Saubere Sache

Südlich der Alpen riecht sogar das Waschmittel besser: ein bisschen nach Zitrus und Kölnisch Wasser, »Marsiglia« heißt die Note. Und die ist jede Reise wert.

Das Elend unserer Überflussgesellschaft wird einem nirgendwo deutlicher vor Augen geführt als in einem, wie es so heißt: »gut sortierten« Supermarkt. Zwar kann man hier aus sieben Varianten »Nudel-Geschenksträußen« oder fünf Sorten Pizza-Hamburger wählen. Erkauft wird das aber mit orientierungslosem Hetzen durch endlose Gänge und der schlechten Laune in der Kassenschlange, die sich wieder einmal als die langsame herausgestellt hat.

Wie immer ist es südlich der Alpen besser. Denn anders als hierzulande hält sich in Italien die Institution des Dorf- und Stadtkrämers, des Alimentaris. All diese kleinen Läden ähneln sich: Die Schummrigkeit wird erhellt durch das blaue Licht des UV-Mückengrills, der über der Kühltheke glüht, die Gänge sind eng und oft verstopft von Seniorinnen-Trauben, vor allem aber riecht es immer gleich. Nicht etwa nach Peccorino oder Parma-Schinken, nein, nach Waschmittel.

Ein Alimentari zeichnet sich dadurch aus, dass er von jedem Produkt nur eine Sorte hat, an der es aber dann auch nichts zu mäkeln gibt. Beim Waschmittel gibt es zum Beispiel nur die Duftnote »Marsiglia«. Jeder, der schon einmal in Italien (oder auch in Spanien oder Südfrankreich) war, kennt diesen Geruch: jedes Handtuch im Hotel duftet danach, genau so wie die trocknenden Bettlaken, die oben in den Gassen flattern oder die von der Mama gewaschenen Poloshirts der Halbstarken. Der Name »Marsiglia« bezieht sich auf Marseille, das ehemalige Zentrum der Seifenherstellung.

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Den Duft zu beschreiben ist nicht so einfach: ein bisschen nach Zitrus, ein bisschen wie Kölnisch Wasser – kurz: die Idee von Seife und Reinlichkeit. In seiner herben Künstlichkeit kommt uns das heute, da Weichspüler nach Honig und Waschmittel nach Bratapfel riechen, altmodisch vor. Aber vielleicht ist es so, dass die armselige Heimeligkeit unserer modernen Waschmittel ein nötiger Ausgleich für die Kälte unserer riesigen Supermärkte ist. Deswegen entfaltet Marsiglia auch nur seinen Zauber, wenn man es im Alimentari kauft. Bis man da jedoch wieder ist, darf man es auch im Netz bestellen.

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