»Für unsere Beziehung musste ich nichts aufgeben«

Astrid hilft Ismail, eine Wohnung in Köln zu finden, die beiden verlieben sich. Der Afghane hat gegen die Taliban gekämpft und fühlt sich erst nicht stabil genug für eine Beziehung. Wie sie es doch schaffen, zusammenzuleben.  

Astrid (30) und Ismail (35) sind seit fünf Jahren ein Paar. 

Foto: privat

Astrid:
Ich muss sagen, er war überhaupt nicht mein Typ. Ismail* hatte so eine Camouflage-Jogginghose an, als wir uns das erste Mal trafen. Ich kann mit Kriegssachen gar nichts anfangen. Wir trafen uns vor fast fünf Jahren.

Als 2015 so viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, dachte ich mir: Komm, da musst du jetzt auch unterstützen, nur Reden hilft doch niemandem. Über die Facebook-Gruppe »Flüchtlinge sind in Köln herzlich willkommen« habe ich zum Beispiel einem Syrer geholfen, eine Wohnung zu finden,

Als ich Ismail in der Facebook-Gruppe kennenlernte, hatte er sein Interview beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schon hinter sich, und sein Schutzstatus war bewilligt. Wir haben viel geschrieben, bevor wir uns zum ersten Mal verabredeten, um zu klären, ob er Unterstützung braucht.

Es war bald doch klar, dass wir aufeinander stehen. Die Camouflage-Hose hatte mich nur abgelenkt. Ich habe den ersten Schritt gemacht und ihn gefragt, ob er bei mir übernachten will, und mir gleich zweimal einen Korb geholt. Ismail wollte keine Beziehung mit mir,

In Afghanistan hatte er sechs Jahre lang als Übersetzer für die Amerikaner gearbeitet. Die Taliban folterten ihn, wir haben darüber bis heute nur ein einziges Mal gesprochen. Ich habe nie nach Details gefragt. Trotzdem ist er ein Stehaufmännchen mit einer nicht kaputt zu

Was die Liebe angeht, lerne ich seither jeden Tag dazu. Ich glaube, es gibt nicht die eine, perfekte Liebe. Vielmehr muss jeder seine Beziehung so führen, wie er es braucht, mit dem richtigen Verhältnis von Nähe und Distanz. Sich dabei gegenseitig so zu

Im ersten Jahr hat Ismail keinen Kopf dafür gehabt, Deutsch zu lernen. Er war unruhig und gar nicht sicher, ob er hier wirklich ankommen will. Das hat mich einerseits genervt, andererseits braucht manches einfach Zeit. Meine Eltern und Freunde sind grundsätzlich sehr offen,

Unsere Kulturen prallen zwar nicht hart aufeinander, aber manchmal stoßen sie sich schon. Ich bin eine große Planerin, man sieht mich nie ohne meinen Kalender. Ismail plant im Auto noch fünfmal um, wenn wir schon längst irgendwo sein sollten. Das Wichtigste ist, miteinander

Für unsere Beziehung musste ich nichts aufgeben, ich muss mich nur manchmal mehr erklären, als ich es mit einem deutschen Freund müsste, denke ich. Wenn man mit einem englischen Expat beim Kaffee sitzt, der kein Deutsch spricht, ist das für viele etwas anderes,

Zum Erklären gehört auch, dass ich öfter als nötig erwähne, dass er mich selbstverständlich so sein lässt, wie ich bin. Ich lebe mein eigenes Leben und treffe männliche Freunde. Er hat kein Problem damit. Wenn ich mit ihm auf eine Seebrücken- oder Anti-Nazi-Demo

Ismail war wichtig, dass er nicht heiratet, um in Deutschland bleiben zu dürfen. Er hat sich nun selbständig gemacht und ein orientalisches Café eröffnet. Ich habe seine Familie über Skype kennengelernt. Wir lieben uns. Ich habe keinen Stress, aber ich glaube, einer Heirat

Bei mir findet Ismail einen Ort zum Ankommen, Beständigkeit und Sicherheit. Ich bekomme von ihm einen anderen, nicht-europäischen Blick und ein Herz, das größer nicht sein könnte. Als er noch Hartz IV bekam, hat er den Obdachlosen häufiger etwas gegeben als ich. Er

* der Name ist auf Wunsch von Astrid geändert. Sie möchte nicht, dass Ismail Anfeindungen ausgesetzt ist.

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