Fleisch, Beeren oder Käse halten sich im Tiefkühler monatelang. Um Brot oder Gebäck vor dem Austrocknen zu schützen, können Sie es mit ein paar Apfelstücken lagern, am besten in einem Tontopf oder Brotkasten. Der Apfel gibt seine Feuchtigkeit nach und nach ans Gebäck ab, das dadurch länger frisch bleibt.

Halten Sie sich nicht sklavisch an das Mindesthaltbarkeitsdatum auf den Packungen: Es gibt nur an, bis wann der Hersteller die Haltbarkeit garantiert. Das heißt nicht, dass das Produkt nach diesem Datum nicht mehr genießbar wäre. Meistens halten sich Lebensmittel viel länger, noch dazu bei richtiger Lagerung. Bevor Sie also den Joghurt wegwerfen, bei dem das Datum überschritten ist, riechen Sie daran, schauen Sie ihn sich genau an und probieren Sie ein bisschen. Wenn er schmeckt, essen Sie ihn. Anders sieht es beim sogenannten Verbrauchsdatum aus: Das finden Sie bei leicht verderblichen Lebensmitteln wie Hackfleisch oder vorgeschnittenem Salat auf der Packung. Diese Produkte können Sie bis zu dem angezeigten Datum verzehren – vorausgesetzt, die Kühlkette wurde nicht unterbrochen. Nach Ablauf des Verbrauchsdatums sollen diese Lebensmittel nicht mehr gegessen werden, denn es könnten sich Krankheitserreger darin vermehrt haben.

Lassen Sie es auch beim Kochen gar nicht erst zu Essensresten kommen: Portionieren Sie schon vor dem Kochen, wiegen Sie zum Beispiel die zu kochende Nudel- oder Reismenge pro Person ab. Oder Sie kochen gleich so große Mengen, dass Sie davon mehrere Tage essen können. Das gute alte Vorkochen nennt sich heute Meal Prep und ist wieder im Trend. Es hilft nicht nur, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, sondern spart auch Zeit und Strom.

Wenn sich doch Reste ansammeln: Planen Sie pro Woche einen Tag mit Resteessen ein – einfach alles aufwärmen, auf den Tisch stellen, und jeder nimmt sich, was er mag. Oder Sie kombinieren ein neues Gericht: Aus Suppenresten wird eine Nudelsauce, aus einem Rest gekochtem Reis und Gemüse eine Gemüsepfanne. Auch mit noch unverarbeiteten Essensresten können Sie kreativ werden:

Schlappe Gemüsereste mit Wasser, Kräutern und Salz eine Stunde lang zu Gemüsebrühe kochen. Aus Brokkolistrünken, Blumenkohlblättern oder Spargelschalen werden leckere Suppen. Welke Salatblätter oder das Blattgrün von Radieschen und Möhren eignen sich auch für grüne Smoothies. Das Blattgrün von vielen Gemüsesorten ist perfekte Basis für Pesto. Und das Haar von frischem Mais – den Maisbart – können Sie zu einem entgiftenden Tee aufbrühen. Außerdem hier zwei weitere Reste-Rezepte für Gemüse:

Brokkolistrunk-Carpaccio:

Für 2 Vorspeisenportionen 1 Strunk schälen, eventuell holzige Stellen entfernen. Dann den Strunk

Fenchelgrün-Pesto:

Ca. 100 g frisches Fenchelgrün (oder Karottengrün) waschen, trockenschütteln und grob hacken.

Schrumpelige Äpfel oder braune Bananen bereichern jeden Smoothie. Überreife Bananen sind zudem die wichtigste Zutat in Bananenbrot (hier ein Rezept). Sie können Bananen auch – geschält und in Stücke geschnitten – einfrieren und jeweils so viele Stücke dem Eisfach entnehmen, wie Sie für Ihren Smoothie oder eine Nice Cream (veganes Eis) brauchen. Von Bio-Bananen können Sie sogar die Schalen verwerten, zum Beispiel für ein Bananenschalen-Sandwich. Aus fleckigen Äpfeln, Birnen oder Pflaumen lässt sich hervorragend Kompott kochen oder ein Crumble backen:

Fallobst-Crumble:

Backofen auf 185 Grad vorheizen. 1 Bio-Zitrone waschen, Schale abreiben,

Noch mehr Rezeptideen für schrumpeliges Obst und Gemüse finden Sie hier.

Frisches Brot lässt sich sehr gut einfrieren (praktisch sind halbe Laibe), aus altem Brot und harten Brötchen wurden schon in alten Zeiten Semmelknödel oder Semmelbrösel gemacht. Und wie wäre es mit Brotsalat oder dem Süßspeisenklassiker Arme Ritter?

Brotsalat:

Für 4 Portionen 200 g altes Brot in

Arme Ritter:

Für 4 Portionen 2 Eier, 250

Wenn Sie es allein nicht schaffen, Ihre Lebensmittel zu verbrauchen: Teilen Sie sie mit Nachbarn, Kolleginnen, Freunden. Noch schöner ist es, wenn Sie sie gleich zum gemeinsamen Kochen und Essen einladen. Oder Sie nutzen Internetplattformen wie Foodsharing: Wenn ein Urlaub ansteht, Sie sich beim Einkauf verschätzt oder gerade viel im eigenen Garten geerntet haben, können Sie Ihr Essen dort anbieten, und wer will, holt es bei Ihnen ab. Die ebenfalls von Foodsharing organisierten »Fair-Teiler« sind Tauschbörsen in vielen Städten, zu denen jeder seine nicht benötigten Lebensmittel bringen oder von dort welche mitnehmen kann. Auch auf lebensmittelwertschaetzen.de vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft können sich Lebensmittelretter bundesweit vernetzen. Praktisch beim Einkaufen sind Apps wie Too Good To Go

Kaufen Sie nur, was Sie wirklich brauchen. Schreiben Sie eine Einkaufsliste, werfen Sie vorher einen Blick in den Kühl- und in den Vorratsschrank: Was ist noch da, was fehlt? Für die perfekte Einkaufsliste außerdem sinnvoll: Überlegen Sie, was Sie in den nächsten Tagen kochen wollen – und ob Sie überhaupt kochen werden oder doch eher in die Bürokantine gehen. Deshalb ist auch der verbreitete Großeinkauf am Samstag nicht immer sinnvoll – gehen Sie im Zweifelsfall lieber öfter einkaufen. Lassen Sie sich im Supermarkt nicht von Sonderangeboten und Großpackungen locken.

Greifen Sie in der Gemüse- und Obstabteilung auch zu optisch weniger ansprechenden Exemplaren. Die bleiben oft liegen und werden am Ende aussortiert – wenn sie überhaupt den Weg in den Supermarkt finden und nicht schon vorher im Müll landen. Doch dass eine Möhre krumm oder ein Apfel unrund ist, tut dem Geschmack keinen Abbruch. Auf dem Wochenmarkt werden unperfektes Obst und Gemüse meistens eher angeboten als im Lebensmittelhandel. Und folgenden Tipp haben Sie sicher schon oft gehört: Nicht auf leeren Magen einkaufen – dann kauft man schnell viel zu viel.