Die gute Tat

Die US-Entwicklungshelferin Renee Bach gründet in Uganda ein Gesundheitszentrum für ­unter­ernährte Kinder. Viele von ihnen sterben dort. Infolge der Behandlung – oder trotzdem? Zwei Familien ziehen gegen Bach vor Gericht. Doch es geht um viel mehr als die Frage, ob Bach schuldig ist.

Ziriya Namutamba, 42, Bäuerin: »Als der Fahrer kam, wusste ich, dass Twalali tot ist. Die anderen Frauen hatten mich gewarnt: Wenn er dich abholt, ist der Junge gestorben. In der Klinik wollte ich Twalali sehen, doch ich sah weder die Leiche des Kindes noch einen Arzt. Ich war ratlos und weinte. Später ging draußen vor dem Gebäude Renee vorbei, von der ich gehört hatte, dass sie Ärztin ist. Sie trug Twalalis Körper, eingehüllt in ein Leintuch, und legte ihn in den Kofferraum des Geländewagens. Es war der Wagen, mit dem ihre Mitarbeiter Twalali und mich eine Woche vorher aus unserem Dorf geholt hatten.«

Die kleine, dünne Frau lebt mit ihrem Mann und fünf Enkeln in einer strohgedeckten Hütte, zwischen grünen Hügeln und Feldern. Ihre Tochter und deren Mann bekamen jung Kinder, sie haben kein Land, arbeiten im Westen Ugandas. Ziriya Namutamba kümmert sich um die Kinder. Twalali, der Drittgeborene, starb am 16. Juli 2013 mit zwei Jahren. Ihr Dorf liegt eine Autostunde entfernt vom nächsten Ort, wo es Lebensmittel gibt, aber keine Schule und keinen Arzt. Zum nächsten Krankenhaus in Jinja, mit 76 000

Ziriya Namutamba, Bäuerin: »Alle waren wütend auf mich. Twalalis Eltern, mein Mann, der Imam. Sie fragten nach Papieren aus der Klinik. Aber niemand hatte erklärt, was passiert war.«

Ein Drittel der Kinder in Uganda leidet in Folge von Unterernährung an Wachstumshemnissen, die Hälfte der Unter-Fünfjährigen an Blutarmut. Die Böden sind fruchtbar in Uganda, das als »Brotkorb Afrikas« gilt, auch im Osten des Landes, wo Ziriya Namutamba lebt. Dass trotzdem so viele Kinder zu wenige Nährstoffe bekommen, liegt unter

Bekommen die unterernährten Kinder keine ausgewogene Diät, sterben sie oft. An Erschöpfung oder an einer Lungenentzündung, an Durchfall oder Malaria. Twalali wurde eine Woche vor seinem Tod in Jinja positiv auf Malaria getestet, in der Pflegestation der Hilfsorganisation »Serving His Children«, gegründet von der US-Amerikanerin Renee Bach. Von ihrem Enkel

Ziriya Namutamba, Bäuerin: »Fünf Jahre nach Twalalis Tod besuchten mich zwei Leute aus der Stadt. Sie sagten, dass Renee gar keine Ärztin sei und ihre Klinik keine echte Klinik. Ich wurde so wütend! Sie hatte mich getäuscht! Twalali hätte bestimmt überlebt, wenn ich ihn zu einem echten Doktor gebracht hätte! Die Frau und der Mann aus der Stadt schlugen mir vor, gegen die Weiße vor Gericht zu ziehen. Ich fragte mich: Wenn ich ein solches Verbrechen unter Weißen begehen würde, könnte ich ungeschoren davonkommen? Mein Mann und ich versammelten uns mit der Dorfgemeinschaft, gemeinsam beschlossen wir, gegen Renee zu klagen.«

Die Frau, die aus Jinja zu Ziriya Namutamba kam, heißt Olivia Alaso, eine Uganderin, die sich mit der US-Amerikanerin Kelsey Nielsen den Hashtag #NoWhiteSaviors ausgedacht hat, »keine weißen Retter«. Durch dieses Schlagwort geriet Namutambas Dorf am Rande der Hügel in das Zentrum einer weltweiten Debatte über die Anmaßung weißer Entwicklungshelfer

Olivia Alaso,35, Sozialarbeiterin: »Als ich von dieser falschen Ärztin hörte, beschloss ich: Die Welt muss erfahren, wozu Weiße in Afrika fähig sind. Ich kontaktierte einen von Renee Bachs früheren Angestellten. Er brachte mich zu einigen Familien, die ihre Kinder verloren hatten, auch zu Ziriya Namutamba. Zusammen sind wir zu einer Anwältin. Ich will Gerechtigkeit. Ich will, dass so etwas nie wieder in meinem Land passiert.«

Primah Kwagala, die Anwältin, die die Betroffenen unentgeltlich vertritt, reichte am 21. Januar 2019 am Gericht in Jinja eine Zivilklage gegen Renee Bach und deren NGO »Serving His Children« ein. Die Familie von Twalali ist eine der drei klagenden Parteien, neben der Mutter eines weiteren toten Kindes sowie der Initiative

