Das schönste Egal-Gefühl

Der Inhalt ist meist warm, abgestanden und über das Verhältnis von Spucke/Getränk sollte man besser nicht nachdenken. Trotzdem vermisst es unsere Autorin, gemeinsam mit anderen aus einer Flasche zu trinken. Weil es um mehr geht, als nur den Durst zu löschen.

Foto: Maurizio Di Iorio

Es kommt einem inzwischen geradezu verwegen vor. Allein der Gedanke an eine geteilte Flasche unter Autoinsassen auf der Rückfahrt vom See! Man will nach Hause, es ist spät geworden, alle hatten zu viel Eis und sind jetzt ungeheuer durstig. Auf der Hinfahrt hatte jeder seine eigene Flasche, aber jetzt ist nur noch dieses leicht abgestandene Wasser übrig, das man auch nur zu dem Preis trinken kann, dabei die warme Luft aus der Plastik­flasche einzuatmen. In Corona-Zeiten natürlich undenkbar, und so

Denn gemeinsam aus einer Flasche zu trinken, war immer ein Alltagscode für: »Ich kann mich gar nicht ekeln mit dir.« Etwas Herzliches, Warmes. Jeder erinnert sich doch heute noch an jene zwei Bekannten, die zuerst mit ihrem Ärmel über den Flaschenhals fuhren, um ihn abzuwischen. Und wie nah fühlte man sich denen, die kein Gewese machten und mit entspannten Gesichtszügen auch die letzten Reste weggluckerten – Reste, bei denen sie davon ausgehen mussten, dass das Mischungsverhältnis Getränk/Spucke ungefähr ausgeglichen war?

Klar, kulinarisch war dieses Subbelwasser keine Offenbarung, sozial aber eben schon. Vielleicht lernte man in diesen Momenten, in denen man einander die Flasche reichte, um an den Mund zu führen, was gerade noch an einem anderen Mund hing, sogar etwas Großes. Nämlich dass manche Sachen einfach egal sind und man sie egal sein lassen darf. Klingt nach wenig, aber je älter man wird, desto komplizierter wird man ja auch. Und die anderen ebenfalls. Irgendeiner muss unbedingt immer in Fahrtrichtung sitzen,

Ich weiß, dass ich mit Freundinnen oft nach dem Sport eine Flasche teilte. Warum? Das ist es ja: Es gab nichts, was dagegen sprach. Es kam einfach dazu, weil eine sie im Spind schneller aus der Tasche gewühlt und geöffnet hatte, während die anderen noch total kaputt nur so dagesessen hatten. Wir riefen dann: »Ich auch, ich auch!«, statt unsere zu suchen. Es war egal. Das gute Egal. Nicht das Taubsein für die Realitäten anderer, sondern das Gelassensein gegenüber dem,

Manche finden dieses Egal vor allem im Auto, manche im Zelt, wir fanden es in der Sportkabine. Vieles war dort außer Kraft gesetzt: Man fand sich selbst gut und nicht zu dick, der Körper hatte gezeigt, was er kann, außer unzulänglich gut aussehen – nämlich schnell wenden, hoch springen oder weit ausholen. Wir waren – obwohl sonst immer un­zufrieden – mit uns im Reinen. Ich glaube, gemeinsame Nachsporterfahrungen haben mehr für unser Wohlbefinden getan als jede Body-Positivity-Kampagne. Es stellte sich