Was von ertrunkenen Flüchtlingen bleibt

Im Mittelmeer sterben immer noch Tausende beim Versuch, nach Europa zu fliehen. Die wenigsten Opfer lassen sich identifizieren. Nur die Gegenstände, die sie dabei hatten, erzählen von ihrem Leben.

Unbekannt, Heck des Schiffes
Diese Zahnbürste und Reise-Zahnpastatube wurden im Heck jenes Schiffes gefunden, das am 18. April 2015 im Mittelmeer gesunken war. Wer sie mit sich geführt hatte, ließ sich nicht mehr rekonstruieren.

Es ist so eine Sache mit den Symbolen. Sie können groß sein, belastbar und sinnstiftend – wenn man sich einig ist, was sie bedeuten, und aus dieser Einigkeit etwas erwächst. Genauso ist es mit der »Operation Sophia« der Europäischen Union. Sie wurde ins Leben gerufen, um Menschen in Seenot zu retten, die libysche Küsten­wache auszubilden und Schlepper im Mittelmeer aufzugreifen. Das Militär verschiedener EU-Staaten unterstützt diesen Auftrag.

Zunächst hieß diese Mission: EUNAVFOR MED. Ein Titel der Bürokratie. Im Herbst 2015

Die Außenbeauftragte der EU, Federica Mogherini, beschwor daraufhin die Geburt als Symbol: »Ich

Am 29. März 2019 hat die EU die Mission Sophia bis Ende September

Was hier passiert: Eine Wertegemeinschaft schützt eine Idee, kann sich aber zu deren Durchführung nicht durchringen. Alles wird ausgehöhlt. Die Philosophin Hannah Arendt warf 1943 in ihrem Essay Wir Flüchtlinge die Frage nach den universalen Rechten eines Menschen auf. Was bleibt vom Menschen, wenn er keine Rechte als Bürger mehr hat, wenn er zurückgesetzt wurde auf seinen puren Status als Mensch? Welche Instanz setzt seine Menschenrechte durch? Es scheint, als schützte ihn dann keiner mehr.

Hannah Arendt, die Geflüchtete, beschreibt atemraubend, was ein geflüchteter Mensch alles zurücklässt. Nicht

Das Flüchtlingsschiff, das am 18. April 2015 im Mittelmeer kenterte, war auf dem

Ein Team um die Mailänder Forensikerin Cristina Cattaneo, beauftragt vom Italienischen Außenministerium, hat