»Ich hatte schon Gegner, bevor ich irgendetwas gesagt hatte«

Vor rund einem Jahr fing die Köchin Sarah Wiener eine ganz andere Karriere an: als Abgeordnete im Europäischen Parlament. Wie findet man sich als Neuling dort zurecht? Was will sie erreichen? Und wie kocht sie jetzt? Ein Interview in Etappen.

Die Rinder der Rasse »Aberdeen Angus« sind schwarz. Wiener praktiziert noch die so­genannte Warmschlachtung, dabei wird das Fleisch sofort verarbeitet und es kommen keine Zusatzstoffe zum Einsastz. ­Wiener sagt, so bleibe die Wurst zarter.

7. September 2019

SZ-Magazin: Frau Wiener, im Mai sind Sie als Vertreterin der österreichischen Grünen ins EU-Parlament gewählt worden. Seit wann interessieren Sie sich für Politik?
Sarah Wiener: Ich habe mich nie mehr als der Durchschnittsbürger für Politik interessiert, aber für unsere Lebensmittel immer. Mit 16 bin ich als Hippiemädchen durch ­Europa getrampt und habe mich über den Hormonfleisch-Skandal aufgeregt. Dass man für Gewinnmaximierung Tiere quält und die Gesundheit der Menschen gefährdet, hatte ich mir nicht vorstellen können.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, für die Europawahl zu kandidieren?
Bin ich nicht. Wäre ich auch nicht, weil ich mich für wenig kompatibel mit dem Politikbetrieb hielt. Die österreichischen Grünen haben mich im Frühjahr gefragt. Landwirtschaft und Lebensmittelkennzeichnung werden im EU-Parlament entschieden. Die Grünen waren, als ich gefragt wurde, nicht im Nationalrat vertreten, auch deshalb wollte ich mich engagieren.

Wie lange haben Sie überlegt, als das Angebot kam?
Gefühlt zehn Sekunden. Aber die Frage lautete ja nur, ob ich kandidiere. Radikal-Veganer und FPÖ-ler haben dann im Netz eine Petition gemacht: Keine Stimme für Sarah Wiener! Die konventionellen Agro-Bauern in der Bevölkerung wollten mich natürlich auch nicht unbedingt. Ich hatte schon Gegner, bevor ich irgendetwas gesagt hatte. Da wurde gleich die alte Geschichte hochgekocht, dass unser Betriebsleiter vor sieben Jahren in der Mercedes-Kantine unkorrekte Dienstpläne aufgestellt hatte, bei denen die Mitarbeiter manchmal mehr als acht Stunden gearbeitet hatten. Dass ich persönlich trotz Geschäftsführer und Betriebsleiter von Berlin aus Kellnerpläne schreibe, um Menschen in Stuttgart absichtlich länger arbeiten zu lassen, glaubten dann doch zum Glück die wenigsten. Dann das zweite Ding: Ich hätte einen unanständig großen Hof in Brandenburg. Für österreichische oder bayerische Verhältnisse mag das zutreffen, aber hier in der Uckermark bin ich von viel größeren Höfen umringt. Alte LPG-Strukturen eben. Erst war ich die tolle unabhängige Unternehmerin, dann galt ich plötzlich als agrarindustrielle Großunternehmerin, die die Kleinen wahrscheinlich kaputtmacht und nur so tut, als wäre sie grün. Oder der Loser, der sich endlich mal auf Staatskosten einen Traumjob als Politikerin besorgt hat. Je nachdem, wie man’s gern hat.

Haben Sie sich mehr als eine Legislaturperiode vorgenommen?
Ich mache mir noch keine Gedanken darüber, was mit mir in fünf Jahren passiert, das ist ein Geschenk. Viele Politiker haben einen beruflichen Plan und leben nicht in den Tag hinein. Freie Radikale sind die wenigsten. Bringt ja oft auch nichts. Klar, natürlich wollen viele auch wiedergewählt werden. Die Vorbereitungen auf die Wiederwahl kosten viel Zeit und Nerven.

Haben Sie das Parteiprogramm der Grünen gelesen?
Die Österreicher hatten wegen ihrer Geschichte kein umfängliches. Ich habe jetzt im Parlament aber noch mal Gewissheit be­kommen, dass ich für die richtige Partei angetreten bin. Gerade bei meinen Themen.

Sie haben die erste Sitzungswoche hinter sich. Wo sitzen Sie im Parlament?
Es gibt ein Namensmobbing in Brüssel: W sitzt ganz hinten.

Kennen Sie alle grünen Abgeordneten?
Wir sind 75 von insgesamt 750 plus Präsident, ich kenne einige deutsche und natürlich die beiden österreichischen: Das sind Moni Vana und ich.

