Welche Dating-App ist die richtige für mich?

Es muss nicht unbedingt Tinder sein: Unsere Autorin hat die fünf gängigsten Plattformen getestet. Eine Übersicht, die dabei helfen soll, genau das zu finden, was man sucht. 

OkCupid oder Bumble: Online-Dating ist inzwischen so ein ausdifferenzierter Markt, da müsste doch für jede und jeden eine App dabei sein.

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»Kannst du beim Sex Wanderschuhe anziehen? Und dicke Wollsocken?« Nicht gerade ein Satz, den man als Gesprächseröffnung erwartet, aber immerhin ehrlich. Und: Auf Tinder, der Dating-App des Jahrzehnts, tatsächlich so geschrieben worden. Seit 2012 trägt der Algorithmus aus Kalifornien zur Radikalisierung des Kennenlernens bei. Der Ausdruck »nach links oder rechts swipen« hat seinen Platz in der Sprache der 20- bis 40-Jährigen gefunden, gemeint ist damit der süchtig machende Gaming-Aspekt der App: Man unterscheidet binnen Millisekunden in »mag ich« (nach rechts

Sollten Sie sich herunterladen, wenn: Sie wissen, was Sie suchen. Das erspart Ihnen und anderen im besten Fall Enttäuschungen. Soll heißen: Am besten stellen Sie gleich in Ihrem Steckbrief oder zu Beginn eines Gesprächs klar, ob Sie auf der Suche nach Sex oder auch offen für eine Beziehung sind. Wer zu konkret kommunizierten Bedingungen startet, nämlich »nur Sex« oder »feste Beziehung«, muss später weniger herumeiern. Sollte eigentlich für das ganze Leben gelten, aber Tinder wäre schonmal ein guter Anfang.
Preis: Kostenlos, aber es lassen sich verschiedene Zusatzfunktionen dazukaufen. Zum Beispiel sehen zu können, wer einen schon geliked hat, oder unabhängig vom Standort in anderen Städten tindern zu können.
Benutzerfreundlichkeit: Sehr einfach zu bedienen.
Was Sie als Frau erwartet: Viele Fotos von Männern vor Fitnessstudio-Spiegeln, offensichtlichen Leihautos (Ferrari mit goldener Flipflop-Lackierung!) oder beim Surfen.
Was Sie als Mann erwartet: Viele Fotos von Frauen vor dem schlangenförmigen Ikea-Spiegel, am Pool oder beim Hüpfen auf Wiesen.
Was beide erwartet: Zahllose Konversationen, die ins Leere gehen, und Matches, die direkt wieder gelöst werden. Eine gewisse Frusttoleranz ist also von Vorteil. Wer durchhält, begegnet dafür aber auch mindestens einer Person, mit der er oder sie sich endlich mal wieder richtig gut unterhalten kann, denn der Algorithmus ist ziemlich schlau. Und da Sex mit den Worten »Sieh uns einfach als deinen Wingman (oder deine Wingfrau)« in der App-Beschreibung so offensiv mitgedacht wird, ist auch allen Beteiligten klar, dass man hier nicht neues Personal für das Hobby-Volleyballteam sucht. Tinder sieht sich selbst als »heißeste App der Welt« und verspricht, »bei 26 Millionen Matches täglich knistert es bei uns praktisch pausenlos«. Man muss also nicht lange um den heißen Brei reden.
Warum Sie die App durchaus nutzen sollten: Weil die reduzierten Features von Tinder ein idealer Start für Dating-App-Neulinge sind: Leicht verständlich, einfach zu bedienen, zielgenau. Auf Tinder sind die Regeln so klar, dass man sich die ganzen Schwurbeleien, die einem die Unsicherheit sonst ins Ohr flüstert, automatisch spart. Eine Klarheit, die vorher angelernten Dating-Abläufen viel voraushat. Haben Sie sich auch schon mal gefragt, weshalb Sie drei Tage mit dem Sich-Melden warten sollten, wenn Sie jemanden mögen? Eben. 

Sollten Sie sich herunterladen, wenn: Sie bereit sind, für eine langfristige Beziehung Kompromisse einzugehen. Und zwar richtige Kompromisse, nicht einfach nur ein Hobby aufgeben, das Ihnen eh egal war, sondern größere Dinge. Ein Umzug etwa, einen Job, im Bett Chips essen, auf der Couch Fußnägel schneiden. Denn ElitePartner ist oft das letzte Ressort für ungewollte Langzeit-Singles mit all ihren Schrulligkeiten. Und lieb gewonnene Eigenheiten lässt keiner so gerne los. Die Dating-App versucht ihr Bestes, mit einem geheimen Algorithmus Menschen zusammenzubringen, die möglichst viel gemeinsam haben. Wer also nicht nur für die Gegenwart, sondern auch in eine mögliche Zukunft denkt, hat hier gute Chancen, fündig zu werden. Im besten Fall passen sogar die Schrullen zusammen.
Preis: Ab 39,90 Euro monatlich, mit einer Laufzeit von einem Jahr. Benutzerfreundlichkeit: In Ordnung. Hier gibt es bloß einiges auszufüllen, damit die Partnersuche extrem eingegrenzt werden kann.
Was Sie als Frau erwartet: Ein volles E-Mail-Postfach binnen 24 Stunden.
Was Sie als Mann erwartet: Das Schreiben langer E-Mails.
Was beide erwartet: Regelmäßig aufgebrachte Nutzer, die verlangen, dass Sie SOFORT antworten, weil sie ja recht viel Geld bezahlt haben und für ihren Beitrag auch etwas zurückwollen: Die hohen Kosten und die lange Laufzeit führen bei vielen zu der falschen Annahme, dass aber jetzt »auch echt mal was passieren muss«. Umso größer ist dann die Enttäuschung, wenn es nicht läuft wie bei einer guten Fee.
Warum Sie die App durchaus nutzen sollten: Wer so viel Geld ausgibt, dessen Absichten sind wahrscheinlich ziemlich ernst. Und zu wissen, was man will, ist ja für beide Geschlechter attraktiv. 

