Hoffnungsträger in geblümter Badehose

Warum es neben der Debatte um den Brexit auch mal erforderlich sein kann, sich über die Bademode von Prince Charles Gedanken zu machen.

Illustration: Dirk Schmidt

Es ist ein heißer Tag, an dem ich dies schreibe, ein heißer Tag inmitten von vielen anderen heißen Tagen. Unten auf der Straße waten die Menschen durch flüssigen Asphalt, hier oben im Büro wehen die kleinen Haare auf meinen Zehenrücken im Ventilatorenwind, denn das Gebläse steht unter dem Schreibtisch, und ich bin barfuß. Ja, Sie müssen wissen, ich lege beim Schreiben Wert auf angemessene Kleidung, also Oberhemd und lange Hose, aber bei diesen Temperaturen gestatte ich mir bloße Füße. Zehenrücken. Ob ich schon jemals zuvor das Wort Zehenrücken geschrieben habe? Und jetzt schon drei Mal. Ich musste 63 Jahre alt werden, bis ich einmal das Wort Zehen­rücken schrieb. Verrückt, oder?

Im Zeitungsstapel habe ich einen Guardian vom März entdeckt, da sieht man ein Foto von Prinz Charles und seiner Frau an einem Strand in Australien: Charles im hellen Sommeranzug mit Krawatte, Camilla in luftigen weißen Hosen und einem langen, noch luftigeren rosa Hemd darüber. Charles trägt Slipper, sie ist barfuß, man sieht ihre Zehenrücken im Sonnenlicht. Hinter dem Paar: die Brandung. Es gefällt mir, dass Charles, diese Brandung im Rücken, so gut angezogen ist, ein Mann nach meinem Geschmack.

In dem Artikel, der zum Foto gehört, geht es darum, dass Charles einige Tage zuvor in einer Badehose fotografiert worden war, die er schon einmal auf einem Foto getragen hatte, zwölf Jahre zuvor, eine Badehose mit Blumenmuster, pink, blau, grün. Wahrscheinlich sei die Badehose sogar schon sechzehn Jahre alt, sagte ein Sprecher des Herstellers dazu; dieser Stil sei von 2003, und länger als eine Saison würden die Hosen nicht verkauft.

Es wird im Text ein ziemliches Gewese darum gemacht, dass der Prinz so betagte Badehosen trage. Ich finde das eigentlich selbstverständlich. Ich besitze Badehosen aus dem vergangenen Jahrtausend und trage sie noch. Eine Badehose wird erst im verwitterten Zustand gut, gebleicht von der Sonne, gegerbt vom Salz des Meeres, geformt vom Körper des Mannes, der sie trägt. Übrigens ist die Badehose, die man in der Sonne trägt, die einzige Hose, die sich auf dem Körper abbildet, man behält ihren Schatten noch, auch wenn man sie ausgezogen hat. Und: Mit der Badehose verbinden sich schöne Erinnerungen, an Sommer, Sonne, Ferien. Dies alles ist in die Hose eingewoben.

So was wirft man nicht weg.

Als Kinder hatten wir in den Fünfziger- und Sechzigerjahren aus Wolle gestrickte Badehosen, sie kratzten entsetzlich und wurden, mit Wasser vollgesogen, sehr schwer. Wenn man einen Kopfsprung machte, befanden sie sich danach auf Knöchelhöhe oder waren ganz weg. Später hatten wir winzige dreieckige Badehosen, dann etwas stoffreichere, aber immer noch körpernahe Modelle. Körpernähe ist bei Badehosen so eine Sache, manchmal sieht man Leute, bei denen etwas mehr Körperdistanz in der Badekleidung wünschenswert wäre, aber da sind wir jetzt schon nahe am body shaming, oder? Kein Wort mehr dazu. Ich mag Bade-Shorts am liebsten, deren Beinlänge in der Mitte der Oberschenkel endet, so wie dieses geblümte Modell von Charles, obwohl ich nie etwas Geblümtes anziehen würde, aus persön­lichen Gründen.

Charles hat mal gesagt, er trage alle seine Sachen sehr lange, ein Sakko von 1969 besitze er noch, andere seien von 1971, toll, wenn er die noch tragen kann! Er sieht gut aus in den geblümten Shorts. Es gibt Bilder von ihm an einem australischen Strand, die sind vom April 1981, also kurz vor der Hochzeit mit Diana, er in dunkelblauer Badehose durch die Wellen tobend, andere sind von 1983, da trägt er eine kurze türkisfarbene Hose, außen weiß abgesetzt, auch fand ich Fotos von 1978 in Deauville, die Hose war hellblau. Ein athletischer junger Mann, muskulös, ohne ein Gramm Fett. Auch heute ist er schlank, er hat sich gut gehalten, und ich habe das Gefühl, sein Land wird ihn noch brauchen, wenn es baden geht.