Wo wohnen Sie?
In einer Wohn-Schlaf-Küche zur Untermiete bei einem alleinerziehenden Vater mit seinem 16-jährigen Sohn, der sehr süß ist, sich aber nicht vorstellen kann, dass man Musik nicht immer laut mithören will. Habe ich über Kleinanzeigen gefunden. Möbliert, aber Küchenequipment habe ich mitgebracht. Koriander habe ich auch schon in der Uckermark ausgebuddelt. Ich muss noch eingelegte Zwetschgen und Pfirsiche in eine Kiste stecken. Und meine Getreidemühle. Ich will mir eine Umgebung schaffen, in der es mir gut geht. Im Parlament gibt es eine Klimaanlage, man kann das Fenster kaum öffnen. In der ganzen Stadt gibt’s auch zu wenig Grün. Und ich suche noch einen guten Fleischer.

Frühaufsteherin?
Nein. Ich komme aus der Gastronomie. In meinem zarten Alter werde ich mich nicht mehr umerziehen. Hätte das Parlament schon um acht mit Sitzungen angefangen, wäre ich eher nicht nach Brüssel gegangen. Neun ist früh genug. Geht ja auch oft bis in die Nacht.

Was für ein Büro haben Sie?
Ein Eckbüro, klein, aber mit zwei Fenstern, ich brauche Licht. Mit Verbindungstür zu zwei Mitarbeiterinnen und noch mal zwei Mitarbeitern im Zimmer daneben. Mir war wichtig, jemanden mit Ausschusserfahrung dabeizuhaben. Und alle sollten im Gegensatz zu mir superstrukturiert sein. Ich sitze in zwei Ausschüssen: Landwirtschaft und Binnenmarkt sowie Verbraucherschutz.

Schon mal abgestimmt?
Einmal im Monat nach Straßburg zur Abstimmung zu fahren gehört zu den wichtigsten Aufgaben aller Parlamentsmitglieder. Da mache ich mich hübsch und trage österreichische Dirndl. Das ist auch ein Statement, ich will mir die Heimat nicht von Rechten klauen lassen. Die Abstimmungen geschehen innerhalb von einigen Stunden wie am Fließband. Hochkonzentriert das Richtige wählen, in einem Affentempo.

Nutzen Sie die Simultanübersetzer?
Ja, ich spreche schlecht Englisch und schlecht Französisch, einen Schotten kann ich kaum verstehen. Es hat sich hier auch ein unkorrektes EU-Englisch mit falschen Begriffen gebildet: »I go on mission«, sagen viele, wenn sie außerparlamentarische Aktivitäten haben.

Wie ist die Kantine?
Noch keine Zeit dafür gehabt. Es gibt meh­rere, einige meinen, die seien sehr gut. Mal sehen, wie und ob ich mich selbst bekochen kann. Und ich will im Parlament Kochkurse geben und mit anderen kochen. Das ver­bindet.

Können Sie denn mit anderen kochen?
Ja klar. Ich bin keine Einzelkämpferin, auch wenn das einige denken. Ich bin kein Kontrolletti, nur eigen. Ich brauche eine sichere Zone für mich, vielleicht weil ich im Internat war.

Was fällt Ihnen in diesen ersten Wochen als Politikerin am schwersten?
Ich bin nicht nur mehr Sarah Wiener, die spricht. Ich muss noch lernen, dass jede Aussage eine ungeahnte Wirkung haben kann. Zum Beispiel hat mich die Bild gefragt, ob unser Fleischkonsum am Regenwald-Inferno schuld sei. Da habe ich gesagt: Ja, leider auch, aber eine Lösung wäre regionales, ökologisch erzeugtes Fleisch, mit Gras gefütterte Tiere. Der Standard machte daraus: Wiener macht die armen Leute für die Abholzung des Regenwaldes verantwortlich, weil die sich nur Fleisch vom Discounter leisten können. Viele haben sich daraufhin beschwert: einige Grüne, weil ich nicht sozial dächte, vegan lebende Menschen, die sagten, wir bräuchten auch kein Biofleisch, und konventionelle Bauern, die sich verunglimpft sahen. Meine Güte! Die Medien haben ihre eigenen Gesetze, schon klar. Ist aber persönlich extrem anstrengend. Und manchmal verletzend. Dabei wollen wir doch die Welt retten! Viele Politiker sind extrem kontrolliert, verfallen in Politsprech und verlieren Ecken und Kanten. Dann beschweren sich die Menschen über die Langweiler. Wen wundert’s?

Erleben Sie Ihre Kolleginnen und ­Kollegen in Brüssel so?
Na ja. Ich habe gerade gelesen, Ärzte seien sehr beliebt bei Singles, Politiker aber Aschenputtel, die sich niemand als Partner wünscht. Meine erste Erfahrung in Brüssel ist, dass Politiker so sind wie alle anderen auch: Einige Schlaftabletten, deren Namen werde ich auch nach fünf Jahren nicht kennen, ein paar Querulanten, die keiner braucht, die üblichen Wichtigtuer und eitle Fatzkes. Der Rest echt clevere, kreative, tolle Leute, Vollblutpolitikerinnen und Vollblutpolitiker, die sich ins Zeug legen und versuchen, etwas Gutes zu machen. Das Parlament ist ein Abbild der Gesellschaft, die sie wählt. Die Vorstellung, jeder Politiker sei gekauft oder Handlanger der Lobbyisten, stimmt ganz sicher nicht. »Die Politiker« – wenn ich das schon höre.