Sollten Sie sich herunterladen, wenn: Sie von gutem Sex mehr erwarten als nur nackte Haut. Bumble gilt – auch dank einer guten PR-Strategie – unter Usern schon länger als das »Tinder für Intellektuelle«. Hier soll es nicht nur um kurzen Spaß, sondern auch um geistigen Austausch gehen. Anfangs hat sich bei dieser Dating-App tatsächlich ein anderes Klientel angemeldet: Menschen mit fancy Job-Bezeichnungen, die Bilder von außergewöhnlichen Urlaubsorten hochladen und mit ihrer gesellschaftlichen Toleranz angaben. Mittlerweile ist das ein bisschen durchmischter, und oft sieht man deshalb auf Bumble die absolut selben User mit den absolut selben Steckbriefen und den absolut selben Fotos wie bei Tinder.
Preis: Kostenlos, In-App-Käufe für ein besser sichtbares Profil möglich.
Benutzerfreundlichkeit: Ähnlich einfach wie Tinder.
Was Sie als Frau erwartet: Ein neues Kontrollgefühl, denn hier entscheiden immer die Frauen zuerst, ob man miteinander chattet oder nicht.
Was Sie als Mann erwartet: Geduldsübungen.
Was beide erwartet: Das Gefühl, in einem besseren Teich zu fischen als die drüben bei Tinder — mit der ernüchternden Erkenntnis, dass es doch der gleiche Teich ist.
Warum Sie die App durchaus nutzen sollten: Es gibt drei anfängliche Einstellungen für Bumble, die man beim Start festlegen muss: Man kann hier nicht nur Menschen für Sex kennenlernen, sondern auch beruflich und freundschaftlich. Das hilft natürlich besonders, wenn man in eine neue Stadt zieht oder dort vorübergehend zu Besuch ist und niemanden kennt, aber auch nicht auf eine sexuelle Begegnung aus ist.

Sollten Sie sich herunterladen, wenn: für Sie unverbindlicher Sex genauso infrage kommen kann wie eine verbindliche Partnerschaft, denn hier ist man nicht von vornherein noch weniger festgelegt als bei den Werbestrategien der anderen Dating-Apps. Weil das alle Beteiligten wissen, trifft man sich aus OkCupid wesentlich ergebnisoffener.
Preis: Kostenlos, In-App-Käufe für Hervorhebungen möglich.
Benutzerfreundlichkeit: Mittelmäßig, vieles erinnert gestalterisch in dieser App an Indie-Clubs aus den Nullerjahren: die ganze Farbgebung, das eher überholte Design, alles irgendwie oll. Aber auch ein bisschen liebenswert, weil man sofort einen nostalgischen Reflex verspürt. Dementsprechend scheinen sich dort auch mehr Menschen zwischen 30 und 40 Jahren zu registrieren als bei anderen Apps.
Was Sie als Frau erwartet: Unentschlossene Männer, die vielleicht lieber doch nicht daten wollen – die oben genannte Ergebnisoffenheit hat auch ihre Tücken. Viele Userinnen berichten von Rückziehern, sobald es zu einem realen Treffen kommen soll.
Was Sie als Mann erwartet: Unentschlossene Frauen, die vielleicht lieber doch nicht daten wollen. Siehe Ergebnisoffenheit, siehe Tücken, siehe oben.
Was beide erwartet: Im besten Fall diese eine andere Person, die auch völlig genervt ist von der Unverbindlichkeit der anderen User und sich sofort mit Ihnen auf ein Glas Wein trifft, aus dem eine ganze Flasche wird und ein hervorragender Abend.
Warum Sie die App durchaus nutzen sollten: Ein schönes Profil in dieser App erfordert ein bisschen mehr Arbeit als in anderen. Wer ernsthaft investieren will, erkennt die anderen, die auch ernsthaft investieren wollen, relativ leicht. 

Sollten Sie sich herunterladen, wenn: Sie Ihre Dating-Absicht tarnen wollen.
Preis: Kostenlos.
Benutzerfreundlichkeit: Hoch, denn Direktnachrichten sind jetzt auch in der Browserfunktion möglich.
Was Sie als Frau erwartet: Mehrere Nachrichten von Ihnen unbekannten Männern, sobald Sie auch nur einen Quadratmillimeter Haut zeigen.
Was Sie als Mann erwartet: Viele Herzen, sobald Sie ein Tierbaby in der Hand halten.
Was beide erwartet: Schon klar, Instagram war nicht als Dating-App gedacht. Dennoch finden über den digitalen Bilderdienst immer mehr Menschen die Liebe. Durch die Foto-Feeds und die Story-Funktion meint man, einen Fremden schon sehr gut zu kennen, die Chatfunktion bietet genug Nähe und genug Distanz, um sich einander zu öffnen.
Warum Sie die App durchaus nutzen sollten: Wenn Sie hier doch nicht den oder die Partner*in fürs Bett oder das ganze Leben treffen sollten, dann haben Sie immerhin die Möglichkeit, den Gedankenketten interessanter Menschen zu folgen. Nicht alles auf Instagram ist eine Dauerwerbesendung für Beautyprodukte.