Nervenzermalmender Ereignismangel

Über das Verdunsten jeglicher Energie, den zähen Fluss der Zeit und die spezielle Art von Erschöpfung, die wir Corona verdanken.

Illustrationen: Dirk Schmidt

Wie wir alle wissen, wird mit dem Begriff Zeit eine Abfolge von Ereignissen beschrieben. Unser Leben bewegt sich unausweichlich in Richtung auf das Nochnichtgeschehene, um es zunächst in Geschehendes zu verwandeln, sofort darauf aber in bereits Geschehenes.

Man kann sich das vielleicht wie eine Art Mähdrescher vorstellen, der auf ein Feld sattgelber Weizenhalme zufährt, um diese abzumähen und sodann das Korn vom Halm zu trennen. Das Feld ist in diesem Bild die Zukunft, der Mähdrescher die Gegenwart, Korn und

Und so weiter.

Die große Gegenwarts-Maschine verarbeitet mithin in unablässig mahlendem Rhythmus Zukunft zu Vergangenheit.

Allerdings setzt dieser Zeit-Begriff (wie er im ersten Satz des Textes formuliert wurde) die Existenz von künftigen Ereignissen voraus. Wenn nichts geschehen wird, dann stehen auch die

So ungefähr sieht unser Leben in vielen Fällen jetzt aus. Es fehlt an Vorkommnissen, Begebenheiten, Erlebnissen, Intermezzi. Die Theater sind geschlossen, die Kinos haben zu, Konzerte gibt

Natürlich haben wir zu tun, viele von uns jedenfalls. (Manche haben nicht einmal mehr das, denn was macht ein Kneipier ohne Gäste, ein Kabarettist ohne Publikum, ein

Die Zeit braucht Struktur. Sie muss sich auf etwas hinbewegen, auf Sonn- und Feiertage, Feste, Termine, Erlebnisse. Sie läuft sonst leer vor sich hin. Aber sie läuft

Nein, es ist nicht, was Sie Düsteres denken.

Ich meine den Impftermin.

Aber der Leerlauf macht müde. Obwohl nichts geschieht, erschöpft er den Menschen. Deshalb kann ein

Alles im Einzelnen ein bisschen unangemessen dem konkreten Anlass gegenüber. Jedoch erklärlich angesichts der im

Wir sollen durchhalten, sagt man uns.

Ist schon gut, wir halten durch, IST JA SCHON