Tagebuch: 20. März 1987

Und immer wieder Frühling: 100 Jahre Zeitgeschichte in privaten Notizen.

    20. März 1987
    (Dietmar R., *1950) Ich sitze vor einer großen Deutschlandkarte. Ich starre immer wieder auf diese Karte und trinke und rauche und versuche dabei, Kraft zu schöpfen.
    Den Notariatstermin für den Vertragsabschluß in unserer Hausverschenkungsangelegenheit haben wir uns geholt. Er ist am 10. April. Wir mußten uns belehren lassen, daß der Vertrag selbst nach der Genehmigung durch den Liegenschaftsdienst noch ein Jahr lang von staatlicher Seite für ungültig erklärt werden kann.
    Beim Möbeltaxator waren wir auch. Die Fotos, die ich von unseren Einrichtungsgegenständen gemacht habe, sind aber nicht ausreichend. Es bleibt bei dem vereinbarten persönlichen Begutachtungstermin am 23. April. Die alte hölzerne Atelierkamera kann der vom Staat zugelassene Mann allerdings nicht beurteilen. Auch mit den beiden geschnitzten Eckschränken könnte es Schwierigkeiten geben, sagte uns der „Vertrauensmann“ für Möbel. Am Dienstag werden wir wieder aufs Rathaus zur Abteilung Kultur gehen. Wir haben ja auch wegen der Gemälde noch keinen Bescheid. Mir fällt immer nur ein: Diese elenden Schweine.
    und noch einmal 20.3.1987
    Es ist kurz vor Mitternacht. Ich bin jäh aus dem Schlaf erwacht. Im Traum hat Polizei vor unserem Haus gestanden.

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