Fabelhaftes Flatterwesen

Nicht erst seit Corona hat die Fledermaus einen schlechten Ruf. Unser Kolumnist erhebt Einspruch.

Illustration: Dirk Schmidt

Eines der berühmtesten Experimente der Physiologie, also der Wissenschaft von den Lebensvorgängen, ist poetisch und grausam zugleich; der italienische Universalgelehrte Lazzaro Spallanzani machte es 1793 in seinem Arbeitszimmer in Pavia, das liegt in der Lombardei. Unser Mann hatte dünne Drähte durch den Raum gespannt und daran Glöckchen befestigt. Als die Dämmerung hereinbrach, löschte er alle Kerzen und befreite etliche Fliegen aus einer Schachtel. Dann öffnete er eine Käfigtür.

Fledermäuse flogen lautlos umher und fingen alle Fliegen. Kein Glöckchen war zu

Ein zweiter Versuch folgte. Spallanzani blendete einige Tiere, ja – ich habe

Dann stopfte er Wachs in ihre Ohren, so flogen sie wieder.

Wildes

So

Fledermäuse

Noch

Es

Dabei ist das alles »Ergebnis einer hervorragenden Anpassung an unterschiedliche Lebens- und Ernährungsweisen«, so steht es in Grzimeks Enzyklopädie. Auch bei Brehm heißt es, dass die Tiere »nicht so dumm sind, wie sie aussehen«. Nur die Ordnung der Nagetiere ist reicher als die der Fledertiere mit ihren beinahe 1000 Arten. Weil ich finde, das Staunen sei eine unserer wichtigsten Haltungen der Welt gegenüber, so lasst uns eben staunen über früchtefressende Flughunde und Stummeldaumen-Fledermäuse, über die Madagassische Haftscheiben-Fledermaus, auch über die Schweinsnasen-Fledermaus, zwei Gramm wiegt sie und wird drei Zentimeter lang, das kleinste Säugetier neben der Etruskerspitzmaus, die aber nicht fliegen kann.

Fledermäuse