Schon nette Bekanntschaften gemacht?
Ja. Aber richtig kennenlernen tut man hier nur schwer jemanden. Das ist ein riesiges Gebäude, in dem 5000 Menschen arbeiten. Und von über 10 000 Lobbyisten in Brüssel wollen mich gefühlte 2000 treffen. Aber das wird schon.

Wer genau will Sie denn treffen?
Pharma- und Lebensmittelkonzerne sagen: Frau Wiener, wir wollen doch alle das Gleiche. Wir sind die Guten! Die wollen mich in der Umarmung erwürgen. Aber natürlich interessieren mich deren Pläne. Ich habe bisher schon einige Lobbyisten getroffen, auch bei einem Streitgespräch, aber der Vertreter von Nestlé wollte nicht über die neuen Functional-Food-Entwicklungen reden, angereicherte Lebensmittel, ein Riesenmarktpotenzial. Und was die alles besitzen, da schlackerst du mit den Ohren: Perrier, Maggi und die furchtbaren Nes­presso-Kapseln auch. Sogar Vermarktungsrechte von Starbucks, das weiß kaum einer. In dieser trüben Lobbyisten-Suppe zu rühren würde mir Spaß machen. Aber die Fronten gehen manchmal quer durch alle ­Parteien: Sogar einige Grüne sind dafür, dass man Kunstfleisch Fleisch nennen darf. Ich nicht. Kreative Fake-Produkte sollten nicht den Namen tragen dürfen von althergebrachten, ehrbaren Lebensmitteln. So wie etwa beim Scheiblettenkäse und Analogkäse, der gar kein Käse ist. Wer kreativ bei Essbarem ist, sollte auch kreativ in der Namensgebung sein. Diverse Lobbyisten zu treffen halte ich für meine Aufgabe, um zu wissen, was Sache ist, und um zu lernen. Meine Eltern sagen, ich bin tüchtig. Ich weiß nicht, ob das ein Kompliment ist. Das sind wir ja alle: so tüchtig.

Wie deutsch sind Sie?
Meine Mutter ist Deutsche, ich lebe seit 40 Jahren in Deutschland. Österreich ist meine Sehnsucht, meine Heimat. Die Distanz hilft aber, einen sachlicheren und klareren Blick auf österreichische Belange zu bekommen. Jedes Land hält sich ja für den Nabel der Welt, im Parlament heißt es oft: Für Europa und Belgien, oder: Für Europa und Frankreich. Warum dieser Zusatz? Warum sprechen die Redner im Europaparlament nicht allein für Europa?

Wie organisieren Sie Ihr Leben?
Drei Wochen Brüssel, eine in Straßburg, wobei die Woche am Donnerstag endet, viele hauen schon Mittwochabend ab. Ich will auch einige Wochenenden in Brüssel verbringen, werde aber sicher auch nach Berlin oder Wien fahren. Ab Februar 2020 soll man eine Woche im Monat reisen können, um sich zu informieren. Mich interessiert jede Form kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Ich sitze auch in der Delegation Georgien, Aserbaidschan und Armenien. Aber das heißt noch lange nicht, dass ich da auch hinkommen werde. Würde ich gern. Mal sehen.

Wo fühlen Sie sich zu Hause?
In der Uckermark. Ich bin erst vor einem Jahr hingezogen und habe da gebaut. Ich wohne umringt von lieben Nachbarn und Freunden. Ich liebe es, im Dreck zu wühlen und die ­eigenen Karotten zu essen, mein Obst einzuwecken, meine eigene Wurst zu essen. Die Berliner Wohnung hatte ich schon vor der Wahl aufgegeben.

Was haben Sie sich für die kommenden fünf Jahre vorgenommen?
Als Erstes muss ich verstehen, was realistisch ist, und ich muss die parlamentarischen Instrumentarien besser kennenlernen. Ernährung ist mein Hauptthema, da passieren spannende Dinge: Nestlé setzt zum Beispiel die Genomforschung ein, um an unserem Stoffwechsel herumzudoktern. Bayer, einer der Big Player im Pestizid-Geschäft, will uns Smart Farming und genmanipulierte Pflanzen schmackhaft machen. Es ist eine Zeit der Umbrüche. Die Lösung heißt, unverarbeitete, frische vielfältige Lebensmittel zu essen, und nicht manipulierte, noch künstlichere. Die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt beschäftigt mich, also auch der Einsatz von Antibiotika, Pestiziden, Mineraldüngern in Kosmetika, Verpackungsmaterialien und Kontaktstoffen. Oder Themen wie Lebensmittelverschwendung und das menschliche Mikrobiom.

