Zu Besuch im Zukunftslabor

Das italienische Designer-Duo Formafantasma fordert einen Neuanfang seiner Branche. Und gibt Produkten einen neuen Sinn. 

Andrea Tri­marchi (links) und Simone Farresin sind bekannt für surreale Objekte, die sich erst auf den zweiten Blick erschließen.

»Es reicht nicht mehr, nur über uns selbst nachzudenken«, sagt Simone Farresin. »Der Großteil der Gesellschaft glaubt immer noch, dass es im Design darum geht, Dingen eine Form zu geben. Aber wenn es beim Design wirklich um Fortschritt gehen soll, kann das nicht mehr das Thema sein.« Die Worte sind eine Kampfansage.

Neben Farresin sitzt sein Partner Andrea Trimarchi am Holztisch. Die zwei tragen Schwarz. Zumindest an den Dresscode der Branche halten sie sich. Ansonsten macht Studio Formafantasma, wie die

Studio Formafantasma geht es ums Ganze. Für jene Londoner Ausstellung haben die Designer die globale Holzindus­trie analysiert. Nicht die fertigen Produkte interessierten sie, sondern wer alles daran beteiligt

Ist Holz nicht der Ökobaustoff schlechthin? Das in Form gebrachte gute Gewissen? So einfach ist das nicht. Studio Formafantasma hat eine Art mathematische Gleichung aufgestellt, um seine Sicht

In Zeiten der Klimakatastrophe müsse neu gedacht werden. Auch weil für Farresin und Trimarchi der Wald mehr ist als ein Rohstofflieferant. »Die Bäume arbeiten praktisch für uns«, sagt

Es ist diese Mischung aus Vision und Analyse, die Studio Formafantasma kennzeichnet. Auch wenn die beiden Designer entwerfen, haben ihre Objekte etwas Schwereloses, egal

Bereits 2011 wurden Farresin und Trimarchi von Paola Antonelli, der einflussreichen Designkuratorin am Museum of Modern Art in New York, und der britischen Design­kritikerin Alice Rawsthorne zu einer Handvoll Gestalter gezählt, die »die Zukunft des Designs prägen werden« und »die Form, die Substanz und die Zukunft der Dinge ver­ändern werden«. Für die New York Times gehören ihre ­Objekte zu den »interessantesten und konzeptuell reich­haltigsten Stücken, die heute hergestellt werden«. Längst befinden sich Arbeiten von Studio Formafantasma in den wichtigsten Designsammlungen der Welt, im Museum of Modern Art, im Victoria and Albert Museum in London, im Museum für angewandte Kunst in Wien.

Im Interview mit dem SZ-Magazin redet vor allem Farresin. Der drei Jahre jüngere Trimarchi ergänzt, gibt ein Stichwort, zeigt Bilder auf dem Laptop. Seit 16 Jahren sind sie auch privat ein Paar. Der italienische Akzent der beiden packt ihre Sätze in Samt, egal was sie sagen. Farresin stammt aus Norditalien, Trimarchi aus Sizilien.

»Wir sind eine Art Hybrid«, sagt Andrea Trimarchi. In den Niederlanden interessiere man sich im Design besonders für Daten und Informationen. »Wir besitzen dazu

Ihr Studio wirkt wie ein Labor: Der ­offene weiße Raum ist fast leer, an den ­Wänden stehen Metallregale. Nur das Surren eines Ventilators ist

Für seine Projekte arbeitet Studio Forma­fantasma oft mit Menschen zusammen, die üblicherweise nicht in der Designwelt auftauchen, Förstern zum Beispiel. Philosophen, Historikern. Aber auch

Die Ausstellung musste wegen des Coronavirus eine Zwangspause einlegen und eröffnet am 29. September wieder in der Serpentine Sackler Gallery. In der Zwischenzeit haben

Die Ausstellung in London hatte einen Vorläufer: Als ein australisches Museum bei den beiden ein Möbelstück für seine Designsammlung in Auftrag gab, machten Farresin

Detektivisch hatten die Designer dafür den Weg alter ­Geräte verfolgt. Nur 30 Prozent werden recycelt, nachdem sie weggeworfen wurden. Weil die Nachfrage nicht nachlässt,

»Es geht uns nicht darum, den Helden zu spielen. Es geht darum, bestimmte Ideen in die Designkultur einzuspeisen, die zu einem Wandel führen«, sagt

Kein Wunder, dass Enzo Mari das Vorbild von Studio Formafantasma ist. Der bedeutende italienische Designer, mittlerweile 88 Jahre alt, ging in seinen Entwürfen immer

Sie selbst würden auch für den Teufel arbeiten, »wenn er uns die richtige Aufgabe gibt«, sagt Trimarchi. Bislang sind es Luxusfirmen. Den Grund dafür

Im Herbst startet Studio Formafantasma den selbst ent­wickelten Studiengang Geo-Design an der Universität Eind­hoven. Wie »ein Oktopus« wollen die beiden Designer ihre Tentakel in