»Wie soll ich in meinem Alter sonst Männer kennenlernen, ich gehe schließlich nicht mehr in Diskos«

Online-Dating boomt in der Corona-Zeit – auch bei Singles über 50. Drei ältere Menschen erzählen von ihren Erfahrungen, von Reinfällen, Lehren und der großen Liebe. 

Gute Idee während einer Pandemie: ein erstes Treffen über Videochat verabreden. 

Foto: Getty/ stefanamer

Sabine, 51:

Natürlich hatte ich während des Lockdowns mehr Zeit als sonst auf Dating-Portalen verbracht, um nach möglichen Partnern zu suchen, weil ich viel öfter zu Hause saß. Ich konnte mich ja weder mit meiner Spielegruppe noch mit meiner Essensgruppe treffen oder ins Fitnessstudio gehen. Corona engt einen schon sehr ein. Manche Männer schrieben in dieser Zeit sogar in ihr Profil, dass es jetzt wenig Sinn mache zu chatten, man könne sich ohnehin nicht treffen. Das verstehe ich nicht, die

Ich bin nicht gern Single. Darum möchte ich auch mit einem Mann zusammenziehen, im Rentenalter will ich nicht allein rumsitzen. Aber die Männer zwischen fünfzig und sechzig, das ist so mein Beuteschema, können sich oft gar nicht vorstellen eine Wohnung zu teilen. Ob das daran liegt, dass viele geschieden sind und ihre Kinder aus dem Haus, weiß ich nicht. Ich war zehn Jahre verheiratet, hatte anschließend elf Jahre einen Freund, dann wieder einen, das ging ein Jahr, die

Weil ich in meinem Alter schwer andere Männer kennenlerne, bin ich auf drei Portalen angemeldet, jedoch nie gleichzeitig, ich schließe auch jeweils nur einen Vertrag über einen Monat ab. Das ist zwar teurer als ein Vertrag über sechs Monate, aber ich muss zwischendurch immer pausieren, die Dynamik ist schon anstrengend: Manchmal melden sich die Männer nicht, die man anmailt, manchmal schon, manchmal telefoniert man miteinander, manchmal stellt sich heraus, dass einer nur Sex will. Außerdem kann es ja

Was mir auffiel: Während des Lockdowns gab es keine Sonderangebote bei den Dating-Portalen wie sonst häufig. Ich glaube, das haben die Plattformen mit Absicht gemacht, schließlich verdienen sie in solchen Zeiten am besten. Gut, dass sich vieles normalisiert. Mit meiner nächsten Verabredung treffe ich mich wieder im Café.

Meine erste Suche auf verschiedenen Dating-Portalen begann Ende März, in der Hochzeit des Corona-Lockdowns, und zwar genau deswegen. Ich kann ja nicht warten, bis alles vorbei ist. Ich

Ich bin ein rationaler Mensch. Mit 66 Jahren habe ich natürlich schon alle Facetten des Lebens kennengelernt und mir überlegt: Was will ich eigentlich mit den letzten 20

Nachdem mein Entschluss feststand, habe ich erstmal gegoogelt wie Dating-Portale funktionieren, was sie kosten, welche die besten Bewertungen bekamen. Ich habe mich über unterschiedliche Dating-Portale informiert und mich dann letztendlich für Zweisam.de entschieden. Ich habe außerdem ungefähr hundert Fotos von mir gemacht, mal mit Helm, mal ohne, mal von der Seite, mal vor meinem Oldtimer. Meine Schwiegertochter hat vier davon ausgesucht. Ich meine, da kommt es ja auf Nuancen an. Dass mir Wandern, Tischtennis, Rad- und Motorradfahren wichtig sind, habe ich geschrieben, Romantik auch, dass ich noch arbeite und Weiblichkeit eine große Rolle spielt; es ist schließlich nicht nur vielen Frauen wichtig, dass man sich berühren kann. Und dass ich Techno und Electropop liebe. Als ich mit meiner jetzigen Lebenspartnerin erstmal telefonierte, stellte sich raus, dass sie diese Musikrichtung überhaupt nicht kannte, lustig, nicht? Ich habe ihr dann erklärt, dass Kraftwerk die wichtigste Band dieser Gattung überhaupt ist.