Haben Sie Ursula von der Leyen zur Parlamentspräsidentin gewählt?
Mein Instinkt hat mir gesagt, wir wären blöd, sie nicht zu unterstützen. Wir hatten keine Chance auf eine eigene grüne Präsidentin. Ich weiß, sie ist eine Kämpferin und kein Blatt im Wind, eine emanzipierte Frau mit ökologischem Interesse und Rückgrat.

Also – haben Sie sie nun gewählt oder nicht?
Nach der Rede? Was denken Sie?

Haben Sie einen Promibonus?
Manchmal. Bekanntheit ist auch in der Politik eine harte Währung.

Haben Sie schon mit jemandem von der AfD geredet?
Ja. In einem Flughafenshuttle kam ich mal mit einem wortkargen, eher schlecht gelaunten Herrn ins Gespräch, der mir den Rücken zuwendete: Wo fahren Sie denn hin? Ah, auch Deutscher. Von welcher Fraktion? – Jetzt gar keiner mehr. – Wie war Ihr Name? – Henkel. – Und, werden Sie wiedergewählt? – Nein, bin 79. – Erzählen Sie mal, wie war denn das? – Grummel, grummel.

Wie verbringen Sie Ihre Abende?
Ich bin gerade viel zu kaputt, um irgendetwas zu unternehmen. Aber heute Abend will ich zum Empfang von Arte gehen, für den Sender habe ich vor 15 Jahren zum ersten Mal meine Kulinarischen Abenteuer gedreht. Hoffentlich falle ich nicht einer Redakteurin um den Hals und fange aus Sentimentalität an zu schluchzen. Im Ernst, heimlich denke ich mir schon, eine Koch- und Reisesendung ist doch viel mehr meine wahre Heimat. Obwohl die meis­ten Mitarbeiter von damals auch nicht mehr dabei sind. Damals hat jemand von Arte auf das EU-Parlament gezeigt und gesagt: Schau mal, wie die Anzugträger hin und her hasten! Ich dachte mir noch, wie langweilig die Politik sein müsste. Ob ich in fünf Jahren beim Anblick des Parlaments genauso sentimental werde?

Was fällt Ihnen im parlamentarischen Alltag besonders schwer? Die vergangene Brüssel-Woche war der bisherige Laune-Tiefpunkt. Allein die vielen Anfragen von Verbänden, Lobbyisten und Konzernen überfordern mich etwas. Treffe ich mich mit denen, um zu verstehen, was die wollen? Oder bringt das nichts, weil ich mir sowieso schon eine Meinung gebildet habe? Würde es mir zum Beispiel reichen, wenn die Nahrungsmittelkonzerne versprächen, den Salz- und Zuckergehalt in Lebensmitteln zu senken? Nein. Aber wäre ein Schritt in die richtige Richtung nicht besser als gar nichts? Und wenn ich mich mit dem einen treffe, muss ich das fairerweise dann nicht auch mit dem anderen tun? Aber anderen Neulingen im Parlament geht es auch nicht viel besser. Wie ich gehört habe, dauert es ein Jahr, um in Brüssel anzukommen. Ich brauche Nachhilfe, wie das Parlament funktioniert. Deswegen habe ich mir jetzt einen Mentor gesucht und einen der klügsten Köpfe in meiner Fraktion um Rat gefragt. Erste Lektion: Sprich mit den Leuten so, dass sie es verstehen. Stell dich in ihre Schuhe. Zweite Lektion: Nimm’s nicht persönlich, dass du zum Teil angefeindet wirst. Die meisten wissen nicht, wie sie dich einordnen sollen, und sehen dich als Unternehmerin oder Fernseh-Berühmtheit, aber nicht als Politikerin. Das hilft mir zu verstehen, wieso mir manche unterstellen, ich wolle ja nur mein Unternehmen promoten. Es gibt in Brüssel jedenfalls ganz schön viele nette, kluge, soziale Menschen, die einem gern helfen, wenn man seine Schwächen zeigt. Aber ich vermisse die Natur, meinen Garten, Jahreszeiten zu erleben und nicht nur auf den Wetterbericht zu schauen. Am Wochenende in der Uckermark habe ich zwölf Stunden lang eingeweckt. Das Kochen und Ernten und Säen, das fehlt mir.

Gestern fand die Nationalratswahl in Österreich statt, das Ergebnis war ein großer Erfolg für die Grünen und eine Niederlage für die FPÖ. Hat man in Brüssel davon Notiz genommen?
In Wien wurde gefeiert und getanzt bis zum Umfallen. Als hätten wir die absolute Mehrheit gewonnen. Aus Brüssel haben eine Menge Leute gratuliert. Immerhin sind wir jetzt die Grünen mit dem höchsten Wahlergebnis in der EU. Praktisch heißt das natürlich nichts. Wir bleiben zwei Ösi-Grüne in der EU. Die Franzosen und Deutschen sind viel mächtiger innerhalb der grünen Fraktion.

