Das Beste aus aller Welt

Selbst der Finne säuft mehr Kaffee als wir – wo sind wir Deutschen als Konsumenten von irgendetwas überhaupt noch Weltspitze?

Zunächst ist man überrascht, hört man, dass China eine »strategische nationale Schweinefleischreserve« besitzt, dies in Form von teils lebenden, teils bereits tiefgefrorenen Schweinen. Man hat ja öfter hier und da von strategischen nationalen Ölreserven gehört, aber dass man sich auch Schweine auf die hohe Kante legt, in China … Es stand aber in der New York Times.

Man muss wissen, dass die Chinesen unglaublich viel Schweinefleisch essen. Noch 1990 vertilgte der Durchschnittschinese im Jahr 20 Kilogramm, 2007 waren es bereits 40, wahrscheinlich hat er sich inzwischen an die 50-Kilogramm-Grenze herangegessen und arbeitet sich zielbewusst in die Weltspitze der Schweinefleisch-Esser vor, die 2007 noch von den Österreichern mit 66 Kilogramm pro Kopf angeführt wurde, ein Spitzenplatz, der nach hartem Kampf gegen Serbien (65 Kilo) errungen wurde.

Wir Deutschen erinnern uns nicht ohne Wehmut an dieses Jahr 2007, in dem wir in Wirtshäusern und Wurstbuden hart kämpften und in der Schweinefleischweltmeisterschaft trotz furiosen Endspurts im November und Dezember mit 56 Kilo doch nur Vierte wurden, gedemütigt von den Spaniern (62). Vielleicht muss bei dieser Gelegenheit auch einmal die Frage aufgeworfen werden, wo wir Deutschen als Konsumenten von irgendetwas überhaupt noch Weltspitze sind?

Bier?
Da liegen wir weit abgeschlagen mit knapp 110 Litern pro Nase hinter Tschechien (160 Liter) auf dem zweiten Platz.

Kaffee?
Nur ein achter Platz mit 731 Tassen, knapp die Hälfte von dem, was ein Finne pro Jahr trinkt, nämlich 1459 Tassen! Man wusste gar nicht, dass der Finne derartig koffeingepeitscht durchs Leben geht. Und die Frage ist ja, auf welchem Temperamentsniveau er sich befände, hätte er den Kaffee nicht.

Aber zurück zum Schweinefleisch. Und zu China. Dort leben, wie man hört, mittlerweile 600 Millionen Schweine, man stelle sich das vor! Die EU hat ungefähr 500 Millionen Einwohner. Also, wenn jetzt das gesamte Europa ausschließlich von Schweinen bewohnt wäre, das gibt einem eine ungefähre Vorstellung von der Schweinezahl in China. Die strategische nationale Schweinefleischreserve beläuft sich aber auf nur 200 000 Tonnen, davon könnten vier Millionen Chinesen ein Jahr lang leben, im Grunde ein Witz. Vier Millionen Chinesen – so groß ist der erweiterte Vorstand der Kommunistischen Partei, Sektion Peking-Ost, der frisst allein schon die ganze Reserve zusammen, wenn es darauf ankommt. Also, man kann das vergessen. Mit ihren Schweinefleischvorräten werden die Chinesen nicht weit kommen, sage ich, daran müssen sie arbeiten.

Andere Frage: Welche Reserven besitzen wir eigentlich? Seit Jahren durchschreiten wir Krisentäler, aber haben wir für den großen Ernstfall etwas Schweinefleisch in petto, ein wenig Kaffee, Bier für alle, im Fall, dass sämtliche Brauereien ausfielen? Jeder sorgt für sich allein, so sieht es aus, selbst den Butterberg gibt es anscheinend nicht mehr, unsere Vereinzelung ist total. Mir fällt ein Brief von Leser M. ein, der mir im Januar vergangenen Jahres eine Überschrift aus der Süddeutschen Zeitung zuschickte, die angesichts eines bevorstehenden Schneesturms geschrieben hatte: »Bundesamt empfiehlt Hamsterkäufe.«

Wir wissen noch, wie knapp damals plötzlich die Hamster wurden, mancher musste auf Meerschweine ausweichen, wo war die strategische nationale Hamsterreserve? Noch heute sitzt hier der Reservehamster, den ich mir damals auf Bundesamtsempfehlung hin zulegte, er macht einen unzufriedenen Eindruck, wirklich benötigt habe ich ihn nie, der Schneesturm war dann gar nicht so schlimm, und wozu braucht man während eines Blizzards überhaupt Hamster?

Ich weiß es bis heute nicht, mein Hamster sortiert jetzt die Leserpost, er putzt das Bad mit der Zahnbürste, dann joggt er wieder in seinem Rad, ein vom Leben enttäuschter Hamster mehr in der Welt, aber danach fragt das Bundesamt jetzt nicht mehr, danach fragt es nicht.

Illustration: Dirk Schmidt

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