Primah Kwagala, 34, Anwältin in der Hauptstadt Kampala: »Der Staat ist unterfinanziert. Vor allem im Gesundheitssektor fehlt es an allem. Oft springen internationale NGOs ein. Leider fehlen die Mittel für regelmäßige behördliche Kontrollen dieser Organisationen. Viele Weiße machen, was sie wollen. Es passiert sehr selten, dass ein geschädigter Ugander aufsteht und sagt: Mir ist Unrecht geschehen! Deshalb hat es lange gedauert, bis jemand etwas gegen diese Frau unternommen hat.«

Renee Bach, heute 31, aus Virginia im Osten der USA, gründete direkt nach der Highschool mit 18 Jahren »Serving His Children«. Zuerst verteilte sie Reis und Bohnen in einem Armenviertel von Jinja. Ab 2009 versorgte sie auch unterernährte Kinder. Bis sie ihr »Rehabilitation Center« sechs Jahre später, im März 2015,

Jinja, wo Renee Bach und ihre NGO tätig waren, ist eine hübsche Stadt. Ein beliebtes Ziel von Abenteuertouristen, des riesigen tropischen Waldes wegen. Und von Freiwilligendienstlern, des riesigen Elends wegen. Zahlreiche Hilfsorganisationen sind in der Stadt tätig, einige davon haben junge US-Amerikanerinnen gegründet. Das hat mit der 30-jährigen Missionarin Katie Davis zu tun, die 2008 das Bildungs- und Gesundheitszentrum »Amazima Ministries« gegründet und über ihre Erfahrungen einen Bestseller geschrieben hat, Kisses From Katie, der bis heute Heranwachsende aus dem evangelikalen Umfeld in den USA nach Jinja lockt, auf der Suche nach dem angeblich richtigen Leben in einer angeblich falschen Welt. Der Himmel über der Stadt leuchtet aprikosenfarben und babyblau, der Nil entspringt hier, die Cafés servieren Papaya-Smoothie und Cappuccino. Im Norden der Hauptstraße leben die Einheimischen, südlich, näher am Fluss, die weißen NGO-Mitarbeiter und Touristenführer.

Olivia Alaso, Sozialarbeiterin: »Ich bin in Jinja aufgewachsen. Wie die meisten hier glaubte ich, dass alle Weißen nur Gutes bringen und dass sie besser sind als wir. Sie saßen in den hübschen Cafés und lebten in den schönen Häusern. Oft kamen sie in meine Schule und schenkten uns Süßigkeiten und Spielzeug, und wir sangen für sie. Später habe ich Sozialarbeit studiert und für internationale NGOs gearbeitet. Zuletzt für zwei junge weiße US-Amerikanerinnen, mit denen ich eigentlich ganz gut zurechtkam. Aber dann heuerten sie ein weißes, noch jüngeres Mädchen an, das uns Ugander herumkommandierte und behauptete, wir würden zu viel verdienen und zu wenig arbeiten. Ich habe meinen Chefinnen gesagt, dass diese Frau uns so nicht behandeln kann. Sie haben sie weiter beschäftigt. Also bin ich gegangen. Ich konnte das, weil mein Mann gut verdient. Die meisten Ugander trauen sich nicht, über Missstände zu sprechen. Sie brauchen die Arbeit, weil sie ihre Familien ernährt. Die Jobunsicherheit im Land ist groß.«

Eine der Chefinnen, für deren NGO Olivia Alaso 2015 nicht mehr tätig sein wollte, war Kelsey Nielsen. Drei Jahre später jedoch arbeiteten Alaso und Nielsen wieder zusammen – vereint in der Kritik an solchen NGOs. Im August 2018 starteten sie den Instagram-Account @NoWhiteSaviors und begannen dort, die westliche Hilfsindustrie zu kritisieren: etwa Freiwilligendienstler, die ohne besondere Qualifikation in Afrika helfen wollen und sich dabei gern in den sozialen Netzwerken zeigen – Arm in Arm mit Schwarzen, die ohne sie vermeintlich hilflos wären. Der Begriff »White Savior« bezeichnet weiße Menschen, die Schwarze aus einer Notlage retten, ein Topos, der auch aus Filmen bekannt ist. Ein Beispiel ist etwa der Kopfgeldjäger King Schultz in Quentin Tarantinos Django Unchained, der den Sklaven Django befreit, der dann einen Rachefeldzug beginnt.

Kelsey Nielsen, 30, Sozialarbeiterin: »Mit 20 kam ich zum ersten Mal nach Uganda. Ich volontierte im Waisenhaus ›Amani Baby Cottage‹. Zwei Jahre später gründete ich mit einer Freundin das ›Abide Family Center‹. Wie viele junge Gründerinnen hier glaubte ich, Gott habe mich gerufen. Ich war evangelikale Christin. Unsere NGO hat immerhin etwas Sinnvolles getan: Wir halfen, dass Kinder in ihren Familien bleiben können, indem wir etwa ihr Schulgeld übernahmen. Die Eltern der meisten angeblichen Waisen in Uganda leben nämlich, haben aber kein Geld, um für ihre Kinder zu sorgen, oder denken, Weiße könnten das besser. Wenn ich meine Blog-Einträge von damals lese, erkenne ich trotzdem, dass ich am White-Savior-Komplex litt: Ich verwechselte mein Bedürfnis, gebraucht zu werden, mit dem Glauben, gebraucht zu werden. Bis ich mir meiner Rolle bewusst wurde und verstand, was Rassismus wirklich bedeutet, hat es gedauert. Als Olivia kündigte, hat sie mich in die richtige Richtung geschubst. Wir haben viel diskutiert. Ich habe Bücher gelesen, James Baldwin, Toni Morrison, Audre Lorde. Ich erkannte meine Fehler, meine Arroganz und Ignoranz, und die Fehler der anderen Weißen. Auch die von Renee.«

