»Wir haben alle viel zu lange geglaubt, Natur sei Krieg«

Der deutsche Förster Peter Wohlleben und der italienische Philosoph Emanuele Coccia haben Bücher über Bäume geschrieben und sind sich darin ­einig, dass ­Pflanzen fühlen und reden. Ein Gespräch über die Wurzeln des Lebens.

Der Förster Peter Wohlleben und der Philosoph Emanuele Coccia (rechts) haben zumindest zwei Vorlieben gemeinsam: Vollbart und Pflanzen.

SZ-Magazin: Herr Coccia, Herr Wohlleben, Ihre Bücher über Bäume sind jeweils in mehreren Ländern erschienen. Haben Deutsche eine besondere Obsession, was den Wald betrifft? Oder faszinieren Bäume die Menschen in anderen Ländern genauso?
Emanuele Coccia: In meiner Heimat Italien wäre Peters Buch nie geschrieben worden. In Frankreich, wo ich an der Universität arbeite, ist es sehr erfolgreich, aber ich glaube schon, dass Deutsche eine besondere Beziehung zum Wald haben. Allein schon durch die Romantik.
Peter Wohlleben: Oh, da muss ich widersprechen. Mein Buch ist ja auch nach Island und in die Mongolei verkauft worden, die haben gar keinen Wald und verspüren dennoch diese Faszination. Auf der ganzen Welt stellen sich die Menschen ans Feuer, wenn irgendwo eines brennt, seit 1,5 Millionen Jahren. Das Phänomen Feuer ist ein Indiz dafür, wie eng unser Leben mit Bäumen verwoben ist. Mich wundert überhaupt nicht, dass das Unterbewusstsein Baumsignale und die chemische Kommunikation der Bäume untereinander wahrnimmt. Man spürt, wie es dem Wald geht.

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