In dieser Woche steht in Straßburg die Verabschiedung der grünen Klima-Resolution an. Glauben Sie, das Gesetz durchzubekommen?
Nein. Die anderen werden wohl den Großteil unserer Änderungsanträge ablehnen. Auch in der Abstimmung über die Handelsbeziehung zur Ukraine werden wir uns nicht durchsetzen. Es gab ja den Skandal, dass ein ukrainischer Geflügelfleischfabrikant tonnenweise Hühnerfleisch in die EU gebracht hat, obwohl die Einfuhr von Filets limitiert ist. Er umging diese Beschränkung, indem er Knochen an den Filets ließ, die erst vor Ort entfernt wurden. Das will man jetzt legalisieren und die Quote um 50 000 Tonnen erhöhen, weil man der Ukraine wirtschaftlich helfen will. Der Ukraine zu helfen ist ein ehrenwertes Unterfangen, aber in diesem Fall helfen wir nur einem Oligarchen, der Vielfalt allein durch seine Macht und Größe in der Ukraine zerstört. Die Grünen werden dagegen stimmen, alle anderen dafür. Es gibt ja immer auch praktische Gründe und Erklärungen, wieso jetzt was Falsches das Richtige sein soll.

Gibt es einen Fraktionszwang?
Anders als in anderen Parlamenten nicht. Ich halte mich bei vielen Themen, von denen ich keine Ahnung habe, an die Fachleute in meiner Partei. Es gibt ja zwei Arten von Politikern: Spezialisten auf einem Gebiet und Generalisten, die von allem etwas verstehen. Ich gehöre zu den Spezialisten und werde mich die nächsten Jahre nur mit den Themen ­Ernährungswende und Landwirtschaft beschäftigen. Alternative ökologische Landwirtschaftsmodelle, Bodenmikrobiologie, Darmbiologie, Kleinbauern, Anti­biotika et cetera. Alles andere lasse ich links liegen, weil ich sonst an der Arbeit zugrundegehe.

Haben Sie jetzt eine genaue Agenda?
Viele Schlachten wie die um das Ukraine-Hendl sind von vornherein verloren. Andere sind hoffnungsvoller: Zum Beispiel die Ini­tiative zur Änderung des Schulmilchprogramms für Kindergärten und Schulen – bisher war es möglich, auch für gezuckerte Kakaomilch mit Aromastoffen Subventionen einzustreichen. Ich will ein Verbot von hormonhaltigen Substanzen in Lebensmitteln und Weichmachern in Plastik erreichen, das würde die Welt verändern. Eine andere Sache, die ich mir auf die Fahnen geschrieben habe: Wir erlassen meistens Gesetze für die Industrie, sollten aber auch besser unsere Lebensmittelhandwerker schützen. Handwerker können viele Standards in der Lebensmittelkennzeichnung nicht einhalten. Die Individualität ist doch ein Qualitätskriterium! Da brauchen wir ­Gesetze, die diese Traditionen schützt. Ein Beispiel: Kein Handwerksbäcker würde Salz durch einen Zusatzstoff ersetzen, nur weil wir nun nach Salzreduktion schreien. Vollkornbrot braucht Salz. Salz ist aber auch ein Konservierungsmittel und ein billiger Geschmacksverstärker – besonders viel davon gibt es in Fertigprodukten. Wir müssen den Salzkonsum reduzieren, ganz klar. Die Industrie sagt: Kein Problem, machen wir. Und ersetzt es durch Glutaminsäure und andere Geschmacksverstärker. Die Handwerksbäcker haben das Nachsehen.

Haben Sie sich inzwischen mit den ­Lobbyisten von Nestlé getroffen?
Ich hatte noch keine Zeit. Das wird aber. Es gibt so viele Bücher und Studien und Unterlagen, die ich lesen will. Die Beschränkung fällt mir schwer.

Haben Sie Freunde gefunden?
Das wäre übertrieben, aber Menschen, die ich sehr mag und die mir auch Sympathie entgegenbringen. Es entwickelt sich. Am Ende des Jahres werde ich sicher mehr soziale Kontakte im Parlament als außerhalb haben, weil ich gerade meine ganze Lebenszeit hier verbringe.

Sind Ihnen Menschen aus Ihrer eigenen Fraktion eher sympathisch?
Ja, schon. Ich kenne aber kaum andere. Einmal war ich als einzige Grüne bei einer Veranstaltung der Konservativen, die haben mich ziemlich verdutzt angesehen. Da merkte ich, dass es starke Vorbehalte gegen Andersdenkende gibt. Ich versuche, den Leuten unvoreingenommen zu begegnen. Othmar Karas von der ÖVP mag ich gern, auch einige Sozialisten. Mit einer französischen Linken habe ich mich zusammengetan, um etwas für die Putzkolonne im Parlament zu tun. Eine Gemeinschaftsinitiative einer französischen Gewerkschafterin und einer deutsch-österreichischen Unternehmerin – so muss das sein.