Durch den Instagram-Account von Kelsey Nielsen und Olivia Alaso wurden US-Journalisten auf den Fall aufmerksam. Zuerst berichtete Ende September 2018 Medium: »Amerikanische Missionarin spielt Doktor, Kinder sterben, wann wird es Gerechtigkeit geben?« Nach einem am 19. Juni 2019 veröffentlichten halbstündigen Videobericht von Al Jazeera griffen viele große Medien die Geschichte auf. Im März 2020 hat @NoWhiteSaviors mehr als 300 000 Follower.

Renee Bach erklärte in einer Pressemitteilung vom 24. Juni 2019: »Leider sterben jedes Jahr 3,1 Millionen Kinder an Unterernährung, was die klare Notwendigkeit von Organisationen wie ›Serving His Children‹ zeigt.« Bach bestätigte, dass sie keine medizinische Ausbildung hat und dass in ihrer Einrichtung 105 Kinder gestorben waren, bestritt aber jede Verantwortung für deren Tod. Sie habe nie behauptet, Ärztin zu sein. Dem SZ-Magazin liegt die Stellungnahme zur Anklageschrift vor. Darin gibt Bach einzig zu, die Verlängerung der Genehmigung für den Betrieb einer Gesundheitsstation zu spät eingeholt zu haben.

Nach vielen E-Mails des SZ-Magazins an die Anwälte von Renee Bach meldete sich Ende 2019 ihre Mutter Lauri, Direktorin von »Serving His Children« in den USA. Am Telefon sagte sie, ihre Familie sei tief getroffen; die Vorwürfe der Kläger und die Presseberichte bezeichnete sie als unwahr. Renee stehe für ein Interview nicht zur Verfügung. Auch die Angestellten ihrer nach wie vor in Uganda aktiven Hilfsorganisation seien traumatisiert durch die Anschuldigungen.

Das zweistöckige Gebäude, in dem Renee Bach das Gesundheitszentrum betrieb, in der die Kinder starben, liegt in einem Vorort von Jinja, neben einem heruntergekommenen Viertel mit Blechhütten, in denen die Ärmsten der Stadt

Kelsey Nielsen, Sozialarbeiterin: »Ich habe Renee im März 2015 zusammen mit anderen weißen NGO-Leuten bei der Polizei in Jinja angezeigt. Die Krankenschwester Jacqueline Kramlich hatte mir erzählt, dass Bach Dinge tat, von denen sie keine Ahnung hatte, etwa bei extrem unterernährten Kindern lebensnotwendige Infusionen zu legen. Jacqueline und ihr Mann hatten einen Zweijahresvertrag bei ›Serving His Children‹ unterschrieben, aber nach ein paar Monaten gekündigt. Egal wie oft sie mit Bach geredet hatten: Sie hörte mit diesen Eingriffen nicht auf. Sie übernahm sogar mehr medizinische Aufgaben. Eine Amerikanerin, die damals bei ihr arbeitete, erzählte mir später, dass sie nach unserer Anzeige mit Renee Bachs Schwester alle Unterlagen von ›Serving His Children‹ durchging und sah, dass mindestens achtzig Prozent aller Patientenakten Renees Unterschrift trugen. Renee und ich waren mal gute Bekannte, wir hatten dieselben Freunde, trafen uns im Bibelkreis. Das änderte sich im Januar 2014, als ein Junge namens Sharifu in unserem Zentrum an einem Herzinfarkt starb, er war drei Jahre alt. Ein paar Monate bevor er zu uns kam, war er in Renees Obhut gewesen. Sie hatte ihn dick und gesund gefüttert – und dann nach Hause geschickt. Unterernährung bei Kindern geht oft mit Vernachlässigung einher, die Eltern haben kein Geld und keine Bildung. Man muss solche Familien langfristig begleiten und ihnen zeigen, wie sie ihren Kindern mit dem richtigen Gemüse, Hülsenfrüchten, Fleisch und Fisch helfen können. Nach Sharifus Tod konfrontierte ich Renee damit, dass ihre Arbeit nicht nachhaltig sei. Sie betrieb ja keine Notaufnahme, sondern eine Hilfsorganisation, die behauptet, das Leben der Menschen langfristig zu verbessern. Ich machte sie für Sharifus Tod mitverantwortlich.«

Nachdem Nielsen und ihre Mitstreiter Renee Bach angezeigt hatten, räumte ein Vertreter der ugandischen Gesundheitsbehörde Bachs Einrichtung. Bach zog für ein Jahr zu ihren Eltern in die USA. Im Juni 2017 eröffnete sie

