So optimieren Sie Ihr Wlan

Videokonferenzen, Homeschooling, Binge-Streaming: Wie wichtig eine gute Wlan-Verbindung zuhause ist, wird gerade besonders deutlich. Der Experte Christoph Schmidt vom Computermagazin »Chip« verrät, mit welchen Tricks man sein Heimnetz ohne viel Geld besser macht ­– und was Pflanzen mit langsamem Internet zu tun haben können.

Ein gut funktionierendes Wlan zuhause war vermutlich noch nie so wichtig wie jetzt.

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Christoph Schmidt ist Redakteur bei Deutschlands ältestem Computermagazin »Chip« und schreibt seit zehn Jahren über WLAN, Heimnetz und andere Hardwarethemen.

SZ-Magazin: Woran merke ich überhaupt, dass mein Wlan nicht optimal arbeitet?
Christoph Schmidt: Wenn es beim Internetzugriff hakt, obwohl alles andere am Computer oder Handy problemlos läuft, wenn Videostreams ruckeln oder abreißen. Videochatprogramme wie Zoom und Microsoft Teams regeln bei schwacher Verbindung die Bandbreite runter, dann wird zunächst das Bild pixelig. Erst wenn die Verbindung noch schlechter wird, reißt das Video ganz ab. Hier gleich ein Tipp: Bei schwacher Verbindung während einer Konferenz die Kamera ausschalten, dann ist mehr Bandbreite für den Ton verfügbar, und man kann weitersprechen.

Welche Maßnahmen kann ich in so einem Fall sofort ergreifen?
Das Simpelste: Gehen Sie mit Ihrem Laptop, Handy oder Tablet vor einer wichtigen Videokonferenz möglichst nah an den Router und schalten Sie am jeweiligen Endgerät das Wlan kurz aus und wieder an oder aktivieren Sie kurz den Flugmodus. Es kommt nämlich vor, dass Geräte im Laufe der Zeit auf das 2,4-Gigahertzband wechseln, das weiter reicht, aber weniger Daten überträgt. Der Neustart stellt sicher, dass sich Router und Endgerät mit der maximalen Geschwindigkeit verbinden, nämlich über das schnellere 5-GHz-Funkband, das allerdings weniger Reichweite hat.

Nicht alle wollen Videokonferenzen vor dem Router sitzend im Flur absolvieren – welche anderen Tricks gibt es noch?
Man muss sich jeden Router und jedes Endgerät wie Lampen vorstellen, die ringsherum Licht abstrahlen, das von Wänden und Hindernissen mehr oder weniger stark gedämpft wird. Wenn die Geräte eine gute Verbindung haben sollen, müssen sich die Lichtkegel erreichen beziehungsweise überschneiden. Lampen bringt man aus gutem Grund möglichst hoch und zentral an, um einen Raum gut zu beleuchten, weil da weniger Hindernisse wie Möbel im Weg stehen. Viele verstecken ihre Fritzbox aber irgendwo im Flur unten im Regal, wo sie nicht stört. Von dort aus kann sich das Signal nicht gut verbreiten. Faustregel: Möglichst zentral in der Wohnung, möglichst hoch, möglichst frei. Pflanzen dämpfen das Wlan-Signal übrigens ziemlich stark. Auch Schnurlos-Haustelefone können das Wlan-Signal stören. Wenn das Wlan immer beim Telefonieren einknickt, stellen Sie die Telefonbasisstation weiter vom Router entfernt auf.

Was, wenn meine DSL-Telefonbuchse ungünstig in einem versteckten Eck der Wohnung liegt?
Dann sollte man sich ein DSL-Verlängerungskabel zulegen, um das Signal verlustfrei von der Buchse zum optimalen Router-Standort zu übermitteln.

Selbst bei optimal aufgestellten Routern gibt es Funklöcher in der Wohnung. Wie kann ich die aufspüren?
Es gibt kostenlose Apps fürs Handy, zum Beispiel die »FritzApp Wlan«. Mit ihnen kann man für jedes Zimmer und jede Ecke live die WLAN-Geschwindigkeit ermitteln. Wo diese mindestens 50 Mbit beträgt, sind störungsfreie Videokonferenzen möglich. Das Wlan-Signal wird von den Wänden reflektiert, es kann also vorkommen, dass es auf dem Sofa schlecht ist, zwei Meter weiter entfernt auf dem Sessel aber stark.

In Hotlines hört man oft, es könne helfen, den Funkkanal des Routers über das Router-Menü zu wechseln.
Das stimmt theoretisch, da benachbarte Wlans in Mehrfamilienhäusern sich gegenseitig überstrahlen, und das kann zu Lasten der Geschwindigkeit gehen. Mittlerweile raten wir aber davon ab, freie Kanäle manuell einzustellen, weil bei der Zahl der Wlan-Netze, die uns umgeben, die freien Kanäle sich zu oft ändern. Am besten vertraut man auf die automatische Kanalwahl des Routers. Wenn ich merke, es geht gar nichts mehr, obwohl ich nah am Router bin, kann ein Neustart des Routers kurzfristig was bringen. Dieser sucht dann den bestmöglichen Kanal neu.

Was bringt der schnellste Router, wenn ich mit einem zehn Jahre alten Laptop arbeite? Oder umgekehrt: Meine Fritzbox ist fünf Jahre alt. Muss ich gleich aufrüsten?
Nein. Für alte PCs und Macs gibt es Wlan-Sticks, die mit einem aktuellen Funkstandard (Wlan-ac oder Wlan-6) ausgerüstet sind. Die gibt es ab 40 Euro und sie helfen schon viel. Router, die älter als sechs, sieben Jahre sind, sollten allerdings ausgetauscht werden, sie sind technisch überholt. Bastler können da noch was rausholen, aber das ist für Laien zu umständlich.

Der aktuellste Router und die besten Computer helfen nichts, wenn meine Wohnung oder mein Haus groß oder verwinkelt ist. Wie bekomme ich stabiles Wlan vom Erdgeschoss ins Arbeitszimmer im ersten Stock?
Die meisten Leute greifen dann auf so genannte Repeater zurück, die es in jedem Elektronikmarkt ab 50 Euro zu kaufen gibt. Man steckt sie einfach in die Steckdose. Sie fungieren als Verstärker, die das Signal weitergeben. Bei der Aufstellung sollte man sich wieder von der Lichtmetapher leiten lassen. Repeater sind dabei wie Spiegel zu betrachten. Wichtig ist eine stabile Verbindung zum Router, also tendenziell immer näher zum Router aufstellen als zum zu erreichenden Endgerät. Da muss man etwas rumprobieren, zum Beispiel mit Speedtest-Apps oder Webseiten. Mit denen kann man testen, wieviel Geschwindigkeit beim Endgerät ankommt. Bei großen Häusern kann auch eine sogenannte Powerline was bringen. Dabei wird das Wlan-Signal über das Stromnetz geschickt und mittels eines zweiten Senders per Funk erteilt. Einfache Sets gibt es ab 120 Euro.

Angenommen, meine Frau streamt Kinofilme, mein Sohn daddelt Spiele im Internet, und meine Tochter ist auf Tiktok unterwegs. Dann geht das schnellste Wlan in die Knie, oder?
Im Webmenü der Fritzbox gibt es unter »Filter« die schöne Funktion der Priorisierung von Endgeräten. Da kann ich mein Arbeits-Notebook auswählen (»Neue Regel«), das hat dann Vorrang vor allen anderen und bekommt zum Beispiel bei einer wichtigen Videokonferenz automatisch mehr Internet-Bandbreite ab als das Handy der Tochter.