Schon gekocht im Büro?
Unter uns: fast jeden Tag. Offiziell darf ich die Heizplatte nur fürs Kaffeemachen benutzen. Ich füttere alle rundum, so viel wie es geht, dann lässt sich die Geruchsbelästigung durch mich besser ertragen.

Und die Kochkurse?
Noch nicht. Keine Zeit. Ich finde aber auch keine Küche, die ich nutzen darf.

Fühlen Sie sich heimisch in der Politik?
Mehr als vor einem halben Jahr, aber ich bin immer noch getrieben und kenne nicht alle Möglichkeiten. Gestern habe ich meine erste Rede vor dem Plenar gehalten. Um 21 Uhr. Zur ukrainischen Hendl-Affäre. Sie haben mir den Saft abgedreht, weil ich zu lange geredet habe.

Schon mal bereut, nach Brüssel ­gegangen zu sein?
Bereuen werde ich das auch in fünf Jahren nicht. Viele in meiner Fraktion scheinen viel klüger und können besser reden als ich und sagen das Gleiche wie ich, nur viel eleganter, dann denke ich mir schon, vielleicht braucht es mich ja gar nicht. Dabei gibt es ein Thema, wo ich recht allein bin: meine Expertise über die Qualität von Lebensmitteln. Irgendetwas werde ich erreichen oder zumindest das Schlimmste verhindern.

Wo erwische ich Sie? In Brüssel in Ihrem Zimmer beim alleinerziehenden Vater?
Da habe ich jetzt gekündigt, die Musik des Jungen wurde mir zu laut und zu viel. Die Fenster schlecht isoliert. Selbst im Bett hat’s gezogen wie Hechtsuppe. Ich bin in der Uckermark in meinem Haus, mich einrichten. Bin gestern aus Brüssel zurückgekehrt. Mal sehen, wie wir im Lockdown weiter­arbeiten können. Ich gehe jetzt erst mal in den Gemüsegarten.

Sie waren gerade zum ersten Mal wieder in Brüssel. Ist das Parlament vollbesetzt?
Nein. Vielleicht ein Viertel der Leute ist zurück. Nur wer im Ausschuss oder Parlament gerade redet, braucht keine Maske zu tragen. Im Hotel habe ich die ganze Woche über niemanden im Gang gesehen. Das EU-Brüssel ist eine Geisterstadt. Die Öko-Verordnung wurde um ein Jahr verschoben. Vieles ist liegengeblieben. Dabei habe ich zu Hause eher noch mehr gearbeitet als in Brüssel. Telefonate, Video­konferenzen, Webinare, alle möglichen Konferenzmodule. Die Verbindung ist oft nicht gut. Vor Ort weißt du sofort, wie ab­gestimmt worden ist und ob deine Stimme gezählt ­wurde. Im Netz ist das alles komplizierter. Aber alle Reisen sind weggefallen. Sämtliche Termine finden abends statt. Ein Geschenk.

Fühlen Sie sich wieder fremder im ­Parlament?
Ich gehe morgens ins Büro, werde am Abend ausgespuckt und will mich ausruhen. Ich habe viel über meine Arbeitsweise nachgedacht, wie herausfordernd schon dieses erste halbe Jahr war. Ich habe mir vorgenommen, noch mehr Prioritäten zu setzen. Ich muss mich mehr fokussieren auf die Themen, die mir am Herzen liegen.

Wenn Sie in den Spiegel blicken, sehen Sie eine Politikerin oder eine Köchin?
Ich wollte nie festlegen, was ich bin. Aber ich habe mir nicht ernsthaft überlegt, wieder in die Küche zu gehen. Ich bin für die Ernährungswende angetreten, ich will es wissen. Ich bin jetzt Politikerin. Ja.

Was ist aus Ihrer Resolution für die Putzkolonne im Parlament geworden?
Die Mühlen mahlen langsam. Wir haben das den Sozialausschüssen übergeben, ich kenne den augenblicklichen Stand nicht. Durch ­Corona ist vieles zum Stillstand gekommen. Die letzten Wochen habe ich mich erst mal um die Puten gekümmert. Nach all der Theorie ist das wieder etwas sehr Konkretes.

Die Puten?
Wussten Sie, dass es keine EU-weite Richtlinie für die Putenhaltung gibt? Dass die Pute das am dritthäufigsten geschlachtete Tier in der EU ist und das ärmste Schwein unter den Nutztieren? Sie stehen in unfassbarer Enge mit kupierten Schnäbeln in Ställen und sind enorm überzüchtet.

Fällt das nicht unter die Hühner­haltungsrichtlinien?
Die Pute ist kein Huhn. Nur wenige Länder haben gesetzliche Standards für die Putenhaltung. Österreich hat Mindeststandards, die deutlich strenger sind als in anderen EU-Ländern. Das erhöht die Produktionskosten, und trotzdem hat Österreich eine große, wachsende Putenwirtschaft. Es funktioniert also, wenn die Rahmenbedingungen passen. Ich habe in meinem Urlaub einige Putenbetriebe besucht, mich mit den Bauernfamilien, mit Fachleuten und Industrievertretern unterhalten. Auch außerhalb von Österreich. Ich habe zugesagt, das Land und den Betrieb nicht zu nennen, dafür durfte ich mich umschauen, und man hat mich dort drehen lassen.

