Verprügelt von Früchten

Weil der Alltag schmutzig und giftig genug ist, legt unsere Kolumnistin einmal im Monat einen Safttag ein. Wenn sie es dabei nicht nur immer so übertreiben würde.

Foto: Maurizio Di Iorio

Weil ich Extremistin bin, körperlich und emotional, ist Maßhalten nicht meine Sache. Zum Beispiel Gift: Ich stehe morgens auf, öffne die Balkontür und atme tief ein, ah, Feinstaub vom Hafen. Dann trinke ich zu starken Kaffee mit zu viel Koffein, dazu lese ich die sogenannten Nachrichten. Die Zähne putze ich mit Drogeriezahnpasta, da sind bemerkenswert viele Stoffe drin, danach laufe ich durch den Park, mir kommen Menschen entgegen, ungefähr die Hälfte davon sind Männer, und ungefähr die Hälfte davon wiederum

Einmal im Monat reagiere ich auf den alltäglichen Gift-­Extremismus, indem ich einen Rappel kriege und mit großen Taschen losziehe, um Saft einzukaufen. Ich kaufe jede Art von Saft. Ananas, Apfel, Apfelsine, Birne, Blaubeere, Blutorange, Clementine, Erdbeere, Eisen, Guave, Grapefruit, Granatapfel, Himbeere, Ingwer, Johannisbeere, Kirsche, Karotte, Lychee, Mandarine, Melone, Magnesium, Nektarine, Pfirsich, Photosynthese, Quitte, Rhabarber, Rote Bete, Sauerkraut, Traube, Tomate, Weizengras, Zellulose. Und dann baller ich mir das am nächsten Tag rein, ohne Grenze und im unbedingten Willen, mich sauber zu

Nicht mit mir.

Ich weiß, es ist falsch, wie ich das mache, und ich spüre es auch, während ich gewaltsam Vitamine, Spurenelemente und Fermentierungen durch mein System jage, wie sie auf meine Organe zugreifen, sie füllen und zerwühlen, und bald fängt es in mir an zu blubbern, zu brodeln, und ab dem Moment habe ich nur noch ein Thema: Stoffwechsel. Ich trinke und trinke und trinke, und doch ist da ununter­brochen dieser Durst, den Hunger versuche ich mir wegzutrinken und

Spätestens gegen Nachmittag fange ich an zu schimpfen, fauche meine Familie an. Was das hier für ein verdammter Saftladen ist, will ich wissen. Sie kennen das schon und ­sagen: Du. Das bist einfach nur du. Du übertreibst mal wieder. Hör auf. Aber ich mache weiter, meistens ist noch jede Menge Sauerkrautsaft da, denn so viel, wie ich von dem Zeug kaufe, kann niemand aufnehmen, ohne zu explodieren. Am Abend liege ich ermattet im Bett, es fühlt sich

Aber dann, am nächsten Tag, bin ich eine verdammte Göttin. Weil ich es überlebt habe. Ich stehe auf, öffne die Balkontür und atme tief ein.