»Zu zehn Prozent der Zeit habe ich doch ein kurzes Gefühl von Eifersucht«

Weil Hendrik Verlustängste hatte, ging seine letzte Beziehung in die Brüche. Seitdem lebt er polyamor. Hier erzählt er von seinen Partnerinnen Franzi und Annika, den Herausforderungen – und davon, was er über die Liebe gelernt hat. 

Hendrik (27) mit einer seiner Parterinnen.

Foto: privat

Vor ungefähr zwei Jahren ging meine letzte monogame Beziehung in die Brüche – eine Beziehung, von der ich dachte, dass sie niemals enden würde. Aber ich war oft eifersüchtig und habe mich aus Verlustangst an meine damalige Partnerin geklammert. Das Ende dieser Beziehung hat mich tief erschüttert. Ich habe mir gedacht: Wenn selbst das nicht hielt, muss irgendetwas an meinem Beziehungsmuster, meinen Überzeugungen und Werten grundlegend falsch sein. Ich habe alles in Frage gestellt und an meinen ungelösten Beziehungskonflikten aus

Ich verstehe unter dem Begriff Beziehung einfach eine Form der zwischenmenschlichen Verbundenheit. Im Moment habe ich zwei Partnerinnen, mit denen ich auch körperlich intim bin. Da gibt es zum einen Annika*. Sie hat eine zweijährige Tochter. Unsere Beziehung dauert schon zwei Jahre, ich würde sie eine reife Liebe nennen. Wir sind Freunde, wir sind Liebhaber, und wenn wir zusammen sind, dann sind wir so etwas wie Co–Eltern. Wir sehen uns etwa alle zwei Wochen, auch weil sie nicht wie ich in Oldenburg, sondern in Wilhelmshaven wohnt. Meine andere Partnerin heißt Franzi. Wir lernen uns noch kennen, verbringen viel Zeit miteinander und führen tiefe Gespräche. Das ist gerade gefühlsmäßig intensiv. Sie wohnt nur wenige Minuten entfernt von mir, und wir sehen uns mehrmals die Woche. Dann gibt es noch ein paar Menschen, mit denen ich sehr tiefe intellektuelle, aber nicht körperliche Beziehungen führe. Das würden andere Menschen wahrscheinlich als superinnige, allerbeste Freundschaften beschreiben. Aber ich möchte meine Beziehungen nicht in Schubladen stecken, ihre Grenzen sind fließend und können sich immer verändern.

Wenn ich jemanden kennenlerne, erzähle ich als erstes von meinem Beziehungsmodell und sage, dass ich der Beziehung keinen Namen geben werde. Wenn man Beziehungskategorien hat, sind damit immer Erwartungen verbunden. Fallen die Kategorien weg, kann man die Beziehung freier und nach individuellen Wünschen und Bedürfnissen gestalten. Aber es ist wichtig, Absprachen zu treffen. Zum Beispiel muss man darüber reden, ob man von den anderen Menschen, die den Partner oder die Partnerin lieben, erfahren und ob man sie kennenlernen möchte. Ich

Als wir uns kennenlernten, wusste die Franzi bereits von einer gemeinsamen Freundin, dass ich polyamor lebe. Sie sagt, dass sie das okay findet. Aber sie möchte wissen, wann und mit wem ich mich sonst treffe. Sie selbst trifft im Moment keine anderen Männer. Annika wollte das zwischen uns irgendwann betiteln. Ich habe ihr gesagt, wenn das für sie wichtig ist, dann ist das für mich total in Ordnung, wenn sie das für sich eine Beziehung nennt. Nur weil sie das

An der Beziehung mit Annika ist besonders, dass sie eine Tochter hat. Am Anfang habe ich damit gehadert, ob ich unsere Beziehung vertiefen soll. Ich hatte Respekt davor, mich als Vaterfigur bei einer Zweijährigen zu etablieren. In diesem Alter entwickeln sich Kinder stark. Ich habe mich gefragt, welche Auswirkungen das auf sie haben würde, falls ihre Mutter nach einer Zeit merken sollte, dass dieses Beziehungsmodell nicht das Richtige für sie ist, und sie den Kontakt mit mir beendet. Ich hatte

Meine Partnerinnen waren davor monogam und probieren dieses Beziehungsmodell mit mir aus. Die Polyamorie ist deshalb nicht immer einfach für sie. In der Zeit als Annika der Beziehung für sich einen Namen geben wollte, habe ich mich einmal mit einer anderen Frau getroffen und mit ihr geschlafen. Wir hatten die Verabredung, dass ich Annika das nur auf Nachfrage erzähle. Als sie davon erfahren hat, ist ihr das sehr nahe gegangen. Sie hat mich rausgeschmissen und Schluss gemacht. In dem Moment

Seitdem ich durch Annika die Liebe zwischen Eltern und Kind kennenlernen durfte, habe ich selbst einen starken Kinderwunsch. Polyamorie und Familie schließen sich für mich nicht aus. Meine Utopie ist eine Kommune auf einem Selbstversorgerhof mit ganz vielen Partnerinnen und Partnern und Kindern. Aber dazu müssen alle die Werte der Polyamorie aus ganzem Herzen vertreten. Ob die Polyamorie für immer die richtige Beziehungsform für mich ist, kann ich nicht sagen. Aber es fühlt sich für den Moment und für eine

*Hendriks Freundin möchte im Artikel anonym bleiben.

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