»Für einige Monate hatte ich Träume, in denen ich hingerichtet werde«

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der Altenaer Bürgermeister Andreas Hollstein wurden beide Opfer von Messerattacken. Hier sprechen sie über die Attentate, die schwierige Verarbeitung des Geschehens und die Frage nach Vergebung.

Henriette Reker hätte sich gewünscht, was sie nun Andreas Hollstein bieten konnte: ein Gespräch mit jemandem, der einen ähnlichen Angriff erlebt hat.

Foto: Julia Sellmann

SZ-Magazin: Frau Reker, der Mann, der Ihnen hier gegenübersitzt, der Bürgermeister der Stadt Altena in Nordrhein-Westfalen, wurde Ende November 2017 von einem Mann mit einem Messer am Hals verletzt, als er gerade Döner in einem türkischen Imbiss kaufen wollte. Sie haben ihn nach der Tat angerufen. Was haben Sie gesagt?
Henriette Reker: Seit ich selbst so ein Attentat überlebt habe, fühle ich natürlich besonders mit, wenn Kollegen ein ähnliches Schicksal erleiden. Deshalb hatte ich einfach das Bedürfnis, mit Ihnen zu reden, Herr Hollstein. Nicht nur über Sie zu sprechen, sondern mit Ihnen. An dem Abend, an dem Sie angegriffen wurden, war ich bei der Verleihung des Staatspreises des Landes Nordrhein-Westfalen an Navid Kermani. Der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der eine der Reden hielt, sprach auf der Bühne über Sie und Ihre besonders engagierte Flüchtlingspolitik. Sie waren mir und auch allen anderen im Saal also äußerst präsent, als sich die Nachricht über das Attentat auf Sie verbreitete.
Andreas Hollstein: Ich habe viel Anteilnahme erlebt, Herr Laschet hat mich angerufen, Frau Merkel auch. Aber es fühlt sich intensiver an, wenn sich jemand meldet, der eine ähnliche Erfahrung gemacht hat. Für einen Erstkontakt war unser Telefonat ein sehr ungewöhnliches Gespräch, weil ich jemanden erlebt habe, der sich sehr weit geöffnet hat. Jemanden, der über eigene Gefühle gesprochen hat. Das machen Politiker selten. Politiker sind immer stark.

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