Schnell wurde mir klar, dass es völlig sinnlos ist, auf mehreren Portalen gleichzeitig unterwegs zu sein, denn es minimiert die Qualität der Auswahl, weil sie zu oberflächlich bleibt.

Sie hat mir ein Iike geschickt und bei ihrem Profil stand: »Wenn du antwortest, dann bitte nicht ohne einen Satz über dich zu schreiben.« Da dachte ich, oh, das ist aber klug. Auch ihr Bild hat mir sehr gefallen, sie hat mich direkt angeschaut, so als ob sagen wollte: »Du kommst jetzt und nimmst mich mit.« Obwohl ich mich eigentlich mit keiner Frau treffen wollte, die hundert Kilometer von mir entfernt wohnt, machte ich bei ihr eine Ausnahme und schrieb ihr. Sie antwortete sofort. Relativ schnell hat sich unsere Kommunikation vom Chatten aufs Telefon übertragen, drei Wochen lang haben wir täglich telefoniert, daraus hat sich schon eine Art tiefe Beziehung entwickelt. Sie fand meine Stimme gut und hat gesagt, ich solle Radiosprecher werden, und dass die von mir im Anforderungsprofil angegebenen Aktivitäten ihre Vorstellungen noch ein bisschen überschreiten würden.

Mitte Mai trafen wir uns auf der Hälfte der Strecke in einer Eisdiele. Eigentlich wollten wir einen Wanderweg gehen, blieben aber in der Eisdiele und quatschten drei Stunden.

Was ich erst später erfuhr: Meine neue Partnerin war nur 48 Stunden aktiv auf dem Dating-Portal, denn sie hatte schon vor unserem ersten Treffen entschieden: Der ist es.

Wir sind ein Paar. Ich würde sie heiraten, weiß aber nicht, ob wir nicht einen Großteil unseres Einkommens verlören, wenn wir beide auf unsere Witwenrente verzichten müssten. Andererseits

Ich weiß einfach, dass Wolfgang der richtige Mann für mich ist. Ich mochte, was er in sein Anforderungsprofil geschrieben hat und als wir telefonierten, gefiel mir,

Mein Plan war es eigentlich ab 55 mit meinem Mann nur noch in der Welt rumzureisen. Aber ich bin mit 55 Witwe geworden, mein Sohn studierte noch Jura, ich musste ihn unterstützen, meine Tochter bekam ein uneheliches Kind, also habe ich auch sie finanziell unterstützt und weiterhin gearbeitet. Irgendwann habe ich begonnen nachzudenken, ob ich vielleicht auch ein Recht auf ein Eigenleben habe, und beschloss in einer Nacht- und Nebelaktion mich auf einem Dating-Portal anzumelden. Mein Sohn hat das nach der Trennung von seiner Partnerin gemacht, für viele meiner Arbeitskolleginnen sind Dating-Portale etwas völlig normales. Ich habe also in einer Pause meiner Nachtschicht - ich bin Krankenschwester - gegoogelt und bin auf zweisam.de gestoßen, das hat mir gleich gut gefallen, die Handhabung war einfach, der Preis in Ordnung. Für das Ausfüllen des Profils habe ich vielleicht zehn Minuten gebraucht, dann habe ich meinen Mundschutz abgezogen, mit meinem Handy ein Selfie gemacht und hochgeladen, andere Fotos reichte ich am nächsten Tag nach. Ich war mir sicher, ich will mein Leben ändern, aber es ändert sich nichts, wenn ich es nicht ändere. Ich hatte mich für drei Monate angemeldet, mich aber schon nach 48 Stunden wieder abgemeldet. Wegen Wolfgang.

Nächsten April will ich endgültig aufhören zu arbeiten. Und dann endlich reisen. Wolfgang könnte ja schon länger aufhören, aber er ist ein Mann, er würde sicher