Kelsey Nielsen, Sozialarbeiterin: »Ich kenne Ugander, die mit Bach in der neuen Station in Kigandalo gearbeitet haben. Sie haben versucht, mit ihr zu reden. Aber sie machte auch dort weiter wie bisher.«

Kurz nach der Eröffnung von Bachs neuer Gesundheitseinrichtung beschwerten sich sieben ugandische Angestellte in einem Brief an Bach, dass die weißen Mitarbeiter über ihnen stünden und dass die Ugander im Vergleich zu wenig

Kelsey Nielsen, Sozialarbeiterin: »Die Anwältin hat nur zwei Opferfamilien in die Zivilklage aufgenommen, weil sie für jeden Kläger Geld an das Gericht zahlen muss. Damit alle betroffenen Familien Gerechtigkeit erfahren, hoffen wir, dass auf den Zivilprozess ein Strafprozess folgt. Dafür muss die Kriminalpolizei erst mal ermitteln. Die Polizei hat kaum Ressourcen. Olivia und ich unterstützen die Beamten, wir bringen sie mit den Müttern der verstorbenen Kinder in Kontakt und geben ihnen Unterlagen, die wir gesammelt haben.«

Weitere Mütter haben Renee Bach und »Serving His Children« angezeigt, nachdem die Aktivistinnen sie besucht haben, auch Kakai Gorreti, deren neunjähriger Sohn Massai durch Behandlungen von Bach eine geistige Behinderung davongetragen haben soll.

Kakai Gorreti,32, Bäuerin: »Die weiße Frau hat uns aus dem Gesundheitszentrum in Nakhupa geholt. Da war Massai noch normal. Sie hat ihn nicht richtig behandelt, das weiß ich, weil mein Kind gestört aus ihrer Klinik zurückgekommen ist. Doktor Renee hat Massais Hände und Hirn beschädigt. Ich habe sie angezeigt, weil ich will, dass sie endlich zur Rechenschaft gezogen wird. Sie soll seine Medikamente zahlen und für seine monatliche Pflege aufkommen. Ich will, dass sie uns jeden Monat eine Million Schilling für seinen Unterhalt gibt.«

Das sind knapp 250 Euro. Renee Bach hat angegeben, sie habe Kakai Gorreti und ihren Sohn Massai nie gesehen. Tatsächlich war Massai nie bei ihr in Jinja, sondern nur in der späteren Station

Es gibt keinen Beweis dafür, dass Massais Gesundheit durch die Behandlung von »Serving His Children« beeinträchtigt wurde – und nicht dafür, dass Renee Bach persönlich ihn je behandelt hat. Primah Kwagala, die Anwältin im Zivilprozess gegen Renee Bach, schüttelt, angesprochen auf einen möglichen Strafprozess in Massais Fall, den Kopf. Auch wenn die Aktivistinnen von @NoWhiteSaviors die Mütter zu den Anzeigen ermutigten: Es sei nicht nachzuvollziehen, ob ein Kind wie Massai von Renee Bach falsch behandelt worden sei. Ihr gehe es allein um die folgenschwere Anmaßung Bachs, sich als Ärztin auszugeben. Das vor Gericht zu beweisen, sei Aufgabe genug. Die Kriminalpolizei in Kampala und die Polizei in Jinja erklären gegenüber dem SZ-Magazin, es liefen zu den neuen Anzeigen gegen Bach keine Ermittlungen, im Prozess spielten sie keine Rolle.

Peter Waiswa, 48, Arzt und Professor für Gesundheitsmanagement in Kampala: »Als ich zum ersten Mal im Fernsehen von den Anschuldigungen gegen die Amerikanerin hörte, war ich sicher, dass die Geschichte aufgebauscht ist. Es kann hier schnell passieren, dass Leute gegen Geld bestimmte Vorwürfe erheben. Ich wollte mir selbst ein Bild machen, also habe ich ihre Station für unterernährte Kinder im Gesundheitszentrum in Kigandalo besucht. Und ich war beeindruckt von dem, was dort heute geleistet wird. Daraufhin rief ich die Opfer-Anwältin Primah Kwagala an und sagte ihr, sie müsse besser recherchieren. Sie lud mich ein, mir ihr Material anzuschauen. Tatsächlich fand ich in den älteren Unterlagen von Bachs Einrichtung viele Fehler. Die Patientenakten waren nicht gut geführt, oft war keine ordentliche Diagnose vermerkt, es fehlte eine stringente Historie der Behandlung. Außerdem hatte Bach quasi alle Sterbeurkunden selbst unterschrieben. Das dürfen in Uganda nur Ärzte. In der Praxis ist es natürlich leider üblich, dass Formulare schlampig ausgefüllt werden und dass nicht-medizinisches Personal medizinische Aufgaben übernimmt. Aber wenn jemand geschädigt wird, kommt man damit nicht davon, da ist es egal, ob andere die gleichen Fehler machen. Jetzt ist das öffentliche Interesse groß, die Aufregung auf Social Media auch. Es geht nicht mehr nur um die Frage, was Renee Bach falsch gemacht hat, sondern um die Frage, was in unserem Gesundheitssystem alles falsch läuft.«

Am 21. Januar 2020 beginnt am Gericht von Jinja der Prozess gegen Renee Bach. Wie spektakulär die Anklage ist, weil es sich um die erste in Uganda handelt, die sich gegen die Praktiken

Neben dem Team des SZ-Magazins ist eine Autorin der US-Zeitschrift The New Yorker beim Prozessauftakt dabei. Sie hat Renee Bach und ihre Familie mehrmals getroffen. Die US-Kollegin überzeugt die Bachs, dass auch die deutsche Reporterin vertrauenswürdig sei. Schließlich stimmen die Bachs im Februar 2020 einem Treffen in ihrer Heimat in Bedford County, Virginia zu.

