»Vielen jungen Menschen fehlt das Gefühl, angekommen zu sein«

Wann ist man eigentlich erwachsen? Die Psychologieprofessorin Sophie von Stumm forscht zur Entwicklung des Menschen. Sie weiß, woran man Reife erkennt – und warum 30 zu werden, eine »magische Marke« ist.

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SZ-Magazin: Frau von Stumm, Sie erforschen das Erwachsenwerden. Erwachsen geworden sind Menschen schon immer. Was hat sich verändert?
Sophie von Stumm: Forschende gingen lange davon aus, dass Menschen mit Anfang 20 sozusagen fertig seien. Sie sahen das Leben als eine Reihe aufeinander aufbauender Phasen: Man musste eine Stufe abgeschlossen haben, bevor man zur nächsten überging, stark orientiert an Meilensteinen wie Heirat, Elternschaft, Karriere oder Eigentum wie etwa einem Haus. Heute versteht man das Erwachsenwerden mehr als Prozess. Psychologisch betrachtet gibt es keinen abgeschlossenen Zustand, sondern Erwachsensein ist ein subjektives Gefühl, das anzeigt, wo wir in einem Entwicklungsprozess stehen. Außerdem treffen die genannten Meilensteine oft später ein – oder sogar gar nicht.