»Wir leben in einer kulinarischen Klassengesellschaft«

Der Koch und Autor David Höner kritisiert, dass sich nur Privilegierte eine gute Ernährung leisten können, während sich die Mehrheit zunehmend von ihrem Essen entfremdet. Im Interview erklärt er, wie wir uns gegen die Tricks der Lebensmittelindustrie wehren können – und dabei viel Lebensfreude gewinnen.

Die einen kaufen Bio-Gemüse auf dem Bauernmarkt, die anderen ernähren sich von Fertiggerichten und Industriebrot. Für den Koch David Höner besteht eine Folge dieser »kulinarischen Klassengesellschaft« darin, dass uns zunehmend das Lebensglück abhanden kommt, das gute Ernährung auszulösen vermag.

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SZ-Magazin: Ihr Buch Köche, hört die Signale – Ein kulinarisches Manifest ist eine Anklage gegen die Art, wie wir uns ernähren und von der Lebensmittelindustrie ernährt werden. Haben Sie ein Beispiel, das sinnbildlich für alles steht, was in Ihren Augen gerade falsch läuft? 
David Höner: Kann ich auch drei Beispiele nennen?

Bitte! 
Dann fange ich an mit der tragischen Entwicklung unseres Brotes. Da gibt es inzwischen eine Zweiklassengesellschaft. Der Hedonist geht in die Holzofenbäckerei und kauft dort ein wunderbares Bio-Brot, aber wer dafür nicht genug verdient, holt sich beim Discounter vorgeschnittenes Brot, das mit Konservierungsmitteln gesättigt ist und mit gentechnisch verändertem Weizen aus Kanada gebacken wurde. Zum Zusammenhang zwischen diesem Industrieweizen und dem rapiden Anwachsen von Gluten-Allergien gibt es mittlerweile viele Untersuchungen.