Die Sieger-Dusche

Man kann Champagner auch verspritzen, statt ihn zu trinken. Aber am Ende steht man vielleicht begossen da. Über ein zweischneidiges Ritual.

Geschüttelt, nicht gerührt: Die Champagnerflasche gehört zur Siegesfeier wie Pokal und Freudenschrei.

Foto: Maurizio Di Iorio

Vermutlich haben Sie noch nie von Dan Gurney gehört. Der US-Rennfahrer war der Erste, der den Champagner, den er als Sieger bekam, verspritzte, statt ihn zu trinken. Das war in den Sechzigerjahren, seither gilt Gurney als Erfinder der Champagnerdusche. Allerdings beansprucht diesen Titel auch der britische Rennfahrer Jackie Stewart: Bei einem Rennen 1969, so wird Stewart in einem Formel-1-Portal zitiert, habe die Doppelmagnumflasche so lange in der Sonne gestanden, dass der Korken bei der Siegerehrung in die Luft sauste. »Der

So oder so, die Champagnerdusche ist zum Ritual des Siegens geworden, Reiterinnen versprühen ebenso Champagner wie Tennisstars oder Biathleten. Ich bin unsicher, was ich von der Sache halten soll: Zum einen habe ich sofort meine Oma vor Augen und ihre Angst vor Verschwendung jeder Art. Meine Oma besaß wenig und hob vieles auf, ihr Geld sparte sie für uns Enkelkinder. Ich erinnere mich noch gut daran, wie absurd sie das Lied Für mich soll’s rote Rosen regnen fand. Champagner war für meine Oma schon für sich genommen der Inbegriff von etwas, was sie sich nie gegönnt hätte, und dann genießt man ihn nicht einmal, sondern lässt ihn regnen?

Zum anderen fasziniert mich das Gespritze. Die Firmen, die die Flaschen zur Verfügung stellen, gehen auch ein gewisses Risiko damit ein. In einer Welt, in der jeder Quadratzentimeter Produktplatzierung durchgeplant ist und jeder Post auf Instagram von zehn Abteilungen abgesegnet werden muss, vertraut man darauf, dass Menschen nach mehreren Stunden Hochleistungssport eine Champagnerflasche mit einem Plopp öffnen, im richtigen Moment den Finger draufhalten und einen formvollendeten Strahl produzieren.

Wie verspritzt man Champagner überhaupt richtig? Zielt man auf jemanden, rennt

Überhaupt ist die Champagnerdusche gar nicht so sehr eine Sache von