Der Mann hinter der Linie

Der Deutsche Bernd Stange trainiert die Fußball-Nationalmannschaft in Syrien – trotz Krieg, Diktatur und Korruption. Warum tut er das?

Bernd Stange war schon Nationaltrainer in der DDR, dem Oman, dem Irak, Weißrussland und Singapur. Die syrische Nationalelf trainiert er seit knapp einem Jahr.

Der Irrsinn des Landes, das halb im Krieg und halb im Frieden lebt, verdichtet sich manchmal in wenigen Augenblicken. In der syrischen Küstenstadt Jableh fängt gleich die zweite Halbzeit an. Zu Gast ist al-Dschaisch, der Fußballverein der Armee aus Damaskus. Gastgeber ist der Sporting Club von Jableh, das sich »Stadt der Märtyrer« nennt. Hier lebt die Minderheit der Alawiten, zu der auch der Diktator Baschar al-Assad gehört. Kaum ein Ort in Syrien verlor mehr Söhne, Väter, Ehemänner im Kampf für

Assad selbst sieht von einer Plakatwand auf das in die Jahre gekommene Stadion herab. Unter ihm brennen die Ultras Feuerwerk ab, werfen gewaltige Rauchbomben und Böller. In Syrien zählen sie als Kinderkram. Plötzlich tauchen aus dem Rauch zwei Kampfjets auf. Sie bohren sich hinter der Tribüne in den Himmel, die Basis der russischen Luftwaffe ist nahe. Die Jets scheinen geräuschlos zu fliegen, ihr Donnern übertönen die Fans mit dem ihren. Dann verschwinden die Flugzeuge – vielleicht in Richtung der Rebellenenklave

Von der Gegentribüne blickt ein General ungerührt durch seine Sonnenbrille auf den Acker vor sich, wo seine Mannschaft trotz allem versucht, Fußball zu spielen. Der Klubchef des Armeevereins zuckt nicht einmal, als ein Riesenböller neben dem Linienrichter explodiert – nur ein Mann, einige Plastikstühle weiter, legt sich eine Hand vor die Augen und schüttelt den Kopf. »Das ist nichts für jeden hier«, sagt er mit sanftem sächsischen Einschlag. »Das ist Fußball für Männer mit Bärten.«

Bernd Stange selbst ist kein

Im Land mit dem Fußball

Trotz allem rollte der Fußball.

Warum die Spiele weitergehen sollten,

Die Soldaten des Sports wuchsen

Ab dem 6. Januar 2019

Dass sein Engagement in Syrien

Er könnte sich in Talkshows

Das wirft die Fragen auf:

»Ich will versuchen, den Syrern

Als er Ende 2002 jenen

Warum »Stasi«? Stange wurde 1948

DDR-Trainer, Stasi, Saddams Coach: Das

In Deutschland wurde Stange da

Trotz aller Widrigkeiten schaffte der

Und als vor einem Jahr

Wieder einmal arbeitet Stange also

Wenn Stange und sein Co-Trainer

Manchmal zerreißen israelische Raketen und

Die Mannschaft, die Stange und

Die Spieler unterscheiden sich aber

Fadi al-Dabbas, der Präsident des

Er wolle sich politisch nicht

Weil über kaum eine menschliche

Die WM wie 1978 in

Natürlich ist Fußball nicht unpolitisch

Dass der nationale Fußballverband General

Vielleicht lässt sich die auch

Die Basis für seine Mission

23. Juni 2018, ein erster

Was der deutsche Trainer seinen

Und nun? Schießt Omar al-Soma

Am Spielfeldrand haben sich Sportblogger

Dennoch ist Stange nach zwei

Nach dem Idyll von Flachau

Auch die nächsten Gegner sind

Durch die sozialen Medien wabern

In den letzten Wochen vor

So, wie sich die Lage

Der Rasen dort ist grüner

Die Liga jedoch hat den

Ein Lächeln wolle er den

Zum ersten Mal, seit er seine Karriere als Fußballtrainer begann, ist er an Weihnachten nicht bei seiner Familie. Am 22. Dezember fliegt Hadschi mit seiner Mannschaft an Mekka vorbei, ins Trainingslager nach Dubai. Und so nickt Stange an Weihnachten nicht am späteren Abend kurz auf dem Sofa ein, wie er das sonst an Heiligabend manchmal tut. Sondern – wenn überhaupt – über der Aufstellung für das erste Gruppenspiel. Am 6. Januar wird Syrien in Schardscha gegen Palästina auflaufen, ohne einen Sieg wird das Weiterkommen schon schwierig. Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten, beim Gastgeber des Asien-Cups, könnten während der Spiele Kampfjets in den Himmel steigen – von Luftwaffenstützpunkten, die ähnlich nah an den Stadien liegen wie die russische Basis von Jableh, der Stadt der Märtyrer in Syrien. Die Emirate führen im Jemen einen mittelalterlichen Belagerungskrieg mit moderner Waffentechnik. Doch sobald der Ball rollt, wird niemand links, niemand rechts gucken. Alle Augen richten sich auf das Spielfeld. Entscheidend is’ aufm Platz.