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Was gehört dazu, Menschen zum Lachen zu bringen? Unser Autor hat sich als Comedian versucht - und die Sache wirklich ernst genommen.

Der Autor vor seinem Auftritt im »Quatsch Comedy Club«. Der Hausherr Thomas Hermanns gibt das Motto für den Auftritt vor: Zähne zeigen!

Foto: Andy Kania

»Noch eine Minute«, sagt die Frau vom Veranstaltungsdienst zu mir. Dann spricht sie in ihr Funkgerät: »Lichter im Saal aus, Bühnenlicht an.« Das Publikum nimmt Platz, wird ruhig. »Du schaffst das«, sagt der Comedian Harry G. Aber er schaut, als ob er nicht daran glaube. Er wirkt nervös, seine Managerin wirkt nervös, der Einzige, der hinter der Bühne gelassen bleibt, ist der Tonmann. Er stellt das Mikrofon an und übergibt es mir. Ich räuspere mich, atme einmal tief durch und

Zwei Monate zuvor, Februar 2017, Themenkonferenz beim SZ-Magazin. »Man könnte einen Selbstversuch als Stand-up-Comedian machen«, schlage ich vor: »Ob man das hinbekommt, sich als Laie auf die Bühne zu stellen und die Leute zum Lachen zu bringen. Und wie das funktioniert: Humor vor Publikum.« Nicken der Kollegen, einer sagt: »Und wenn keiner lacht, ist das peinlich für dich, aber gut für den Artikel.«

»Oh, du traust dich was«, sagt meine Freundin, als ich ihr am Abend davon erzähle. Sie sagt

Kabarettisten machen Witze über Politiker; Comedians erzählen von sich selbst und scherzen über Alltagsprobleme. Ich probiere es

Mir fällt ein Freund ein, der Anfang des Jahres seine Zeugungsfähigkeit prüfen lassen musste, also: Sperma­probe. Noch

»So, jetzt erzähl mir deine Nummer mal«, sagt Bruno Jonas, wir haben uns in der Lach- und

Am Abend antwortet der Quatsch Comedy Club auf meine E-Mail: Ja, es gebe dort einen Anfängerabend, Freitagabend, 23

Während ich lese, ruft Gerhard Polt an. Und sagt erst mal, er sei weder Kabarettist noch Comedian. Sondern?

Kant schrieb, die Natur gönne dem Menschen drei Arten der Erleichterung: den Schlaf, die Hoffnung und das

Was körperliche Präsenz auf der Bühne ausmachen kann, sieht man auch gut an Götz Frittrang, den meine

Mit Charisma werde ich nicht durchkommen, ich muss auf den Text setzen. Einige Tage später ist mein

»Das war gut«, sagt die Veranstalterin, »damit schaffst du es vielleicht unter die ersten drei, die Besten

Wir sehen uns die Profis in der 20-Uhr-Show an, dann ist Pause, das Publikum wechselt, es wird

Aber die ganze erste Minute hindurch lacht niemand. Ich habe während der Autofahrt beschlossen, die Geschichte als

Bei einem der angehenden Comedians hat die ganzen sechs Minuten lang niemand gelacht. Auch jetzt, beim Abschlussapplaus,

Ich könnte den Selbstversuch jetzt beenden. Ich habe mich getraut und dabei nicht geglänzt und nicht versagt. Aber dann meldet sich Josef Hader bei mir. Dessen tragikomischer Film Wilde Maus läuft gerade in den Kinos, hat in Österreich alle Rekorde gebrochen und kam auch in Deutschland sehr gut an. Hader war vor den Schauspielrollen schon einer der besten deutschsprachigen Comedians. Bei ihm ist Comedy klug, auch mal melancholisch. Er tritt an einem Sonntagabend in München auf, im großen Audimax-Saal der Universität. Davor hat Hader Zeit für ein Interview, an dessen Ende er mich fragt: »Magst du nicht nach der Pause auftreten?« Im Publikum sind 900 Zuschauer. Dankend lehne ich ab, das sei mir zu spontan. Auf dem Heimweg halte ich an, überlege, radle weiter, überlege, kehre um und sage zu. Eine Stunde sehe ich mir Hader vor der Pause an, das Publikum wirkt sympathisch. In der Zeit ändere ich im Kopf meine Nummer: Diesmal erzähle ich die Spermaprobe aus der Ich-Perspektive. Josef Hader kündigt mich charmant an: »Normalerweise hasse ich junge Kollegen, aber der hat mir einfach zu viel Geld geboten.«

Ich betrete die Bühne und bin froh, dass die Schein­werfer mich so blenden, dass ich die vielen

Ich radle nicht heim, ich schwebe heim. So gut fühlt es sich an. Nicht die Lacher oder

In Berlin war ich nervös, ob überhaupt einer lacht. Bei Josef Hader hatte ich das Gefühl, dass mein

»Wenn ein Lacher nicht kommt, einfach weitermachen«, sagt Harry G, »und nicht den Fehler machen, dann schneller

»Hallo, ich bin der Depp, der die Wette verloren hat«, sage ich, das Publikum lacht. Okayer Anfang.