Das verschwundene Klo

Als ein Augsburger Rentner nach Hause kommt, findet er die Toilette nicht mehr vor. Sein Vermieter versichert ihm, es sei eine vorüber­gehende Ausnahmesituation. So vergehen Jahre. Eine haarsträubende Geschichte über Frechheit, Scham und viel zu viel Geduld.

Unsere Illustratorin Isabel Seliger hat diesen Artikel gelesen und daraufhin ihre eigene Bildsprache gefunden, um die Geschichte zu bebildern.

2014, Oktober – Einfach weg

Dauernd verlieren Menschen etwas. Manche verlieren ihren Schlüssel, manche ihren Regenschirm, andere ihre Katze. Karl Steiner* wird seine Toilette verlieren. Morgens verlässt er das Haus in der Augsburger Altstadt. Gassen, Kopfsteinpflaster, viele kleine Brücken über die Lechkanäle. Die Sonne scheint. Steiner geht gern spazieren, er hat Zeit, er ist Frührentner. Mindestens einmal die Woche besucht er den Botanischen Garten oder den Zoo, für die er sich eine gemeinsame Jahreskarte gekauft hat. Dort schaut er sich am liebsten die Schmetterlinge, die Papageien und die Löwen an. Zwei-, dreimal pro Woche setzt er sich auf eine Bank an der Stadtmauer oder liest in der Stadt­bücherei historische Romane. So vergehen die Stunden. Danach spaziert er durch die Innenstadt, geht noch in den Supermarkt und schließlich nach Hause. Wenn er gut aufgelegt ist, spielt er abends auf seiner Gitarre. Er hat keine Frau, keine aufwendigen Hobbys.

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