Sie drehen einen Film, um die Kollegen im Parlament von der Notwendigkeit eines neuen Gesetzes zu überzeugen?
Ich denke, ich bin da nicht die Einzige. Und es sind ja nur Filmszenen, kein Riesenfilm.

Andere Filme werden von Greenpeace oder anderen NGOs gedreht und anschließend im Parlament gezeigt. Dass eine Abgeordnete oder ein Abgeordneter selbst produziert, wäre mir neu.
Das weiß ich jetzt nicht so genau, aber ich habe ja nur fünf Jahre und probiere alles Mögliche. Fotos und Filme aus der Realität zu zeigen ist eindrücklicher. Und ich zeige nicht nur Aufnahmen von den Orten, wo es am schlimmsten zugeht, sondern auch normale konventionelle Betriebe und Freiland-Bio­betriebe. Die ganze Palette eben. Ich denke schon, dass wir darüber nachdenken sollten, wie wir mit unserer Mitwelt leben wollen und was wir gerade in der Nutztierhaltung machen. Die Zeit ist reif, um etwas Fundamentales wieder zurechtzurücken.

Glauben Sie, in den verbleibenden vier Jahren noch ein Schutzgesetz auf den Weg zu bringen?
Sagen wir so: Ich bin da heftig dran. Ich bin mir sicher, dass die Mehrheit der Europäer so eine Tierhaltung nicht gutheißt und dieses Fleisch nicht essen möchte. Aber die Puten­industrie hat kein Interesse an Reglemen­tierungen. Interessant ist auch, dass es wenig fundierte wissenschaftliche Putenexpertise gibt. Wir sollten dringend unabhängige Forschung befördern. Es gibt zudem nur ganz wenige weltweit agierende Zuchtbetriebe. Wir verlieren Vielfalt und bringen uns fahrlässig in die Abhängigkeit von den paar Zuchtbetrieben, die den Großteil der weltweiten Zucht betreiben, wie Wesjohann in Deutschland und Hendrix in den Niederlanden.

Im vorigen Jahr fehlte Ihnen das Gefühl, etwas zu bewirken, das nur Sie bewirken könnten. Ist das jetzt die Pute?
Das klingt ja arg egoman, wenn Sie mich so darauf ansprechen. So meinte ich das nicht. Und nein, es gibt auch NGOs, Tierschützer und andere Parlamentarier, die skandalös finden, dass es keine Mindeststandards für die Haltung von Puten gibt. Allein geht gar nichts. Ich meinte damit nur, ich habe die Wahl, bestimmte Themen zu setzen.

Wann könnte die Pute im besten Fall geschützt werden?
Theoretisch könnte man so ein Gesetz in einem Jahr auf den Weg bringen. Gerade ­stehen die Verhandlungen über die neue gemeinsame Agrarpolitik und eine nachhaltigere Lebensmittelstrategie der EU an. Und dann gäbe es da sicherlich noch eine längere Übergangsfrist. Aber nicht nur die Kommission muss zum Handeln gebracht und im Parlament eine Mehrheit gefunden werden, es muss auch das Einverständnis der Mehrheit der Nationalstaaten vorliegen. Auch Deutschland gehört zu den Big Five der Putenin­dustrie, die ihre Interessen schützen wollen. Dann schaut es traurig aus. Es nutzt noch gar nichts, wenn ich herauskrähe: die arme Pute! Fragen Sie mich also in einem Jahr wieder.

Sie sind jetzt ein Jahr dabei, auf welches verabschiedete Gesetz sind Sie stolz?
Stolz ist ein großes Wort. Es gibt viel Gutes. Die Bienenrichtlinien und das Verbot der ­Neonikotinoide zum Schutz der Bienen. Resolutionen zu Menschenrechten, Pestizid­reduktion und eine Biodiversitätsstrategie. Das Ringen um den Klimaschutz, um europäische gemeinsame Werte, Budgetverhandlungen, Genderthemen, Pressefreiheit, bis hin zum Mindestlohn. Und ich habe dazu beigetragen, durch persönliche Überzeugungsarbeit und Sammeln von Unterschriften im Parlament, dass es jetzt einen Tiertransportausschuss im Parlament gibt. Zum ersten Mal.

