Mal ganz offen

Das SZ-Magazin hat drei ehemalige Chirurgen an einen Tisch gebeten. Im Interview erzählen sie vom Wandel der Medizin, überflüssigen Operationen und ihren Umgang mit prominenten Patienten wie Erich Honecker.

Chirurgen mögen kein Fett. »Wenn ein Patient fettleibig ist, dann haben Sie erstmal Probleme, die Anatomie noch zu erkennen«, sagt Matthias Rothmund, der ehemalige Leiter der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Uniklinik Marburg. Sein Kollege Helmut Wolff, der einst die Chirurgie an der Berliner Charité leitete, erinnert sich an die Operation eines adipösen Hotelkochs, »da mussten wir zwei OP-Tische nebeneinander stellen«.

Das SZ-Magazin hat mit drei ehemaligen Ärzten gesprochen, die ihr Leben lang am OP-Tisch standen. Sie erzählen von komplizierten Eingriffen, Patienten, die nur bei bestimmten Mondphasen operiert werden wollten, und den Fortschritten in der Medizin. Hartwig Bauer, der zuletzt Chefarzt der Chirurgie der Kreisklinik in Altötting war, begann vor 50 Jahren an einem kleinen Krankenhaus, »es gab dort keinen Ultraschall, keine Endoskopie, keine Anästhesisten, keine Intensivstation, und es sind viele Patienten gestorben, die nach heutigen Maßstäben nicht hätten sterben dürfen.«

Kritisch sehen sie die zunehmenden ökonomischen Zwänge, die dazu geführt hätten, das viele Kliniken Eingriffe ausführten, obwohl sie nicht die notwendige Erfahrung dafür hätten. Die Pauschale für eine Lebertransplantationen, die Kliniken von den Krankenkassen erhalten, betrage gut 100 000 Euro. Deshalb wollten viele Verwaltungschefs an den Kliniken, »dass sie auch bei ihnen gemacht wird«, erklärt Matthias Rothmund. Außerdem seien viele Operationen überflüssig, weil die Beschwerden nicht beseitigt werden könnten. Als Beispiel nennt Hartwig Bauer Kniespiegelungen bei Arthrose sowie Operationen an der Wirbelsäule oder bei einem Leistenbruch. Unbedenkliche, einfache Operationen gebe es ohnehin nicht, trotz aller medizinischen Fortschritte verletze jeder chirurgische Eingriff die Integrität des Körpers, »da kann ich nicht sagen, das ist einfach«, so Bauer.

Warum es dennoch passieren kann, dass Chirurgen am OP-Tisch Zeit und Raum vergessen und in eine Art Flow geraten, wie sie damit fertig werden, wenn sie das Leben eines Patienten ruinieren, und wie es sich anfühlt, wenn sie eine Tochter aus dem saudi-arabischen Königshaus oder DDR-Staatsoberhaupt Erich Honecker operieren – all das lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des SZ-Magazins.

Lesen Sie das komplette Interview jetzt mit SZ Plus:

Foto: Plain Picture/ Monika Kluza

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