Was nützen mir Modeblogs?

Nicht viel – außer man kennt die richtigen.

Die Welt der Modeblogs ist eine affirmative Welt. Jeder findet alles und jeden superduperklasse. Das Problem aber ist: Es ist nicht alles superduperklasse. Schon gar nicht die Welt der Modeblogs. Sie sind eher wie digitales Fastfood. Auf den ersten Blick appetitlich, aber es bleibt nicht viel übrig, wenn man mit ihnen fertig ist.

Aktueller Darling der Blogger ist die 21-jährige Bip Ling aus London. Erkennungsmerkmal: Schleife im Haar. Auf ihrer Seite hüpft eine Ninja-Schildkröte im Kreis, sie postet regelmäßig einen »Bathroom Look of the Day«, mag Pfannkuchen mit Buttermilch und findet die Fotos von Juergen Teller superduper. Die hübsche Bip hat 1400 Follower, also Anhänger, inzwischen einen Vertrag mit einer Modelagentur und ist das Gesicht einer Modemarke. It-Girl-Karrieren beginnen heute im Internet, nicht mehr in Clubs. Man erinnere sich an die neunmalkluge Tavi Gevinson aus den USA, die im Alter von elf Jahren ihren skurrilen Blog »thestylerookie« startete und heute, mit 15, bei den Schauen von Marc Jacobs und Alexander Wang in der ersten Reihe sitzt, für das »Über«-Modelabel Rodarte Videos dreht und auf ihrer Webseite fünfzig Dollar teure Tavi-T-Shirts vertreibt.

Modeblogs sind seltsam exhibitionistische Veranstaltungen. Sie funktionieren nur, wenn keinerlei Hemmungen bestehen, jeden Tag das sogenannte »Tagesoutfit« zu posten, das dann mit den Followern diskutiert wird. Die Beiträge erschöpfen sich meist in Ausrufen wie »OhmeinGottwiewunderschön!« Doch die Konkurrenz ist groß. Fashionblogs gibt es wie Wolken am Himmel, die Namen werden immer absurder, etwa »Dotti’s Dots« oder »Modedorf«, und jeder glaubt, den guten Geschmack gepachtet zu haben.

Die wenigsten Blogs sind so originell wie »nerdboyfriend« oder so poetisch in ihrer Lakonie wie die Bildblogs »jjjjound« und »convoy«. Die meisten sind geschwätzig. Oder bedienen voyeuristische Reflexe, wie es »WhatCourtneyworetoday« tut. Den Blog von Kurt Cobains Witwe klicken täglich Tausende an, um sich daran zu ergötzen, wie eine derangierte Courtney Love sich zum Affen macht.

Man kann in diesem sich selbst bespiegelnden System sogar berühmt werden. Scott Schuman und Garance Doré etwa, das amerikanisch-französische Glamour-Paar: Sie jetten um die Welt, gesponsert von der Fashion-Industrie. Während Scott Schuman für den oft kopierten Blog »The Satorialist« vorzugsweise gut gekleidete Männer und entzückende Schwedinnen ablichtet, fotografiert und illustriert seine Freundin lieber schöne Pariserinnen. Leider schreibt sie auch ein Fashion Week Diary. 10:35: »Ich liebe die Pariser Modewoche. Jeder Tag ist außergewöhnlich.« 12:45: »Meine Jeans sind mir gerade von den Hüften gerutscht. Ohmygod, ich habe Gewicht verloren.« 4:37: »Backstage bei Isabel Marant. Ich will diese roten Lederhosen jetzt sofort haben.«

Schon klar, Trends wechseln nicht mehr von Saison zu Saison, sondern im Wochentakt. Das muss dokumentiert werden. Am besten stündlich. Das nervt, genauso wie es süchtig machen kann. Gutes Heilmittel bei Fashionblog-Überdosis: Streetstyle an der frischen Luft im eigenen Viertel observieren, kein Foto schießen, dafür ein Kompliment verteilen.

Illustration: Richard Haines