Feuerspucker

Der Stromboli vor Sizilien ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. Also nichts wie hin.

Auf Stromboli hat dich die Natur im Griff, das lernte Lorenzo Russo schon als kleiner Junge. Manchmal fuhr die Fähre vom Festland gar nicht erst los, wenn er mit seinen Eltern auf die Insel wollte. Zu stürmisch war es, um an dem beinahe runden Fleckchen Land anzulegen, das sechzig Kilometer nördlich von Sizilien aus dem Mittelmeer herausgewachsen ist wie ein dampfender Pickel.

Stromboli ist nicht nur eine Insel, sondern einer der aktivsten Vulkane der Welt. Im Schnitt donnert es alle zwanzig Minuten aus den Kratern an der Spitze des Berges, die etwa 900 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Lavafetzen und heiße Asche schießen senkrecht in die Luft, es sieht aus, als wäre eine glühende Welle gerade an eine Kaimauer geklatscht.

Seit fast zwanzig Jahren führt Russo Touristen die steilen Vulkanhänge hinauf. Der schönste Moment sei es, die Urlauber dabei zu beobachten, wie sie ihre erste Explosion aus der Nähe erleben. Manche würden sich vor Schreck bei den Händen fassen. Aber fast alle seien traurig, wenn nach einer Stunde der Abstieg beginnt.

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Gemeinsam mit Bekannten hat Russo eine Agentur für Wandertouren gegründet: Magmatrek. Eigentlich ist er Biologe, aber seit seine Eltern ihn als Fünfjährigen zum ersten Mal mit nach Stromboli nahmen, sie hatten dort ein Ferienhaus gekauft, lässt ihn die Insel nicht los. Im Winter lebt er in Mailand, von März bis Oktober am Fuß des Vulkans. Er ist 46, sieht aber ein wenig älter aus. Die Sonne und die Asche in der Luft haben sein Gesicht faltig werden lassen. Die Natur hat ihn im Griff – und auch sein Geschäft.

Die vergangenen sieben Monate war der Gipfel des Stromboli für Touristen gesperrt, weil es im August 2014 eine heftige Eruption gegeben hatte. Lavaströme flossen einen unbewohnten Hang hinab ins Meer. Die beiden Dörfer auf der Insel, Stromboli und Ginostra, waren ungefährdet. »1930 flogen bei einer Explosion einmal Steine bis nach Stromboli, ich selbst habe das aber nie erlebt«, sagt Russo.

Die italienische Zivilschutzbehörde entscheidet darüber, wer den Vulkan besteigen darf. Alle paar Jahre beschränkt sie den Zugang, wenn es unter der Erde zu heftig drückt. Nur Wissenschaftler dürfen dann in die Nähe der Krater. Stromboli ist ein Treffpunkt für Vulkanologen, weil die Bedingungen dort so konstant sind.

Seit ein paar Wochen ist der Stromboli auch wieder für Touristen geöffnet. »Im Moment ist es oben sehr ruhig«, sagt Russo. Aber die Aktivität verlaufe wie eine Sinuskurve.

Russos Touren beginnen drei Stunden vor Sonnenuntergang. Beim Einbruch der Dunkelheit ist man dann auf der Höhe der Krater – allerdings immer im sicheren Abstand zu ihnen. Der Weg sei anstrengend, aber nicht schwierig, sagt Russo. Und wenn man Glück habe, sei gerade Vollmond. Dann gehe im Westen die Sonne unter, im Osten ziehe der Mond auf, und vor einem explodiere der Berg. »Die Leute wissen dann gar nicht, wo sie hinschauen sollen.«

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Essen

Gemüse und Obst, das schmeckt auf Stromboli besonders intensiv - wegen der nährstoffreichen Vulkanerde.

Übernachten
»Albergo Brasile«, Zimmer, fünfzig Meter vom Meer entfernt: strombolialbergobrasile.it

Unbedingt
Vorher fragen, ob der Vulkan für Touristen geöffnet ist: magmatrek.it

Illustration: Edith Carron

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