Renee Bach, 31, Direktorin und Gründerin von »Serving His Children«: »Ich war im Sommer 2018 auf dem Weg nach Los Angeles, um mit meinen Schwestern meinen 30. Geburtstag zu feiern, als mich meine Mutter anrief. Sie sagte, ein Flugzeug mit Journalisten sei fast in unsere Scheune gekracht, die hätten Fotos von unserem Haus gemacht. Sie würde jetzt alles zusammenpacken, zu Hause seien sie nicht mehr sicher. Ich verstand nicht. Da erklärte sie, meine Geschichte sei in den Nachrichten, in den nationalen und internationalen, überall. Im Internet fand ich dann all diese Artikel über mich. Ich saß am Flughafen und fühlte mich so entblößt, so schutzlos, ich hatte das Gefühl, alle würden mich anschauen: eine Mörderin, die frei herumläuft! Als ich nach zwei Tagen in L.A. zurück nach Virginia flog, zeigten tatsächlich wildfremde Menschen auf mich, fotografierten mich. Ich wollte mich nur noch verkriechen.«

Lauri Bach, 58, Mutter von Renee und US-Direktorin von »Serving His Children«: »Wir fühlten uns ohnmächtig. Menschen diskutierten im Internet, ob Renee sich gar eines Genozids schuldig gemacht hatte! Mein Mann Marcus und ich gingen zum Sheriff. Früher haben wir unser Haus nie abgeschlossen, selbst wenn wir länger weg waren. Aber auf den Rat des Sheriffs hin haben wir jetzt ein Schloss an unser Tor gehängt und mehrere Überwachungskameras angebracht.«

Die Bachs leben auf einer kleinen Farm im Süden von Virginia, in Sichtweite von zwei Nachbarn, unweit der Kleinstadt Bedford, in einer Hügellandschaft, wo es mehr evangelikale Kirchen als Restaurants gibt und in

Tom Wilmoth, 58, Redakteur, »Bedford Bulletin Newspaper«: »Wir wurden mit Mails bombardiert. Der Inhalt war immer der gleiche: Wissen Sie, dass diese Frau aus Ihrer Gemeinde diese schlimmen Dinge tut? Dahinter steckte die Gruppe #NoWhiteSaviors. Über ihren Instagram-Kanal hatte sie dazu aufgerufen, diese E-Mails an die lokalen Medien zu schicken, und sie hatte auch unsere Adresse veröffentlicht. Ich kenne die Familie Bach sehr lange. Ich wusste, dass das nicht wahr sein konnte, dass es eine gemeine Attacke war. Aber die meisten Medien veröffentlichten die Vorwürfe der Familien aus Uganda. Es war immer das gleiche Narrativ, es gab kaum Nuancen.«

Renee Bach: »Als ich im September 2007 nach Uganda kam, hatte ich auf jeden Fall diesen White-Savior-Komplex: Ich wollte unbedingt im Ausland helfen, hatte aber keine Ahnung von Uganda und kannte niemanden, der je dort gewesen war. Ich war nie außerhalb der Staaten gewesen, nur einmal in Kanada, und hatte nicht mal einen Reisepass. Als ich ankam, war ich ziemlich verstört, aber dann fing ich an, die Menschen und das Land zu lieben, und die Arbeit in einem Kinderhaus gab mir sehr viel. Zurück in den USA, wollte ich unbedingt wieder nach Uganda. Also betete ich, dass ich einen Weg finden würde, um die Not der Menschen in Jinja zu lindern. Ich gründete meine Organisation. Zuerst verteilte ich zweimal pro Woche in einem Slum Mittagessen an etwa tausend Kinder. Nach einer Weile fragte mich die Leiterin der Station für Mangelernährung im Krankenhaus in Jinja, ob ich ein paar Kinder bei mir aufnehmen könne. Ich erklärte, dass wir nicht auf unterernährte Kinder spezialisiert sind. Das sei schon okay, antwortete sie, die Kinder bräuchten einfach einen sauberen und ruhigen Ort, wo sie gutes Essen bekommen. So fingen wir an.«

Constance Milech, 54, Krankenschwester bei »Serving His Children«: »Es waren schnell sehr viele Kinder. Renee konnte sich nicht um alle kümmern. Nach einer Weile begannen wir, mit Ärzten zu arbeiten. Sie schauten sich das Ergebnis unserer Arbeit an und schrieben auf, welche Medikamente das Kind brauchte.«

Wenn man mit Milech und anderen spricht, die damals mit Renee Bach gearbeitet haben, bekommt man den Eindruck, das Team von »Serving His Children« habe unter ständiger Überforderung gearbeitet. Als habe sich die

