Modeschule

    Wer trägt denn heute noch Westen? Im Rokoko, dem Zeitalter der modischen Maßlosigkeit, wollten sich auch die Männer hübsch ausstaffieren und entdeckten die Weste als dekoratives Element. Mit der Französischen Revolution verschwanden die prächtig verzierten und oft mit blumigen Ornamenten bestickten Westen und tauchten dann in der Bismarck-Ära wieder auf. Farblich passend zu Jackett und Hose, hatten sie keine modische Aufgabe, sondern sollten vor allem die barocke Figur der Träger kaschieren. Seitdem wirken Männer in Westen immer etwas altväterlich, aber durchaus auch vertrauenswürdig. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Westen heute gern von Bankern und Politikern angezogen werden. Vertreter anderer Berufssparten sollten die Weste als Spaß verstehen und ein fantasievoll bedrucktes, farbenfrohes, auffälliges Modell wählen. Passen Sie allerdings bei Streifenmustern auf – man könnte Sie leicht mit dem Oberkellner verwechseln. Peter Paul Polte ist Chefredakteur der Modefachzeitschrift »Textilwirtschaft«.

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