In freundschaftlicher Abneigung

Die Weggefährten Hans-Christian Ströbele und Otto Schily haben viel gemeinsam erlebt: als Anwälte der RAF, als Mitbegründer der Grünen und als Kollegen im Bundestag. Heute haben sie sich politisch kaum noch was zu sagen. Ein Streitgespräch. 

Ströbele und Schily beim Interview im Tiergarten

Die beiden haben sich lange nicht gesehen, das merkt man gleich an der sachlichen Begrüßung. Dabei waren sie mal das Dreamteam der APO, der Außerparlamentarischen Opposition, die die junge Republik herausforderte: erst als Rechtsbeistand rebellierender Studenten, dann als federführende Verteidiger der RAF-Terroristen Andreas Baader und Gudrun Ensslin, schließlich als Mitbegründer der Grünen.

Beim Gang durch die Institutionen trennten sich dann ihre Wege: Schily wurde SPD-Innenminister unter Rot-Grün mit dem Spitznamen »Otto der Harte«, Ströbele machte sich als moralische Instanz der Grünen einen Namen, und als unbeirrbarer Altlinker im Bundestag. Aneinandergeraten sind die einstigen Weggefährten politisch immer wieder, vor allem während der Schröder-Regierung. Ausgesprochen aber haben sie sich öffentlich nie, so entstand die Idee zu diesem Doppel-Interview, das an einem heißen Sommertag im Zoogarten Berlins stattfand.

Ströbele kam natürlich mit dem Fahrrad, gewohnt schmal, aber rüstig. Schily, im Dreiteiler mit Gehstock, ließ sich mit einer schwarzen Limousine vorfahren. Natürlich duzt man sich noch. Aber nur der alten Zeiten wegen. Wie tief die Gräben sind, die beide trennen, merkt man, wenn es im Interview zur Sache geht. Dann wechselt Schily gerne in die dritte Person und wird schneidend: »Da sieht man den kleinen sachten Pragmatismus der Herrn Ströbele, wenn es ihm um die Macht geht!«

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Zunächst allerdings erinnern sich beide an die Zeit ihrer Jugend und ihre Politisierung. Tatsächlich kommen beide aus einem anthroposophisch geprägten Elternhaus. Beide erklären, dass sie Stricken gelernt haben. Schily schwärmt noch heute von seinen Privatlehrern: »Die Frau Wollborn hat uns Malen beigebracht und mit uns Eurythmie geübt. Kann ich heute noch. Und bin auch dankbar dafür.«

Als weißer Jahrgang wurde Schily nicht eingezogen, anders als der heutige Radikalpazifist Ströbele, der zwar ungern in der Bundeswehr war, es dort aber als Kanonier der Reserve zu einem guten Schützen brachte: »Ich konnte schießen, mit der Kanone und der MP. Und ich habe getroffen.«



Fotos: Urban Zintel

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