Anonym, verantwortlicher Kinderarzt im Nalufenya-Kinderkrankenhaus, Jinja: »Unsere öffentlichen Krankenhäuser sind völlig überlaufen und unterversorgt. Dort ist nur Platz für Kinder mit schwerer Unterernährung, und sobald es ihnen ein wenig besser geht, werden sie entlassen, um Platz zu machen. Das ist eine Lücke im System, und die hat Renee Bach hier in Jinja gefüllt.«

Constance Milech ist seit 2010 bei »Serving His Children« angestellt. Kurz davor hatte sie in einem

Anonym, verantwortlicher Kinderarzt im Nalufenya-Kinderkrankenhaus, Jinja: »Bach geriet in einen Teufelskreis. Unser Gesundheitspersonal ist unterbezahlt und überarbeitet, die Patienten leiden an der Krankheit Armut. Es braucht viel Leidenschaft, um sich darauf einzulassen.«

Constance Milech, Krankenschwester bei »Serving His Children«: »Manchmal brachten Mütter Kinder in kritischem Zustand direkt zu uns und nicht in ein Hospital. Die überwiesen wir ins Krankenhaus. Aber für den Transport mussten wir sie ein wenig stabilisieren. Und in diesem Prozess sind manche gestorben.«

Renee Bach: »Bis zum März 2015 hatte ich nie Argwohn mir gegenüber wahrgenommen. An dem Tag kam der Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde. Er fuchtelte mit einem Papier vor meinem Gesicht herum und rief, ich gäbe mich als Ärztin aus, ich hätte 800 Kinder getötet, meine Einrichtung hätte keine Genehmigung und kein medizinisches Personal. Er gab mir ein offizielles Dokument, auf dem stand: Jeder, der nach 17 Uhr auf dem Gelände ist, wird verhaftet. Es waren 18 Kinder bei uns. Drei in kritischem Zustand, zwei brauchten Sauerstoffzufuhr, eine Neugeborene wog weniger als ein Kilo. Die Mütter gingen vor mir auf die Knie. Ich wollte sie nicht wegschicken, aber in dem Moment dachte ich, ich hätte keine Wahl. Wir brachten die Kinder ins Krankenhaus. Später erfuhr ich, dass der Mann von der Behörde unsere Station gar nicht hätte schließen dürfen, er hätte einen Polizeibeschluss gebraucht. Ich habe mir solche Vorwürfe gemacht! Acht von den 18 Kindern sind innerhalb von 72 Stunden gestorben.«

Nur eine Woche später erteilte die Gesundheitsbehörde Bach die Erlaubnis, ihre Station wiederzueröffnen. Einzige Auflage: Sie

Anonym, verantwortlicher Kinderarzt im Nalufenya Kinderkrankenhaus, Jinja: »Wir bräuchten sie noch. Um die Menschen in Ernährungsfragen zu beraten und Essen auszugeben, muss man nicht notwendig eine medizinische Ausbildung haben.«

Renee Bach: »Die Nachricht, dass meine Einrichtung geschlossen worden war, verbreitete sich 2015 in Jinja sehr schnell. Ich fand heraus, wer hinter den Anschuldigungen steckte: Kelsey Nielsen. Ich wusste, dass sie mich nicht besonders mochte. Etwa ein Jahr zuvor war in ihrem Zentrum ein Junge gestorben, und sie machte mich für seinen Tod verantwortlich, weil er zwei Monate vorher bei uns gewesen war. Ein paar Männer aus dem Ältestenrat der Kirche, der ich damals angehörte, boten an, zwischen uns zu vermitteln. Sie sagten, es brächte nichts, wenn ich direkt mit Kelsey spräche, sie sei sehr wütend. Die Männer meinten es gut. Aber sie fürchteten auch, sie könnten ebenfalls Opfer solcher Attacken werden. Alle Weißen in Jinja waren verunsichert und hatten Angst, sich zu positionieren. Am Anfang dachte ich, nach ein paar Wochen sei die Sache erledigt. Aber es wurde zu einer endlosen Qual, und diese Frau spielte immer mehr verrückt. Die anderen Missionare rieten uns, unsere Station erst wiederzueröffnen, wenn wir den Konflikt beigelegt hätten. Also beschlossen wir, eine Pause zu machen und die Zeit zu nutzen, um unsere Mission zu überdenken. Wir hatten immer so viel zu tun gehabt, dass wir gar nicht dazu gekommen waren, innezuhalten und zu fragen: Wie können wir effektiver arbeiten? Ist unsere Arbeit nachhaltig? Mir wurde klar, dass einiges falsch gelaufen war. Unsere Hoffnung, dass die Eltern unserer Patienten in ihren Dörfern über die wahren Ursachen von Unterernährung aufklären würden, hatte sich nicht erfüllt. Sie erklärten anderen betroffenen Familien nicht, dass sie selbst etwas tun konnten. Wenn sie an einem Kind die Symptome entdeckten, schickten sie die Eltern stattdessen direkt zu uns nach Jinja.«