Die Verhandlungen über die Neuformulierung der sogenannten Gemeinsamen Agrarpolitik haben gerade begonnen. Vierzig Prozent aller EU-Mittel fließen da hinein. Können Sie die Agrarpolitik grüner machen?
Wir Grüne haben nur zehn Prozent und brauchen uns nicht einzubilden, uns da mit vielem durchzusetzen. Die Konservativen sind in der Mehrheit und wollen an der Agrarpolitik nichts We­sentliches ändern. Obwohl ja alle schreien, wir müssen nachhaltiger werden, Biodiversität und das Klima schützen. Wenn es dann zur Abstimmung kommt, sieht man, wer was ­unterstützt. Im November soll darüber abgestimmt werden, die nächste wird es dann wohl erst 2028 geben. Die Zeit drängt. Ich staune, dass Dinge Jahre oder Jahrzehnte dauern. Trotzdem ist es wichtig, nicht aufzugeben. Ich habe gelernt, kleine Brötchen zu backen.

Nie nahe daran gewesen aufzugeben?
Nein. So viele Themen sind spannend und wichtig. Die Flüchtlingssituation, die Uiguren, sogar das europäische Vereinsrecht, wenn mir das jemand lecker erzählt. Ich muss lernen, welche Schlachten ich führen möchte, und muss strategisch denken, mit wem ich in die Schlacht ziehe und was man zum Besseren wenden kann.

Sie hatten Covid-19. Wie schlimm war es?
Ich habe nie gefürchtet, dass ich sterben könnte, ich musste auch nicht ins Krankenhaus, aber es war ein ständiges Auf und Ab. Sobald ich dachte, morgen bin ich sicher gesund, konnte ich am nächsten Tag keine hundert Meter laufen. Ich bin nicht mehr ansteckend, aber nach über drei Wochen immer noch nicht fit, ich fühle mich oft sehr erschöpft und habe einen hartnäckigen Husten.

Haben Sie eine Ahnung, wo Sie sich angesteckt haben könnten?
Ich denke, auf der Reise nach Wien. In meinem Haus in der Uckermark habe ich ja wenig Kontakt zu anderen. Ja.

Leben Sie allein?
Ja.

Das Parlament hat inzwischen die Gemeinsame Agrarpolitik verab­schiedet. Wie unzufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?
Die Konservativen im Parlament haben sich‚ ohne uns einzubeziehen, mit den Liberalen und den Sozialisten geeinigt. Der entstandene Kompromiss ist ein Desaster, der den Umweltproblemen nicht gerecht wird. Besonders bitter finde ich, dass über unsere Änderungsvorschläge nicht einmal abgestimmt wurde. Vom angemahnten Systemwechsel ist nichts übriggeblieben.

Kommen Sie sich nach einem Jahr jetzt wie Sisyphos vor?
In der Woche nach der Abstimmung war ich schon etwas deprimiert. Ich hatte geglaubt, dass die Zeichen der Zeit deutlich genug seien und wir etwas Zukunftsfähiges erreichen könnten. Wir wissen, dass ein Großteil der europäischen Bevölkerung das will, wie kann es sein, dass die Mehrheit der Parlamentarier sich überhaupt nicht bewegt? Ich setze stark auf die nächste Europawahl. Zahlreiche Umfragen und Studien zeigen, dass die Menschen mehr fürs Klima, mehr fürs Tierwohl getan sehen wollen.

Wurde das parlamentarische Verfahren wegen Corona geändert?
Man darf nicht reden, wenn man nicht im Plenum anwesend ist. Aber wegen einer Minute Redezeit dorthin zu fahren erscheint zu gefährlich. Ich bin ja ziemlich sicher auf einer Reise angesteckt worden. Erst durften nur wenige Leute ins Büro, jetzt niemand mehr. Man kann ohnehin niemanden mehr treffen, alles geht nur online. Alles, was Politik ausmacht – Hintergrundgespräche, Mitstreiter finden, Strategien entwerfen, Informationen sammeln –, all das kann man jetzt nicht.

Haben Sie Ihre Kampagne für die Putenhaltung auf den Weg gebracht?
Ja, teilweise. Es läuft langsam an. Ich habe sie meinen Leuten vorgestellt, der Kommission, der Presse. Ein erster Erfolg ist eine Sendung im ORF, in der ich meine Initiative dargestellt habe. Die konservative österreichische Landwirtschaftsministerin ließ sich in der Sendung die Zusage abringen, meine Initiative zu unterstützen. Schauen wir mal, wie es weitergeht.

Haben Sie die Atmosphäre in der Gastronomie als freundlicher erlebt als jetzt in der Politik?
Ach, das lässt sich nicht vergleichen. Als Chefin in der Gastronomie hat man Hunderte Gäste. Die meisten sieht man nie wieder, aber dann gibt es auch Stammgäste, mit manchen von denen freundet man sich an. Du schaust den Menschen in die Augen, da entsteht Nähe. Das Europaparlament ist eine andere Welt. Viele wollen in Brüssel nur ihrem Beruf nachgehen und nichts Privates preisgeben. Aber das ist ja kaum durchzuhalten. In Brüssel ist dein Gegenüber in der Regel jemand, mit dessen Ansichten du oft nicht einverstanden bist. Da freut man sich umso mehr über die sympathischen Kontakte, die man dann doch findet.