Die Schüssel zum Glück

Sonntag, 20.15 Uhr ist Tatort-Zeit in Deutschland. Aber viele interessiert das kein bisschen, sie schauen türkisches, arabisches oder indisches Fernsehen. Und was kommt da? Wir haben in einem Berliner Wohnhaus nachgefragt.



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    »Meine Frau guckt sonntags Muhteşem Yüzyıl eine Serie über das Leben von Sultan Süleyman, die nimmt sie sich während der Woche auf. Kennen Sie Xenia? So ähnlich kann man sich die Serie vorstellen. Es geht um das osmanische Reich und sehr viel um Liebe. Deshalb gab es auch Proteste in der Türkei: Sultan Süleyman war der größte Herrscher des osmanischen Reichs, in der Türkei ist er ein Nationalheld. In der Serie geht es aber mehr um sein Liebesleben als um seine Eroberungen, und das hat konservativen Leuten nicht gefallen. Die haben vor dem Sender demonstriert. Ich finde das lächerlich, wenn einem die Serie nicht gefällt, soll man sie eben nicht gucken. Ich schaue mir zum Beispiel lieber Bud-Spencer-Filme an.«
    Mahmut, 41, stammt aus der Türkei.

    2 »Meine Eltern lieben Fatma, genauer gesagt: Was ist Fatmagüls Schuld? Das ist eigentlich eine türkische Serie, die aber ins Arabische übersetzt worden ist, weil sie in der Türkei so erfolgreich war. Die Handlung ist ziemlich dramatisch: Ein Mädchen vom Dorf wird von vier jungen Männern, die gerade eine Verlobung feiern, vergewaltigt. Das Mädchen Fatma kann sich später nicht mehr genau erinnern, was passiert ist, und die Menschen in ihrem Dorf versuchen, die Vergewaltigung zu vertuschen. Später verliebt sie sich auch noch in einen der vier Männer.«
    Ahlam, 31; ihre Eltern sind Palästinenser aus dem Libanon.

    3 »Gerade läuft wieder eine Staffel Survivor, das ist eine Show wie das  Dschungelcamp. Aber beim türkischen Survivor gibt es zwei Camps, in einem leben acht Prominente, in dem anderen acht normale Menschen. Die beiden Gruppen treten in Wettkämpfen gegeneinander an. Hat man einmal eingeschaltet, wird man süchtig nach der Sendung. Mein Favorit ist der Schauspieler Nihat Altınkaya, der sieht super aus.«
    Sema Mamak, 32; ihre Eltern stammen aus der Türkei.

    Meistgelesen diese Woche:

    4 »Sonntagabends läuft bei uns The Next Prabhu Deva, das ist eine Tanzshow, ein Wettbewerb, so ähnlich wie Deutschland sucht den Superstar. Prabhu Deva ist ein berühmter Tänzer in Indien, er hat  in vielen Bollywood-Filmen mitgespielt und wird oft mit Michael Jackson verglichen. In seiner Sendung rufen die Zuschauer für ihren Lieblingstänzer an. Tanzen ist in Sri Lanka und Indien sehr beliebt. Ich schaue die Sendung aber nicht so gern, nur meine Schwester will das unbedingt sehen.«
    Babinath Kathirgamanthan, 18; seine Eltern stammen aus Sri Lanka.

    5 »Um 19.30 Uhr kommt Wiadomości, das ist die beliebteste Nachrichtensendung im polnischen Fernsehen, das schalte ich immer ein. Anschließend laufen sonntags oft Filme, aber polnische Filme sind Schrott. Entweder reden die nur, oder es sind langweilige Märchenfilme. Ich mag Horrorfilme, am liebsten welche mit Tieren, Der weiße Hai zum Beispiel. Oder Liebesserien wie Anna und die Liebe, aber die kommt leider nicht mehr auf SAT.1.«
    Beata, 44, stammt aus Polen.

    6 »Meine Lieblingsserie heißt Uçurum, das bedeutet Abgrund. Es ist eine Actionserie, in der Türkei sagen wir dazu Mafiaserie, weil es eben um Verbrechen geht. Zwei Frauen werden entführt und gezwungen, auf den Strich zu gehen. Sie kämpfen um ihr Leben, darum geht es. Ich bekomme immer Herzrasen, weil die Serie so spannend ist.«
    Sibel Kizilay, 35, stammt aus der Türkei.

    7 »Sonntagabend schaue ich Fußball! Ich bin Galatasaray- Istanbul-Fan, 1987 war ich das letzte Mal im Stadion. Danach bin erst in den Libanon, dann nach Deutschland gezogen. Auf meinem Balkon stehen zwei Satellitenschüsseln, die eine für türkisches, die andere für arabisches Programm. Meine vier Kinder gucken nur deutsches Fernsehen, Super RTL, Kinderkanal, das finde ich gut.«
    Seyhmus Filiz, 48, stammt aus der Türkei.

    8 »Ich schaue nur Al Dschasira, den Nachrichtenkanal. Obwohl die sehr oft lügen, gerade wenn es um Syrien geht! Der Sender wird von Katar finanziert, und die Scheichs dort wollen den syrischen Präsidenten Assad loswerden. Ich finde aber, dass Assad ein guter Mensch ist. Meine Tochter findet das nicht, sie sagt, Assad muss gehen, wie vorher schon Mubarak und Gaddafi. Sie schaut auch immer die Tagesschau, in der sie Assad kritisieren. Na ja, jeder hat seine Meinung, aber meine ist richtig, weil ich älter bin.«
    Zovina Awadis, 62, stammt aus Syrien.

    Protokolle: Christoph Cadenbach Fotos: Noshe

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