Wendy Lubega, 27, Mitarbeiterin der Kampagne #NoWhiteSaviors: »In Uganda wird immer noch nach dem kolonialen Lehrplan unterrichtet! Wir lernen, dass die Briten kamen, um uns zu retten. Das Schulsystem in Uganda erzieht uns zu der Überzeugung, dass wir Schwarze schlechter und weniger fähig als Weiße sind. Wir haben die Unterdrückung verinnerlicht, wir glauben, es sei normal, dass wir unter den Weißen stehen. Viele Menschen können sich gar nicht erlauben, das Verhalten von Weißen in Frage zu stellen. Die bringen das Geld.«

Wendy Lubega, deren Vater eine Ziegelei besitzt und die Ethik und Menschenrechte studiert, arbeitete in einem

Renee Bach: »Ein Jahr nachdem wir unser Zentrum geschlossen hatten, fragte man uns, ob wir eine Station für unterernährte Kinder in einem kleinen Gesundheitszentrum einrichten wollen. Im Juni 2017 begannen wir in Kigandalo Patienten aufzunehmen. Wenig später übergaben mir Angestellte einen Brief. Sie beschwerten sich, dass wir sie nicht gut behandelten, dass unsere amerikanischen Mitarbeiter bessere Arbeitsbedingungen hätten und mehr verdienten, und drohten, schlimme Dinge würden passieren, wenn ich nicht reagierte. In den zwei Jahren nach der Schließung hatten wir ihnen das volle Gehalt bezahlt, obwohl sie nur einen Tag in der Woche arbeiteten: Sie sollten Bauern über die Ursachen von Mangelernährung aufklären. Sie hatten sich an das gute Leben gewöhnt. Ich kann es ja nachvollziehen. Ich bin dann zum Beauftragten für arbeitsrechtliche Fragen in Jinja gegangen. Er riet mir, alle Angestellten zu entlassen und eine Entschädigung zu zahlen. Ich bot danach allen an, ihnen bei der Jobsuche zu helfen. Ich dachte, wir seien im Guten auseinandergegangen.«

Constance Milech, Krankenschwester bei »Serving His Children«: »Seit 2015 kursierten diese Gerüchte über Renee. Aber nachdem die anderen sich von uns abgewandt hatten, wurde die Sache groß. Auch sie begannen jetzt, Renee schlimme Dinge vorzuwerfen. Sie waren wütend, weil sie sie entlassen hatte. Sie schickten Journalisten her, die uns filmten, ohne zu fragen. Später sah ich Bilder von mir im Fernsehen, dazu erklärte eine Stimme: ›Renee Bach beschäftigt in ihrer Station noch immer unqualifiziertes Personal.‹ Das zu sehen war schmerzhaft. Ich habe sehr lange studiert, ich bin Krankenschwester und Hebamme, und ich erneuere jedes Jahr meine Berufserlaubnis!«

Renee Bach: »Eine Freundin zeigte mir im Juli 2018 das Instagram-Profil @NoWhiteSaviors. Sie hatten Bilder von einer Freundin von uns veröffentlicht, einer Amerikanerin, die gerade ein ugandisches Baby adoptierte. Sie schrieben, es sei nicht gesund für afrikanische Kinder, in weißen Familien aufzuwachsen. Kurz darauf erschien der erste Post über mich. Ich traf plötzlich überall auf Kelsey und Olivia, an den seltsamsten Orten. Ich kaufte einmal gerade etwas in einem der vielen kleinen Kunsthandwerkläden an der Hauptstraße, als Kelsey ausgerechnet in diesen Laden kam! Nach den Postings auf der Instagram-Seite @NoWhiteSaviors begannen Leute im Internet, Todesdrohungen gegen mich auszusprechen.«

Renee Bach hat im Jahr 2015 ihre erste Tochter adoptiert, Selah aus Uganda ist heute elf

Lauri Bach, Mutter: »Unter den Posts über Renee entdeckten wir eines Abends alarmierende Kommentare: Wir nehmen die Dinge selbst in die Hand. Wir wissen, wo sie lebt. Wir wissen, wie wir sie finden. Solche Sachen. Da hat mein Mann Renee angerufen und gesagt: Du musst sofort nach Hause kommen!«

Renee Bach: »Es war 21 Uhr. Meine Tochter aß gerade im Garten mit Freunden zu Abend, und eine Freundin heulte sich auf meinem Bett aus, sie hatte Liebeskummer. Zuerst versuchte ich, meinen Vater zu beruhigen, doch dann bekam ich selbst Angst. Ich buchte unsere Flugtickets für den Herbst auf den nächsten Vormittag um. Noch vor Sonnenaufgang verließen wir das Haus Richtung Flughafen.«

Jane Amali, 29, Bäuerin: »Kurz nachdem ich in den Nachrichten die Berichte über Renee gesehen hatte, besuchten mich zwei ihrer ehemaligen Mitarbeiter, zusammen mit zwei Anwältinnen. Sie forderten mich auf, öffentlich zu machen, was ich gesehen hatte. Sie wollten, dass ich sage, dass Renee Kinder tötet, dass sie meine Tochter verstümmelt hat. Ich war sehr überrascht. Tante Renee hat Patricia immer geholfen! Ich sagte: Ich werde nicht lügen! Leute haben später dem Vorsteher meines Dorfes Geld gegeben, damit er sagt, diese Frau sei eine Mörderin.«

Die Aktivistinnen von @NoWhiteSaviors und auch das Umfeld von Renee Bach vermuten, dass die jeweils andere

Fakt ist: Jane Amalis Tochter Patricia, heute neun Jahre alt, wurde im Oktober 2011 bei »Serving

Jane Amali, Bäuerin: »Ich habe nie gesehen, dass Renee auch nur den kleinsten Fehler gemacht hat. Sie hat keine Nadeln gesetzt und keine Schläuche, das haben Krankenschwestern gemacht. Renee hat uns bloß ins Krankenhaus gefahren und alle Behandlungen und Medikamente gezahlt, die meine Tochter brauchte.«

Wie glaubwürdig sind die Aussagen von Jane Amali, die nichts auf Renee Bach kommen lassen will?

