Das Beste aus aller Welt

Axel Hacke entdeckt eine Internetseite, die die ältesten Dinge der Welt verzeichnet - und bemerkt dabei erstaunliche Parallelen zwischen Frank-Walter Steinmeier und seinem Sofa im Keller.

Vergangene Woche schickte mir Bruno den Link zu einer Internetseite, auf der einige der ältesten Dinge der Welt verzeichnet sind, die älteste
Mikrowelle zum Beispiel, eine braune Panasonic NE-691. Sie gehört dem 78 Jahre alten Briten Frederick Stephens, der sie vor vierzig Jahren gekauft und seitdem täglich benutzt hat. Der Mann hat vierzig Jahre lang täglich aus der Mikrowelle gegessen! Man kann also auch mit schlechter Ernährung sehr alt werden. (Obwohl wir natürlich nicht wissen, wie alt Frederick Stephens heute wäre, wenn er zweimal pro Tag frisch zubereitetes Gemüse zu sich genommen hätte).

Auf der Internetseite steht auch der älteste Witz der Welt. Die Sumerer haben ihn sich ungefähr 1900 vor Christus erzählt, aber ich werde ihn hier nicht weitergeben, er ist einfach zu schlecht. Nur dies: Es geht darin ums Furzen. Die Sumerer mögen eine hochentwickelte Kultur gehabt haben, sie mögen in der Mathematik sehr weit gewesen sein und auch in der Astronomie, sie mögen den Gewölbebau erfunden haben, aber als Witz-Erzähler können wir sie vergessen. Ich weine den Sumerern keine Lachträne nach. Kaum hatte Bruno den Link geschickt, rief er an und schrie aufgeregt ins Telefon, man müsse auf dieser Seite unbedingt auch die ältesten Wahlprogramme der Welt auflisten und dabei Frank-Walter Steinmeier erwähnen, der von vier Millionen neuen Arbeitsplätzen nach der Wahl geredet habe; das sei sicher eines der ältesten Wahlversprechen der Welt. Ich konterte mit CDU und CSU, die bald die Steuern senken wollen, ein Wahlprogramm, über das vermutlich schon die Sumerer gelacht hätten, wenn sie nicht mit ihren blöden Furzwitzen beschäftigt gewesen wären. Und wenn sie freie Wahlen gekannt hätten, natürlich.

Übrigens finden sich einige der ältesten Dinge der Welt auch in meinem Keller. Zum Beispiel steht dort ein Sofa, das wir vor zwanzig Jahren kauften, das dann aber, als wir vor sechzehn Jahren umzogen, nicht in unsere neue, jetzige Wohnung passte. Weil es aber ein sehr schönes Sofa ist, baute ich es auseinander und stellte es in den Keller, für den Fall, dass wir noch einmal umzögen und dann Platz für dieses Sofa hätten.

Es handelt sich wahrscheinlich um das älteste auseinandergebaute Sofa der Welt in einem Münchner Keller, und es wird diesen Rang wohl auch
behaupten können, denn ich weiß erstens nicht mehr, wie man es zusammenbaut, und zweitens möchten wir im Leben nicht mehr umziehen. Die-ses Sofa ist eines der sinnlosesten Sofas überhaupt. Denn weil es auseinandergebaut ist, kann man nicht einmal im Keller darauf sitzen.

Und obwohl es auseinandergebaut ist, verstopft es den halben Kellerraum, sodass es sehr mühsam für uns ist, einige andere älteste Dinge der Welt (ein Nähmaschinentisch aus der Vorkriegszeit, eine Mikrowelle, die seit fünfzehn Jahren nicht genutzt wird, ein Paar Skier aus den Zeiten Franz Pfnürs) angemessen aufzubewahren.

Als ich vor Wochen hier meine Probleme erwähnte, im Keller auch noch Getränkekisten unterzubringen, schickte mir eine PR-Agentur einen Trinkwassersprudler zu, mit dem man Leitungswasser mit Kohlensäure versetzen und sich die Aufbewahrung von Mineralwasser sparen kann.
Da fiel mir ein, dass ich vor elf Jahren an dieser Stelle erzählte, Bruno habe sich ein solches Gerät gekauft und mir davon am Telefon berichtet.

Ich schrieb: »Bruno hat mich am Telefon zuhören lassen: Das Ding macht, wenn es arbeitet, ein Geräusch, als ob jemand von schwerem Mexikodurchfall befallen sei, ein obszön quellender Riesenfurz – und fertig. Das Wasser schmecke gut, sagt Bruno.«
Was soll man sagen? Erstens: Den Sumerern hätte der Apparat sicher gefallen. Zweitens: Ich hatte mir damals, Bruno folgend, schon selbst ein solches Gerät gekauft, das ich aber nicht mehr benutze, seit die Universität Freiburg eine Untersuchung veröffentlichte, solche Geräte seien nicht selten stark mit Keimen belastet. Ich hatte es dann in den Keller gestellt.

Illustration: Dirk Schmidt

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