»Tränen sagen: Ich brauche dich«

Warum weinen wir? Diese Frage erforscht der nieder­ländische Psychologe Ad Vingerhoets seit dreißig Jahren. Viele seiner Erkenntnisse sind erstaunlich – etwa dass es Freudentränen gar nicht gibt.

Ein lachendes und ein weinendes Auge zugleich bekommen nicht einmal die besten Schauspieler hin.

Foto: Sebastian Bieniek

SZ-Magazin: Nachdem Hillary Clinton im Wahlkampf einmal geweint hatte, wurden ihr Krokodilstränen vorgeworfen. Der weinende Justin Trudeau gilt dagegen als rührend. Und Angela Merkel wurde in einem Interview gefragt, warum man sie bitte schön noch nie weinen gesehen habe. Warum werden Tränen so unterschiedlich interpretiert?
Ad Vingerhoets: Weinende Menschen wirken moralisch und verlässlich. Da wir den Mächtigen eher wenig Empathie zutrauen, können Tränen das Image eines Premierministers aufbessern. Auf der anderen Seite unterstellen wir Weinenden Schwäche. Sie machen einen emotional instabilen Eindruck, vielleicht sogar einen manipulativen oder inkompetenten. Insbesondere während eines Wahlkampfes erwarten wir, dass uns Politiker beeinflussen wollen. Letztlich hängt unsere Reaktion auf Tränen aber davon ab, welches Bild wir vorher von einer Person hatten und warum sie weint. Das macht es so unberechenbar.

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