Der Angeschrieene

Kein Spitzenpolitiker wird so häufig öffentlich angepöbelt wie der sächsische CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer. Trotzdem redet er weiter mit allen, von besorgten Bürgerinnen bis zu Coronaleugnern und Aluhuträgern. Ist seine Bürgernähe die Zukunft der Demokratie?

Wo die einen Licht sehen, sehen andere Schatten: Michael Kretschmer in seinem Büro in der Staatskanzlei Dresden.

An einem Sonntagvormittag, es hat über Nacht geschneit, und der sächsische Minis­terpräsident Michael Kretschmer räumt die Einfahrt seines Wochenendhauses frei, tauchen auf der Straße plötzlich dreißig Leute auf, um mit ihm über Corona zu reden. Keiner von ihnen trägt eine Maske. Dafür haben sie ein großes Schild dabei, auf dem sie seine sofortige ­Verhaftung fordern. Wie reagiert man da? ­Michael Kretschmer könnte jetzt einfach nach drinnen verschwinden. Niemand würde erwarten, dass er sich mit Leuten auseinandersetzt, die sein Haus belagern.

Es ist Anfang Januar 2021, die zweite ­Welle der Pandemie rollt über Deutschland hinweg, und Sachsen ist das Bundesland, das am härtesten getroffen wird. Die Intensiv­stationen sind voll, es gibt Pflegeheime, in denen innerhalb von Tagen jeder dritte Bewohner gestorben ist. Bestatter gelten inzwischen als systemrelevant. Doch nichts davon scheint in der Wirklichkeit der Leute vorzukommen, mit denen Michael Kretschmer in seiner Einfahrt diskutiert.

Sie glauben nicht, dass das Virus gefährlich ist: »An Corona ist noch kein Einziger gestorben.«

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Oppach gilt als neues Wutbürgernest in Sachsen. Seit Monaten demonstrieren entlang der Bundesstraße 96, die durch den Ort verläuft, Hunderte Menschen gegen die Corona-Maßnahmen. Jeden Sonntag stehen sie eine Stunde lang stumm am Straßenrand, sie nennen es »Stiller Protest«. Sie sind gegen die Maskenpflicht und gegen Bill Gates, aber auch gegen den Ausbau des Handynetzes und gegen Lobbyismus. Leute mit Kindern stehen neben ­Leuten mit schwarz-weiß-roten Reichsflaggen, die sagen, dass die Flagge des Kaiserreichs für sie Frieden bedeute. Der Reporter von Spiegel TV aber fängt sich Prügel ein: »Kamera weg, du ­Vogel! Sonst klatscht es, aber richtig!«

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Michael Kretschmer fragt die Leute, ob sie mit ihm reden wollen, aber sie beschimpfen ihn als »Arschloch«. Als er in der Halle verschwunden ist, spielen sie über Lautsprecher das Lied Unsere Heimat, das jeder Ostdeutsche über vierzig noch aus der Schulzeit kennt. Es ist ein Lied der Pionierorganisation. Ein Chor aus Kinderstimmen, der davon singt, dass zur Heimat nicht nur die Städte und Dörfer gehören, sondern auch all die Bäume im Wald, das Gras auf der Wiese, das Korn auf dem Feld und die Tiere der Erde.

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