Frau Heimes, es ist kurz vor neun Uhr am Morgen, haben Sie heute schon etwas geschrieben?
Silke Heimes: Ich habe eine Stunde an meinem neuen Jugendbuch gearbeitet. Und ein paar Zeilen in mein persönlichen Tages-Notizbuch geschrieben. Das gehört zum Start in den Tag für mich dazu.
Sie haben fast 30 Bücher geschrieben. Erinnern Sie sich, wann Sie angefangen haben zu schreiben?
Ja, sehr genau. Ich war als Kind viel mit meinen Eltern unterwegs, in Restaurants oder auf Veranstaltungen, das fand ich oft stinklangweilig. Also habe ich mit zehn Jahren angefangen, mir Geschichten auszudenken – auf dem Notizblock einer Kellnerin. Ich habe sofort gemerkt: Das ist mehr als ein Zeitvertreib. Da entsteht ein Raum nur für mich, in dem ich alles sein darf, was ich will.
Eines Ihrer Bücher heißt »Warum Schreiben hilft«. Es liefert viel wissenschaftlichen Hintergrund zu dieser Frage. Kurz gesagt, warum hilft es denn?
Weil Schreiben Ordnung schafft. Wenn ich über Probleme nur nachdenke, drehe ich mich meistens im Kreis, ohne es zu merken. Schreibe ich etwas zum siebten Mal auf, merke ich dagegen: Moment, das kenne ich schon, das ist eine Gedankenschleife. Mit dem Stift in der Hand sortiere ich mich. Gefühle werden greifbar, Gedanken bekommen Struktur und Reihenfolge. Und ich verstehe sehr genau, was mich gerade beschäftigt.
