Fang das Licht!

Die neuen Glühlampen sind so schön, dass man sie am besten fast unverhüllt zeigt.


Von wegen durchgebrannt

Gut sechs Jahre ist es her, dass die EU-Kommission entschied, die herkömmliche Glühlampe, vulgo Glühbirne, müsse weg. Statt der Stromfresser sollten nur noch energiesparende Lampen erlaubt sein. Das Verbot trat stufenweise in Kraft, am 1. September 2012 wurden »Punktlichtquellen mit geringer Energieeffizienz« ganz verboten.

Aber die Glühbirne verschwand nicht. Über den Theken und Tischen moderner Cafés und Restaurants, in minimalistisch eingerichteten Wohnungen taucht sie jetzt sogar wieder vermehrt auf. Und nicht etwa als Leuchtmittel, das sich in einer Glocke versteckt oder unter einem Schirm, sondern als eigenständige Leuchte: Nichts als ein Kabel, eine Fassung und eine Birne, so wie sie früher in frisch renovierten Zimmern hing. Oder in Fluren von Wohnungen, die irgendwie nie über diesen Status hinauskamen.

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Die nackte Glühbirne ist nicht nur ein Statement gegen Verordnungswut, sondern auch gegen den rein rationalen Fortschritt; es ist das Gefühl, dass früher nicht alles besser, aber bestimmt schöner war. Und echter. Auch die Verkäufe von Vinyl-Schallplatten haben sich in Deutschland seit 2009 verdreifacht. Die eigentliche Energiesparlampe, genauer: »Kompaktleuchtstofflampe«, mit diesen langen oder seltsam gedrechselten Stäben – die wollte und will dagegen niemand irgendwo hervorblitzen sehen.

Aber wie kann es eigentlich sein, dass die Glühbirne nicht verschwindet? So viele Restbestände kann ja niemand gehamstert haben. Wer genau hinschaut, wird feststellen: Die alte Glühbirne hat sich verändert. Sie sieht aus wie früher, ist aber in Wahrheit meistens eine Halogen- oder LED-Lampe. Und die Designermodelle stecken in neuen Fassungen, mitunter ist ihr Glas gestreift oder wie ein Diamant geformt. Dadurch sieht die Glühbirne durchaus besser aus als früher.

Daneben finden sich aber auch Birnen, die trotzig weiter mit dem alten Wolfram-Faden brennen. Denn ihr Licht scheint viel wärmer und gemütlicher – und in jedem Fall schöner als das erst so zaghafte und dann so kühle Licht der Leuchtstofflampen oder die blendenden Halogenleuchten. Es gibt eine Ausnahmeregel, mit deren Folgen in Brüssel offensichtlich niemand gerechnet hat: Das Verbot der herkömmlichen Glühbirnen gilt nicht für Speziallampen. Wenn sie also mit dem Zusatz »nicht geeignet als Haushaltsbeleuchtung« gekennzeichnet ist, darf die klassische Glühbirne weiter verwendet werden. Total einleuchtend, oder?

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