Bei seiner Hoheit Rajadhiraj Indrajit Deo in Indien

Ein ausgestopfter Tiger, fantastisches Essen – und Fußballgespräche.


Er braucht nur neun Ziegelsteine und ein Dutzend getrocknete Äste und hat schon eine Feuerstelle, auf die dann exakt ein Topf passt. Rauch steigt auf und zieht zum Pool hinüber, den ein wilder Garten und Palmen umgeben. Sonnenliegen stehen im Wasser, daneben zwei ausladende Freiluftbetten mit vielen Kissen.

Mota, der Koch, bringt die Zutaten für das »Laal Maas«, rotes Fleischcurry. Er gibt Öl, Zwiebeln, Chilipulver, Koriander, Knoblauchpaste, Salz, Ingwer, Kardamom, Lorbeerblätter, Gewürznelken und Hammelfleisch in den Topf. Es zischt, dampft, duftet.

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Mota ist 75 Jahre alt und arbeitet wie schon sein Vater und nun auch sein Sohn fast sein ganzes Leben lang für die Familie des Maharaj Sujan Singhji, der um 1630 über die kleine Region Shahpura herrschte. Die Gegend gehört zum nordindischen Bundesstaat Rajasthan, der Landsitz der adeligen Familie, der Shahpura Bagh heißt, entstand 1880. Die Nachfahren des Maharaj, die heute hier leben, haben Teile ihrer Privatgemächer zu einem Luxushotel umgebaut.

Zehn Zimmer, feudal, aber nicht überladen: Marmor, handgeknüpfte Teppiche, schlichte, edle Möbel. Die Räume sind bis zu acht Meter hoch, im Badezimmer gibt es eine frei stehende Wanne und einen Kamin, es duftet nach Rosen. Der Luxus kostet 230 Euro pro Nacht mit Frühstück für zwei Personen.

Etwa fünf Stunden dauert die Anreise mit dem Auto von den nächstgelegenen Flughäfen Jaipur oder Udaipur, aber die lange Fahrt lohnt sich. Auf dem Landsitz des Raja, »Seiner Hoheit Rajadhiraj Indrajit Deo«, der eine Stufe unter dem Maharadscha stand, zirpen die Grillen, heulen nachts Schakale, schreien Pfauen, quaken Frösche – der Monsunregen hat die umliegenden Seen gerade erst mit reichlich Wasser gefüllt.

Gemeinsam mit ihren Frauen führen die Neffen des Raja das Hotel. Eigentlich haben die Brüder Shatrujeet und Jai Singh, 48 und 45, Werbefotograf und Immobilienmakler gelernt, »aber wir wollen das Erbe der Familie bewahren und teilen unser Anwesen mit Gästen. So können wir Geld verdienen«, erklärt Jai an der Poolbar, bevor er zum Essen bittet und durch den Salon führt, vorbei an ausgestopften Trophäen: ein Leopard und ein Tiger mit gebleckten Zähnen. Der große ovale Tisch ist für sieben Personen gedeckt, auf Wunsch stellt die Familie ihr Esszimmer auch für ein romantisches Dinner zu zweit zur Verfügung. Europäischen Gästen zuliebe lassen die Singhs regionale Spezialitäten auftragen, die weniger scharf gewürzt sind, als es in Rajasthan üblich ist: eine kalte Gemüsesuppe, das am Nachmittag zubereitete Fleischcurry, Spinat, Reis, Kartoffeln in Kokosnusssauce, süßsaures Tomatenchutney, dazu Brotfladen und indischen Wein.

Nach dem Essen gesellt sich Seine Hoheit Rajadhiraj Indrajit Deo, 76, zu den Gästen. Offiziell werden solche Titel in Indien zwar nicht mehr benutzt, seit die Briten das Land vor 64 Jahren verlassen haben, aber auf Behördenschreiben taucht die Anrede manchmal noch auf. Hoheit hat einen weißen Bart, trägt Hemd mit Stehkragen und Stoffhose; er setzt sich und fragt: »Ist Lionel Messi nicht ein ganz großer Zauberer?« Lächeln. Damit hat man irgendwie nicht gerechnet. Hier, in Shahpura, wo wie in den meisten ländlichen Gebieten Indiens kaum etwas vom Wirtschaftswachstum angekommen ist. Im Dorf laufen Kühe, Schafe und Wildschweine frei herum, und so riecht es auch. Die Frauen tragen Wasserkrüge und Strohballen, arbeiten mit Spitzhacken auf den Feldern. Luxus und Armut liegen also wie so oft im Land nur wenige Meter voneinander entfernt – aber der Raja und seine Neffen bemühen sich, die Lebensverhältnisse in der Gemeinde zu verbessern: Zwei Prozent der Hotelumsätze gehen in Hilfsprojekte für die Region. Außerdem sind 31 Leute auf dem Landsitz beschäftigt.

Einer von ihnen, Mota, der Koch, weigert sich bis heute, mit Gas oder Strom zu arbeiten. Sein Hammel, sein Huhn, seine Ente garen über dem Feuer. Der Raja hat Mota über die Jahre an all die Orte geschickt, an denen er selbst etwas Köstliches gegessen hatte: nach Mumbai, Delhi, Jodhpur und bis in die entlegensten Dörfer an den Ausläufern des Himalaja. Mota brachte die Rezepte mit zurück und kocht sie nun für die Gäste aus aller Welt in Shahpura Bagh, irgendwo zwischen Jaipur und Udaipur.

Kontakt: in Shahpura Bagh: Maya Singh, Tel. 0091/ 9828/12 20 13, oder Shatrujeet Singh 0091/98281/220 12, www.shahpurabagh.com. Buchbar über Lotus Travel, Tel. 089/20 20 89 90, www.lotus-travel.com, Preis: 230 Euro pro Nacht für zwei Personen im DZ mit Frühstück.

Fotos: Tobias Matern, mahoutuk.com; Illustration: Serge Bloch