Nur geträumt

Die Rückker von Modetrends können Designer selbst beeinflussen - aber was wünschen sie sich sonst noch zurück? Eine Umfrage.

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»Mein Traum wäre es, zur alten, analogen Fotografie zurückzukehren. Da waren wir noch gezwungen, die Dunkelkammer zu benutzen, es war unmöglich etwas zu manipulieren. Man musste den einen Moment wirklich einfangen, selbst wenn es nur um einen kleinen Schatten ging. Das Streben nach Präzision ging Hand in Hand mit der Suche nach mehr Licht, was mich persönlich immer besonders an die eleganten Dreißiger erinnert. Wenn wir dahin zurückkehren könnten - wir würden die Dinge wieder ein Stück träumerischer wahrnehmen.«
Alessandra Facchinetti, Creative Director Tod’s

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»Ich wünschte mir, ein Stück vom Geist der Siebziger würde zurückkehren. Mit den Hippies fing damals alles an, dann kamen Disco und Glam Rock, schließlich Punk und die New Romantics - die Leute waren mutiger, rebellischer in ihrem Stil.«
Clare Waight Keller, Chefdesignerin Chloé
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»Ich bin mir sicher: Der Mensch wird wieder eine strahlende Zukunft haben. Schon Sokrates wusste, dass das Handeln aus der Erkenntnis erwächst. Aus diesem Denken entstand die an unser Unternehmen angeschlossene ›Schule von Solomeo‹, wo junge Menschen in alten Handwerkstraditionen ausgebildet werden, die vom Aussterben bedroht sind: Sie lernen flicken und stricken, schneidern, gärtnern, arbeiten als Steinmetz und Maurer. Denn in der Tradition ihrer Väter liegt der Grundstein ihrer Zukunft.«
Brunello Cucinelli, Modeunternehmer

»Ich finde, Giacometti wird schmerzlich vermisst.«

»Sich zum Ausgehen richtig in Schale zu werfen ist in letzter Zeit viel zu kurz gekommen, finde ich. Dabei wird die Nacht doch gleich viel lustiger, wenn man sich vorher mit Freunden trifft und sich gemeinsam zurechtmacht. Und noch ein Comeback, für das ich allmählich bereit bin: Dreadlocks! Die könnten von mir aus bald wieder in Mode kommen.«
Peter Dundas, Chefdesigner Emilio Pucci
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»Wir sind in den Vororten von Los Angeles aufgewachsen, da war es das Größte, zum Plattenladen um die Ecke zu gehen und endlich das neue Album der Lieblingsband in den Händen zu halten. Wir haben sogar einmal vor Tower Records übernachtet, um ein Autogramm von Depeche Mode auf der Platte zu bekommen. Erlebnisse, die durch iTunes oder Spotify vollkommen verloren gegangen sind. Wenn es also nach uns ginge, würden Plattenläden in Amerika ein Revival erleben.«
Carol Lim und Humberto Leon, Creative Directors Kenzo
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»Ich neige nicht zur Nostalgie, aber woran ich oft zurückdenke, ist diese völlig neue Freiheit, man selbst zu sein im New York der Siebziger, der Ära des ›Studio 54‹. Das war eine fantastische Zeit und der perfekte Ort, um jung und unerschrocken zu sein.«
Diane von Fürstenberg, Designerin
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»Die Schweizer Fotografin Doris Quarella wurde in den Siebzigern mit Reportagen und ausdrucksstarken Porträts bekannt, sie hat auch Mode fotografiert, unter anderem für Akris. Ihre Liebe gehörte den Künstlern und ihr Engagement den Frauen. Sie hat in preisgekrönten Fotobänden wie Hier, jetzt oder nirgendwo und Frauen ganz oben Theatergrößen wie Maria Becker ebenso porträtiert wie Unternehmerinnen und Bergbäuerinnen. Vielleicht verlegt sie jemand neu und verhilft dem poetischen und feinen Werk von Doris Quarella zu einem Comeback.«
Albert Kriemler, Chefdesigner Akris
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»Ich hätte so gern das legendäre britische Magazin The Face wieder. Ich war geradezu süchtig nach der Mischung aus Mode, Pop und Zeitgeist, bis es 2004 leider eingestellt wurde.«
Marco Zanini, Chefdesigner des Couture-Hauses Schiaparelli
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»Ein Jammer, dass der Maler und Bildhauer Alberto Giacometti nicht mehr unter uns ist. Er benutzte den Bleistift auf so unglaublich intensive Weise, ich habe nie wieder jemanden so arbeiten sehen. Ich finde, er wird schmerzlich vermisst.«
Paul Smith, Designer

Illustrationen: Damien Florébert Cuypers

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