Das Beste aus aller Welt

Der Erfolg einer chinesischen Wunderschwimmerin bringt unseren Kolumnisten zum Nachdenken: Gibt es bald Menschen, die beim Schwimmen die Zeitschranke überwinden? Wäre auch bitter nötig, um nicht von bösen Mülldrohnen gefressen zu werden.

Über Müll in den Weltmeeren gibt es beeindruckende Nachrichten. Erst vor zwei Monaten wurde bei Portland/Oregon in den USA ein 165 Tonnen schweres Dock angeschwemmt, das vom Tsunami in einem japanischen Hafen losgerissen worden war. Und der sogenannte Nordpazifikwirbel zwischen Asien und Nordamerika heißt in Fachkreisen Great Pacific Garbage Patch, Großes Pazifisches Müllgebiet, weil dort der Dreck ganzer Kontinente herumtreibt, von der Getränkekiste bis zur Plastikente und von der Zahnbürste bis zum Feuerzeug. Alles wird von Wasser und Sonne auf Planktongröße zerrieben und zersetzt. Dann fressen es die Fische. Geht der Anstieg der Meeresspiegel am Ende gar nicht auf die Meere selbst zurück, sondern auf die anschwellende Müllmenge in ihnen?

Nun hat der französische Industriedesigner Elie Ahovi einen Roboter konstruiert, der wie ein flachliegender Eimer aussieht, eine Müll fressende Drohne, die vollautomatisch durchs Meer schwimmt und Müll einsammelt. Ihr offenes Maul schluckt Dreck, bis der Apparat voll ist. Dann surrt die Drohne zum Muttermüllschiff, um sich zu entleeren.

Klingt großartig, einerseits. Andererseits sind auch diese Alpträume da: Wenn wir im Sommer ins Mittelmüllmeer steigen, um zwischen Abfalltüten, Einmalrasierern, Volvic-Flaschen und Motorbooten, zwischen Eisbechern und Kite-Surfern sowie in etwas Restwasser ein Bad zu nehmen – müssen wir damit rechnen, dass uns plötzlich eine Mülldrohne ortet und in ihr breites Maul saugt? Dass wir im Bauch eines Abfalltrawlers landen, auf einem Haufen mit rothäutigen Engländern aus Mallorca, heroingefüllten Präservativen von einem gesunkenen Schmugglerschiff sowie den Müllsäcken griechischer Steuerhinterzieheryachten?
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Beim Gedanken an solche Wassermaschinen fällt einem die chinesische Wunderschwimmerin Ye Shiwen ein, die nach ihrem ersten Olympiasieg sagte, sie sei kein Roboter.

Nehmen wir an, das sei richtig. Nehmen wir auch an, Ye Shiwen habe keine verbotenen Mittel genommen – wo wird das einst enden? Wie schnell kann man schwimmen?

Wird es einmal ideale Schwimm-Menschen geben, die sich im Wasser besser bewegen als zu Land, Menschen mit riesigen Füßen und quadratmetergroßen Patschhänden, mit langen Oberkörpern und solchen Armen, dass die Hände beim Gehen auf dem Boden schleifen? Werden diese Leute von Schwimmer fressenden Drohnen trainiert, denen sie in jedem Training enteilen müssen, bei Gefahr, von den Maschinen verzehrt zu werden?

Und schwimmen diese Menschen dann so schnell, dass man nur durch Zeitlupe überhaupt wird beweisen können, dass sie am Rennen teilgenommen haben, weil ihre Geschwindigkeit derartig hoch ist, dass ein unbewaffnetes Auge ihnen nicht mehr folgen kann?

Werden sie so schnell das Element durchkraulen, dass sie die Zeitschranke überwinden? Könnte ein solcher Mensch also bei den Olympischen Spielen 2012 in London ins Wasser springen und 2008 in Peking wieder heraussteigen? Wäre dereinst dies möglich: Wir schauen einem Schwimm-Rennen zu und werden in dessen Verlauf jünger, weil der Schwimmer (oder die Schwimmerin) eine negative Zeit erreicht, das heißt, er schwimmt in einem solchen Tempo, dass sich während des Wettbewerbs die Uhren rückwärts drehen? Wird der Besuch eines solchen Ereignisses dem Sprung in einen Jungbrunnen gleichen?

Das würde bedeuten, dass die Athleten, die selbst in jedem Training jünger werden und nur außerhalb des Wassers altern, auf Jahrhunderte ihren Sport dominieren könnten.
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Übrigens hat, wie man liest und als Meeresbesucher auch jederzeit in diesem Sommer selbst erleben kann, die Zahl der Quallen in den Ozeanen eminent zugenommen – warum? Weil die Zahl derer abnimmt, die Quallen fressen (Schildkröten also und Thunfische). Sodass wir nun vielleicht auch Quallen fressende Drohnen entwickeln sollten.

Oder wie wäre es mit einem olympischen Wettbewerb, in dem es darum geht, möglichst schnell ein Becken voller Müll, Quallen und gefährlicher Drohnen zu durchqueren?

Illustration: Dirk Schmidt