David Gibbs III, 52, Anwalt von »Serving His Children« und einer der einflussreichsten Evangelikalen der USA: »Die Leute hinter #NoWhite-Saviors sind für mich Rufmörder. Ich will verhindern, dass ihre Attacken Menschen davon abhalten, Hilfe zu leisten. Am Ende schaden diese Leute den Bedürftigen der Welt, jenen, die von der Hilfe von Organisationen wie ›Serving His Children‹ profitieren. Sie tun denen weh, denen sie vorgeben zu helfen. Sie verschärfen den Rassismus. Sie lassen die Welt glauben, dass die Menschen in Uganda zu dumm seien, um zu erkennen, dass Renee Bach keine Ärztin ist.«

Lauri Bach, Mutter: »Seit den Medienberichten bekommen wir kaum noch Spenden. Drei Viertel unseres Budgets hatten wir über soziale Netzwerke gesammelt. Wir können dort nichts mehr über unsere Arbeit veröffentlichen, wir werden sofort angegriffen. Es reicht gerade, damit unsere Angestellten in Kigandalo weiter unterernährte Kinder versorgen können. Aber wir können unsere Mitarbeiter nur noch mit zwei Mahlzeiten statt dreien am Tag versorgen und ihnen keine Fahrt-kosten mehr erstatten. Renee und ich haben seit mehr als einem Jahr kein Gehalt bekommen.«

Die erste Zeit zurück zu Hause lebten Renee Bach und ihre Adoptivtöchter auf der Farm ihrer

Die außergerichtliche Mediation Ende März wird voraussichtlich scheitern. Anwalt David Gibbs erklärt, die Bachs bedauerten das

Renee Bach: »Ich hoffe, dass ich irgendwann den tieferen Sinn dieser Geschichte erkenne, dass ich am Ende mehr Mitgefühl habe und mich besser in die Lebensumstände von anderen versetzen kann. Andersherum wünsche ich mir das auch. Ich erwarte nicht, dass mich irgendwer als Engel betrachtet. Ich bin einfach ein Mensch.«

Ziriya Namutamba, Bäuerin: »Ich erwarte eine Entschädigung. Unser Junge, der hätte arbeiten und uns unterstützen können, ist tot.«

Peter Waiswa, Arzt und Professor für Gesundheitsmanagement in Kampala: »Ich bin sicher, dass sie helfen wollte. Möglicherweise wären die Babys ohnehin ge­storben. Die Sterblichkeitsrate unter Kindern mit Mangel­ernährung ist bei uns sehr hoch. Bach scheint aus ihren Fehlern gelernt zu haben, in Kigandalo leistet ihre Organisation gute Arbeit. Und dennoch kommt es unter Umständen auch dort zu Todesfällen. Für mich ist die wichtigste Lehre aus diesem Fall: Ausländer, die zu uns kommen, müssen wissen, dass sich die Zeiten ändern. Die Menschen kennen heutzutage das Gesetz, sie verfolgen, was in den sozialen Netzwerken geschieht, sie sind sich über viele Dinge deutlich mehr im Klaren als frühere Generationen. Man muss extrem aufpassen, nachvollziehbar arbeiten und sich an die Regeln halten.«

Primah Kwagala, Anwältin: »Es ist ein strategischer Fall. Es geht nicht allein um die Mütter, es geht um den Kampf gegen Rassismus. Dieser Fall kann die Gesellschaft aufrütteln.«

Wendy Lubega, Mitarbeiterin der Kampagne #NoWhiteSaviors: »Wer helfen will, muss zuerst zuhören. Man darf nicht glauben, dass man schon wisse, was das Beste für die Menschen ist, denen man helfen will. Sie wissen selbst am besten, wie sie ihre Probleme lösen können. Sie brauchen Unterstützung, um eigene Ideen zu verwirklichen und Initiativen zu gründen.«

Primah Kwagala, Anwältin: »Wenn ein Weißer kommt, glauben wir automatisch, er bringe Fortschritt. Dieser Fall ist ein Weckruf. Wir dürfen uns nicht mehr beherrschen lassen.«

Wendy Lubega, Mitarbeiterin der Kampagne #NoWhiteSaviors: »Weiße müssen auch von Schwarzen lernen wollen. Die Welt wird nur gerechter, wenn wir die einzelnen Menschen hinter den Stereotypen sehen.«

Im Grunde scheint es in dem Prozess, der am 2. April in Abwesenheit von Renee Bach